„Paris wurde beleidigt. Paris wurde gebrochen. Paris wurde gequält. Aber Paris ist befreit! Befreit durch sich selbst, befreit durch sein Volk mithilfe der französischen Armee und mit der Unterstützung von ganz Frankreich.“ Die triumphierenden Worte von Charles de Gaulle bei seiner berühmten Rede am 26. August 1944, einen Tag nach der Kapitulation der deutschen Besatzer, die er vor dem Pariser Rathaus hielt, gehören zum französischen Kulturgut. „Das ist ja ein Meer“, soll der Chef des „Freien Frankreich“, der während des Zweiten Weltkriegs vom Londoner Exil aus den Widerstand organisierte, zuvor mit Blick auf die Menschenmassen gesagt haben, die ihm zujubelten, als er die Champs-Élysées hinunterzog.

Stolzer Mythos des souveränen Frankreich

Indem de Gaulle in seiner Rede die Bedeutung der Alliierten bei der Befreiung von Paris überging und diese ganz als französischen Erfolg darstellte, legte der spätere Präsident den Grundstein für den stolzen Mythos eines stets souverän gebliebenen Frankreich sowie für seinen eigenen Ruhm.

Dieser lebt bis heute fort, auch wenn Historiker die Hintergründe und Zusammenhänge der damaligen Ereignisse längst aufgearbeitet haben. Demnach planten Briten und Amerikaner die Einnahme der französischen Hauptstadt eigentlich zu einem späteren Zeitpunkt, während de Gaulle zu schnellem Handeln drängte: Er befürchtete einen Bürgerkrieg oder dass Frankreich letztlich in die Vormundschaft der Alliierten fallen könnte.

Als die französischen Widerstandskämpfer dann ab 19. August 1944 einen bewaffneten Aufstand organisierten, wurden schließlich nach langen Verhandlungen mit US-Präsident Dwight D. Eisenhauer alliierte Truppen zu deren Unterstützung in Richtung Paris geschickt. Die erste Einheit, die eintraf, bestand nicht aus Franzosen, sondern Spaniern.

Zwar gilt die Befreiung der Stadt, die Hitler zerstört sehen wollte, nicht als Militäroperation von großer strategischer Bedeutung. Ein weltweites Echo erzeugte sie vielmehr aufgrund ihrer starken symbolischen Kraft.

Blick auf das „Musée de la Libération“, das neue Museum zur Befreiung von Paris.
Blick auf das „Musée de la Libération“, das neue Museum zur Befreiung von Paris. | Bild: Ch. Batard/Agence Artene/Musée de la Libération

An diesem Sonntag, genau 75 Jahre nach den Ereignissen, eröffnet in Paris ein neues „Musée de la Libération“, also ein Museum über die Befreiung, das der Besatzungszeit, der Résistance und vor allem zwei ihrer herausragenden Persönlichkeiten gewidmet ist: Zum einen Jean Moulin, dem Koordinator des inneren Widerstands gegen das mit den Nazis kollaborierende Vichy-Régime, der 1943 bei Lyon festgenommen wurde und nach grausamer Folter beim Transport nach Deutschland starb. Zum anderen Philippe de Hauteclocque, bekannt geworden unter seinem Tarnnamen General Leclerc.

Wie Moulin in enger Verbindung mit de Gaulle stehend, marschierte er mit Truppen afrikanischer Kolonien durch die Sahara bis zum Mittelmeer voran, beteiligte sich an der Landung der Alliierten in der Normandie und traf am 25. August in Paris ein, um anschließend seinen Siegeszug bis zu Hitlers Domizil am Obersalzberg fortzusetzen.

Fokus auf der Résistance

Das Ziel des Museums bestehe darin, „dem Publikum zu ermöglichen, eine entscheidende Seite der Geschichte Frankreichs über den Weg dieser beiden sehr verschiedenen Männer kennenzulernen“, sagt Direktorin Sylvie Zaidman. Während die Kollaboration, die aktive Teilnahme an der Judenverfolgung und die Massenfestnahmen bei der Razzia am Wintervelodrom durchaus zu Wort kommen, bleibt der größere Fokus auf der Résistance. Erstmals kann der Bunker 20 Meter unter Straßenniveau besichtigt werden, in dem Henri Rol-Tanguy, einer der Résistance-Chefs, ab dem 20. August seinen Kommandoposten eingerichtet hatte – mitsamt Fahrrädern, um notfalls Strom erzeugen und entlüften zu können.

Neben Porträts weiterer Persönlichkeiten dieser Zeit – wie dem Chef des Vichy-Regimes Philippe Pétain oder dem deutschen Stadtkommandanten von „Groß-Paris“ Dietrich von Choltitz, der sich Hitlers Zerstörungsbefehl widersetzt hatte –, Videos von Zeitzeugen, Zeitungstitelseiten oder Plakaten wird auch das Alltagsleben der Pariser Bevölkerung im Zweiten Weltkrieg beschrieben.

Die meisten Menschen erduldeten demnach mehr schlecht als recht die deutschen Besatzer, die sich in den schicksten Hotels der Stadt eingerichtet hatten und das umfangreiche Kulturangebot genossen. Und sie warteten, so wie Marguerite Sabaut, die sich während Besatzung ein Kleid in den Farben der französischen Trikolore, bedruckt mit Symbolen wie dem Eiffelturm und dem Triumphbogen, schneiderte, in der Hoffnung, es irgendwann zu tragen. Was sie auch tat – nämlich am 26. August 1944, als sie in der Menge stand, die begeistert Charles de Gaulle zujubelte.

Neues Museum zur Befreiung von Paris: Musée de la Libération – musée du Général Leclerc – musée Jean Moulin. Öffnungszeiten: Di-So, 10-18 Uhr. Weitere Infos: http://www.museeliberation-leclerc-moulin.paris.fr