Die Funktion eines Bühnenbilds ist, kurz gesagt, ein Bühnenstück inhaltlich mit den Mitteln einer bildnerischen Darstellung zu veranschaulichen und zu unterstützen. Die Anforderung dabei ist allgemein, den Blick für das Ganze zu bewahren, sich nicht im Detail zu verlieren und Atmosphäre und Dichte zu schaffen. Das Bühnenbild legt eine Spur zum Stück und ebnet im Idealfall visuell eine Verbindung zwischen Zuschauer und Aufführung – neben den darstellenden Akteuren selbst.

Dass die in Freiburg lebende Künstlerin Hilde Bauer (1963 in Bamberg geboren) vom Bühnenbild kommt, wird nicht allein durch Text vermittelt. Ganz offensichtlich tritt die Herkunft ihrer gestalterischen Entscheidungen in ihrer umfangreich bestückten Einzelausstellung „Zeiträume“ im Hotel St. Elisabeth im Kloster Hegne zutage. Rund 70 Werke als Gemälde und Objekte, vom kleinen Format bis zu größeren Dimensionen, hält die Künstlerin, die in Freiburg lebt und arbeitet, auf zwei Besuchsebenen vor. Was für viele andere regionalen Ausstellungsorte numerisch eine Herausforderung wäre, im Hotel St. Elisabeth mit seinen weiten und hellen Fluren lässt sich das leicht integrieren.

Ein Gestaltungsmerkmal bei Hilde Bauer fällt besonders auf, und zwar in ihrer Art des Farbauftrags und der Pinselführung bei ihren räumlichen, fokussierten Ansichten von urbanen Arealen und einzelnen Fabrikgebäuden. Obwohl manche Gemälde einen jeweiligen Ort namentlich im Titel anführen und so wie „München“ (drei Werke, 2018) auf real existierende Gebäudezüge in der Stadt zu verweisen scheinen oder gar wie mit „Münster Freiburg“ (2016) ausdrücklich festen Bezug auf eine bestehende Architektur nehmen, stehen nicht Abbildung und Authentizität im Mittelpunkt von Hilde Bauers Betrachtungen. Ihr Augenmerk gilt vielmehr der atmosphärischen Verdichtung des ausgewählten Orts bei seiner gleichzeitigen Öffnung hin zu anderen räumlichen Empfindungen.

Mit behänden leichten Pinselstrichen und gleichermaßen zurückhaltenden, akzentuiert aufgetragenen Farbtönen verwebt Hilde Bauer ihre Kompositionen zu kraftvollen und dennoch sehr leicht daher kommenden Raumgebilden, die den Betrachter, beinahe wie durch Elfenhand oder Zauberei, in eine Anschauungsempfindung zwischen Realität und Traum führen und ihn dennoch entschlossen seiner eigenen Imaginationskraft überantworten – wie bei einem „richtigen“ Bühnenbild eben. Tatkräftige Unterstützung erlangen Hilde Bauers charakteristische Gestaltungsmerkmale des Weiteren durch das Prinzip der Weglassung und der Andeutung.

Hilde Bauer: London, 2016, Acryl und Schellack auf Leinwand (ohne Größenangaben). Bild: Joachim Schwitzler
Hilde Bauer: London, 2016, Acryl und Schellack auf Leinwand (ohne Größenangaben). Bild: Joachim Schwitzler | Bild: Joachim Schwitzler

Exemplarisch mögen dafür auch ihre Gemälde „Hafen II“ (2018) oder „London“ (2016) stehen. Was aus größerer Distanz eine gegebene Wirklichkeit mutmaßlich zu beschreiben scheint, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als ein handwerklich wie bildnerisch eindrucksvoll herausgearbeitetes Zusammenwirken von Figuration und Abstraktion. Realitätsbezüge werden transformiert, statt dessen tritt eine energetisch wie sphärisch aufgeladene Offenheit des Bildraums zutage.

Bis 3. Oktober 2018. Öffnungszeiten: täglich 10 – 17 Uhr. http://www.kloster-hegne.de