Die Japanerin heißt Yu, und wenn sie sich auf Englisch vorstellt, klingt das wie „I am you“: Ich bin du. Diese Doppeldeutigkeit ist sinnbildlich für „Kirschblüten & Dämonen“. Das Drama ist die Fortsetzung zu „Kirschblüten – Hanami“ (2008), einem der besten Filme von Doris Dörrie.

Alkohol hat alles genommen

Hauptfigur der Geschichte ist Karl (Golo Euler), den der Tod seiner Eltern vor zehn Jahren aus der Bahn geworfen hat. Der Alkohol hat ihm alles genommen; viele Bilder wirken wie ein verfilmtes Delirium. Die spezielle Bildgestaltung von Kameramann Hanno Lentz legt ohnehin die Frage nahe, ob das nicht alles bloß ein Hirngespinst ist.

Verwaistes Elternhaus

Die eigentliche Handlung beginnt, als Yu (Aya Irizuki) in München vor Karls Tür steht. Die Japanerin hatte sich um seinen Vater Rudi gekümmert, als der den Traum seiner verstorbenen Frau Trudi erfüllen wollte und nach Tokio gereist ist. Yu möchte sein Grab besuchen und will wissen, wie er und Trudi gelebt haben. Also fährt Karl mit ihr ins Allgäu zum verwaisten Elternhaus und stellt sich auf diese Weise unfreiwillig seiner Vergangenheit, die ihn immer noch im Griff hat, wie die nächtlichen Begegnungen mit den Eltern (Hannelore Elsner, Elmar Wepper) zeigen.

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Das sparsame Licht und die Kameraführung sorgen dafür, dass sich die familiäre Enge fast klaustrophobisch vermittelt. Die Schatten der Vergangenheit manifestieren sich in einer diffusen finsteren Gestalt, die stellenweise recht gruselig wirkt. Die düstere Anmutung des Films ändert sich erst, als Karl nach einer unfreiwillig in der Winterkälte verbrachten Nacht aus einem längeren Koma erwacht. Mittlerweile ist Sommer, plötzlich spricht er nicht mehr Bairisch, sondern Hochdeutsch, und reist nach Tokio, um Yu zu suchen.

Ein großes Werk

Auch wenn der Film nicht ganz den Stellenwert von „Kirschblüten – Hanami“ erreicht, weil die Geschichte von Trudi und Rudi auch dank der famosen Leistungen von Hannelore Elstner und Elmer Wepper letztlich berührender war: Das Drama ist erneut ein großes Werk von Doris Dörrie, die dank „Männer“ (1985), „Keiner liebt mich“ (1994) oder „Klimawechsel“ (2010) nun schon seit 35 Jahren zu den wichtigsten deutschen Regiekräften zählt.

Asiatisch inspiriert

Sie bezeichnet den Film als asiatisch inspirierte Gespenstergeschichte, und sicher nicht nur wegen der diversen Anspielungen auf einige Klassiker des japanischen Kinos. Spätestens eine geisterhafte Familienaufstellung verdeutlicht, welchen Stellenwert die Vergangenheit auch über mehrere Generationen hinweg noch hat.

Abspann:

Genre: Drama

Buch und Regie: Doris Dörrie

Darsteller: Golo Euler, Aya Irizuki

Länge: 110 Min., FSK: ab 12

Fazit: Faszinierender Film zwischen Traum und Wirklichkeit.