Wenn deutsche Touristen auf den Spuren der Romantik durch Cornwall reisen, müssen sie nicht lange suchen. Die üppigen Gärten, dramatischen Küsten, engen Straßen, hohen Hecken und prächtigen Herrenhäuser, die sie sonst jeden Sonntagabend vom heimischen Sofa aus im Fernsehen bewundern, zeigen sich hier tatsächlich wie im Bilderbuch. Erstaunen lösen die deutschen Touristen nur regelmäßig aus, wenn sie Briten auf Rosamunde Pilcher ansprechen – jene Autorin, die ihre Herzschmerz-Geschichten vor die Kulisse der wilden, wunderschönen Natur Cornwalls setzte.

Das könnte Sie auch interessieren

„Rosamunde wer?“, lautet die Antwort der Engländer dann meist. Mit mehr als 60 Millionen verkauften Büchern gehörte die Autorin zwar zu den erfolgreichsten Schriftstellerinnen der Gegenwart. Doch anders als im deutschsprachigen Raum, wo vor allem die Verfilmungen ihrer literarischen Vorlagen für das ZDF Pilcher berühmt gemacht haben, war sie im Vereinigten Königreich weniger bekannt. Nun ist die Grande Dame der Liebesschnulze im Alter von 94 Jahren an einem Schlaganfall gestorben, wie ihr Sohn Robin Pilcher mitteilte.

Sieben Millionen Fernsehzuschauer

Rosamunde Pilcher wollte ihre Leser während der Lektüre der Erzählungen in den Urlaub entführen und gab ihnen passenderweise Titel wie „Sommer am Meer“, „Das Haus an der Küste“, „Englischer Wein“ oder „Wilder Thymian“. Das kam bei den deutschen Zuschauern an: Durchschnittlich rund sieben Millionen Menschen hängen sonntagabends vor dem Bildschirm der Sehnsucht nach Idylle nach. Und obwohl bereits vor Jahren längst alle Romane verfilmt waren, fanden die Produzenten weiteren Stoff in Pilchers Kurzgeschichten, die sie nach eigenen Angaben am Küchentisch verfasst hat. „Ich hätte mir nie vorstellen können, dass das ein Erfolg würde“, sagte die Autorin einmal.

Pilcher wurde 1924 als Tochter eines Marineoffiziers im kornischen Lelant geboren. Mit ihrem Mann Graham zog sie nach Longforgan bei Dundee in Schottland, wo sie bis zuletzt lebte. Seit 2009 war sie verwitwet. Im Juni 2012 gab sie bekannt, im Alter von 87 Jahren, mit dem Schreiben aufzuhören.

Der Rosamunde-Pilcher-Effekt

Zwar verfasste Rosamunde Pilcher bereits als Mädchen Geschichten, doch erst 1987 schaffte sie mit dem Roman „Die Muschelsucher“ den Durchbruch. Häuser voller Geheimnisse, Familien mit Lügen, wunderschöne Schauplätze: „Damit veränderte sie das Gesicht romantischer Fiktion“, sagt die britische Bestseller-Autorin Katie Fforde.

Im Südwesten Englands ist die Dankbarkeit über Pilchers Geschichten groß. In Cornwall spricht man vom „Rosamunde-Pilcher-Effekt“, wenn rund 350.000 Touristen pro Jahr aus Deutschland, Österreich und der Schweiz anreisen. Fast als logische Folge wurde die Schriftstellerin im Jahr 2002 für ihre Verdienste um den Tourismus mit einem British Tourism Award ausgezeichnet. Immerhin, Rosamunde Pilcher hat die englische Traumwelt nach Deutschland gebracht.