Spielt heute eigentlich noch jemand mit Puppen? Die doppelköpfige Puppe der Belgrader Kostümbildnerin Marija Tavcar steht jedenfalls fast unbemerkt im ersten Raum der Ausstellung „Von Menschenhand“. Versteckt hinter einer Eisenstange, zwischen einem schwarzen Kasten und einer riesigen weißen Maske mit Stachelaugen und rotem Mund. Ist das Absicht? Und warum möchte man sie verstecken?

Elegant steht sie da in ihrem roten Ballonrock, die beiden Körper in weißen Blusen, die zwei Katzenköpfe liebevoll einander zugeneigt. Ein Wesen, das aus einer Märchenwelt kommt und den Anschein macht, als würde es sich fragen, wo es ist und wie es herkam. In den anderen Ausstellungsräumen gibt es mehr von ihnen. Mehr Puppen in edlen Kostümen, die an den Karneval in Venedig erinnern. Mal mit Tierköpfen mal mit grotesken menschlichen Gesichtern, die die Betrachter in ihre Welt mitnehmen möchten, wenn sie das denn zulassen.

Die anderen Werke der Ausstellung

Andere Werke der Gemeinschaftsausstellung appellieren weniger an das Vorstellungsvermögen der Besucher. Die Berliner Künstlerin Fides Becker verarbeitet die Geschichte des Hauses als Textilladen und Wirtschaft in ihren Werken und stellt Alltagsgegenstände wie Vorhänge, Waschbeckenabflüsse oder Tapeten in Aquarellbildern dar. Erschließen kann man sich die Geschichte des Hauses durch die Bilder aber nicht. Die abgebildeten Gegenstände sehen heute noch genauso aus wie vor 100 Jahren.

Die Arbeiten des Künstlers Vadim Levin sind gegenwartsbezogener. Er porträtiert Künstler, die er vorher in ihren Ateliers in Thurgau besucht hat. Aus geometrischen Formen setzt er Masken zusammen, die die „magische Seite“ des Menschen zeigen sollen, statt nur das Äußere abzubilden. Dadurch bekommen die Werke allerdings eine stark abstrahierte Form und die Betrachter finden keinen Bezug dazu, weil sie sich mit den Masken nicht identifizieren können.

Wir müssen Fantasie beweisen

Puppen hingegen! Damit kann jeder etwas anfangen! Sie versetzen uns zurück in die Kindheit und entführen uns in eine fantastische Welt. Sie verlangen uns aber auch viel ab: Wir müssen Fantasie beweisen und unsere eigene Welt zurücklassen. Uns auf Abenteuer ein- und das Unmögliche zur Realität werden lassen. Das kann auch Angst einflößen. Kein Wunder, dass man sie deshalb vielleicht lieber verstecken möchte. Dabei erreichen diese schick angezogenen Puppen mit Tiergesichtern das, was wir uns von einer Ausstellung erhoffen: einen Lernprozess, der uns etwas über uns selbst oder die Welt, in der wir leben, beibringt. Oder aber Altbekanntes, das in Vergessenheit geraten ist, neu aufleben lässt.

Finissage am 04. Mai um 17 Uhr im Haus zur Glocke in Steckborn. Weitere Informationen unter www.hauszurglocke.ch

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