Die Turnhalle ist der angestammte Ort der Donaueschinger Musiktage. Als Festivalgänger denkt man nur selten darüber nach, dass in der Baar-Sporthalle oder der Turnhalle der Realschule während des Restjahres tatsächlich gesportelt und nicht musiziert wird. Basketballkörbe oder Sprossenleitern nimmt man eigentlich nicht mehr wahr, wenn das SWR Symphonieorchester zum Abschluss der Musiktage seine Plätze auf der Bühne einnimmt.

Daher braucht es manchmal einen Komponisten wie Benedict Mason, um den Ort und, ja, seine Vorzüge für die Neue Musik mal richtig bewusst wahrzunehmen. Der Brite überraschte das Publikum beim Abschlusskonzert mit einer ausgefeilten Orchesterchoreografie, für die er nicht nur die Sporthalle an sich, sondern das komplette Gebäude mitsamt Garderoben, Fluren und dem Treppenhaus bespielen ließ.

Musiker kommen und gehen

„Ricochet“ spielt mit dieser Überraschung, dass anfangs zwar Kontrabässe und Harfen die Bühne beziehen, man dann aber ganz andere Klänge von ganz woanders hört. Die Türen stehen offen, durch die der Klang herein weht. Und während man innen noch darüber rätselt, ob es Lautsprecher sind, die für die Musikübertragung sorgen, ziehen erste Orchestergruppen durch den Raum, queren das Publikum, spielen Wände oder Zuschauerreihen an und verschwinden wieder. Das hat durchaus einen Zauber. Masons Stück hat nur einen Nachteil: Der Raumklang-Witz ist schnell erkannt. Ab diesem Punkt müsste die Musik selbst tragen. Doch dafür ist sie nicht interessant genug.

Noch eine ganz andere Überraschung hielt das Abschlusskonzert bereit: die Uraufführung eines bereits verstorbenen Komponisten. Der Schweizer Hermann Meier (1906-2002) konnte mit seinem Orchesterstück „HMV 62“ von 1965 bei den damaligen Machern der Musiktage nicht landen. Erst jetzt erfuhr er eine Art Wiedergutmachung. Das Stück, das statt serieller Reihentechnik bereits mit Klangflächen arbeitet, überrascht vor allem durch die konsequente Machart, die nichts verschleiert, sondern quasi dasteht wie ein nacktes Baugerüst. Schwer vorstellbar, dass ein Komponist heute so viel von seinem Handwerk offenlegen würde.

Die schwedische Komponistin Malin Bång freut sich über den Orchesterpreis des SWR.<em><br /></em>
Die schwedische Komponistin Malin Bång freut sich über den Orchesterpreis des SWR.
| Bild: Ralf Brunner / SWR

Überrascht dürfte schließlich auch die Komponistin Malin Bång gewesen sein. Sie erhielt den diesjährigen Orchesterpreis für ihr Werk „Splinters Of Ebullient Rebellion“, das beim Eröffnungskonzert erklungen war. Völlig zu Recht. Nicht nur wegen der Schreibmaschinen, die das Stück zu einem Kuriosum machen. Die Schwedin bewies auch einen originellen Klangsinn. Und, ja, es ist auch schön, dass mal eine Frau den Orchesterpreis bekommt.