Wenn Filme in der ostdeutschen Vergangenheit spielen, geht es meist um historische Ereignisse. „Freies Land“ erzählt jedoch nicht nur in dieser Hinsicht eine ungewöhnliche Geschichte: Die Handlung ist in einem bitterkalten Nachwendewinter angesiedelt, zu einer Zeit also, in der die Weichen für die heutige Gegenwart gestellt worden sind. Außerdem ist der Film ein Krimi, und das macht die Geschichte zusätzlich interessant: In einem Dorf sind zwei Schwestern verschwunden.

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Für die Einheimischen ist der Fall klar: Die Teenager sind den Verlockungen des goldenen Westens erlegen. Die Ermittler Stein und Bach (Trystan Pütter, Felix Kramer) finden schließlich ihre grausam zugerichteten Leichen; und Hinweise auf weitere ganz ähnliche Fälle. Die Dorfbewohner wirken dennoch seltsam desinteressiert und lethargisch; als hätten Rost und Frost nicht nur der Gegend, sondern auch den Menschen zugesetzt. 

Christian Alvart (Buch und Regie) hat hier erstmals auch die Bildgestaltung übernommen und den Bildern dank einer besonderen Farbgebung eine ganz spezielle Stimmung verliehen. Darüber hinaus lebt „Freies Land“ nicht zuletzt vom Kontrast zwischen den beiden Kommissaren: hier der korrekte „Wessi“ Stein, ein werdender Vater, der nach Rostock strafversetzt worden ist, weil er sich mit seinem Chef angelegt hat; dort der trinkfeste Bach, nach außen ein Fels, innerlich jedoch von einer nicht näher erläuterten Krankheit zerrissen. Stein missbilligt zwar Bachs brachiale Befragungsmethoden, muss aber anerkennen, dass sie von großem Nutzen sind. Zwischendurch prügeln sich die beiden auch mal, aber letztlich bilden sie ein gutes Team; bis Stein von der finsteren Vergangenheit des Kollegen erfährt.

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Vorzüglich ist auch die Besetzung. Selbst wenn Alvart keine Topstars verpflichtet hat: Schon allein die beiden Hauptdarsteller sind herausragend. Der Hesse Pytter, bekannt vor allem durch die beiden ZDF-Mehrteiler „Ku‘damm 56“ und „Ku‘damm 59“, hat dank seiner markanten Gesichtszüge ohnehin ein Kinogesicht. Mindestens genauso eindrucksvoll ist die Leistung von Felix Kramer.

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Der Regisseur hat sich zu einem der „amerikanischsten“ deutschen Filmemacher entwickelt. Seine „Tatort“-Episoden mit Til Schweiger wirkten allesamt zu groß fürs Fernsehen; der coole Bach erinnert mit Sonnenbrille und Schnauzbart ohnehin an Kinohelden der Achtzigerjahre. Schauplatz und Handlungszeit garantieren der Geschichte wiederum eine gewisse Unverwechselbarkeit.

Abspann:

Buch und Regie: Christian Alvart

Darsteller: Trystan Pütter, Felix Kramer

Länge: 129 Minuten

FSK: ab 16

Fazit: Vorzüglich gespielter Film mit ganz eigener Atmosphäre.