Als ein bewaffneter Raubüberfall schief geht und die Täter dabei ihr Leben verlieren, geraten deren Witwen angesichts offener Gangster-Rechnungen unter Zugzwang. Schließlich bleibt den hinterbliebenen Frauen nur eine Option: Sie müssen selbst einen millionenschweren Coup planen. Was nach einem vermeintlich geradlinigen Actionthriller klingt, wird in den Händen von Ausnahmeregisseur Steve McQueen („12 Years a Slave“) zu sehr viel mehr.

Tatsächlich hat der Oscar-Gewinner noch nie so nah am Mainstream operiert wie nun mit dem Film „Widows – Tödliche Witwen“ (das suggeriert schon der dämliche deutsche Untertitel), doch setzt der Brite sich dabei – ebenso absichtsvoll wie meisterlich – zwischen alle Stühle. Parallel zum unterhaltsamen Heist-Plot nämlich spinnt er, visuell wie erzählerisch raffiniert, eine Geschichte über Trauer und Selbstermächtigung, patriarchale Strukturen und korrupte Stadtpolitik, die man in dieser Komplexität und vor allem emotionalen Tiefe in diesem Genre gemeinhin nicht erwartet. Für letztere sorgen dabei natürlich nicht zuletzt die famosen Schauspieler.

Das Ensemble ist bemerkenswert prominent und umfasst etwa Liam Neeson, Robert Duvall, Michelle Rodriguez oder Colin Farrell, wobei vor allem Elizabeth Debicki und Daniel Kaluuya beeindrucken. Und dann ist da natürlich noch die einmal mehr herausragenden Viola Davis („Fences“), die mit einer eindringlichen und facettenreichen Performance das Zentrum des Films darstellt.

McQueen und Ko-Autorin Gillian Flynn (bekannt vor allem als Schöpferin von Bestsellerin wie „Gone Girl“), denen übrigens eine gleichnamige britische Serie aus den Achtzigern als Vorlage diente, verstehen sich derweil durchaus auf unerwartete Twists. Vor allem aber ist es hochspannend, wie sie ihrer eigentlich eher unglaubwürdigen Prämisse eine sich zusehends verdichtende Wahrhaftigkeit und Wucht verpassen, der man sich nicht entziehen kann.

Dass der eigentliche Raub dann schließlich erst im letzten Filmdrittel und relativ schnell über die Bühne, stört deswegen kein bisschen. Beziehungsweise wirkt „Widows“ vermutlich genau deswegen auch nach dem Kinobesuch noch so lange nach.

Abspann

Originaltitel: Widows

Regie: Steve McQueen

Darsteller: Viola Davis, Elizabeth Debicki, Colin Farrell, Michelle Rodriguez

Produktionsland: GB/USA 2018

Länge: 130 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Fazit: Erstaunlich komplexe Mischung aus Actionthriller und Drama