Mit dem Oscar hat es auf Anhieb geklappt. Doch auch wenn Florian Henckel von Donnersmarck für „Das Leben der Anderen“ die Trophäe für den besten fremdsprachigen Film bekam: Auf den großen Festivals konnte der deutsche Regisseur bislang keinen Wettbewerbs-Platz ergattern – weder mit seinem Debüt noch mit dem verrissenen Folgewerk „The Tourist“. Doch nun hat er es geschafft. Sein Künstler-Drama „Werk ohne Autor“ konkurriert in Venedig um den Goldenen Löwen.

Drei Stunden deutsche Geschichte

Wieder schweift Donnersmarck zurück in die deutsche Geschichte. 188 Minuten nimmt er sich Zeit, um der Laufbahn des Künstlers Kurt Barnert (Tom Schilling) zu folgen – von der Nazi-Zeit über die DDR bis in die BRD der 1960er-Jahre. „Bei den Nazis und den Kommunisten konzentrierte man sich bei der Kunst sehr auf das Handwerk und eine politische Botschaft. Im Nachkriegs-Deutschland wollten die Künstler alles neu erfinden und das Handwerk ging über Bord“, so Donnersmarck auf die Frage nach dem satirischen Blick auf die Kunst-Szene. „In einem Meer an Nonsens konnte die Kunst schnell untergehen. Versteckt darin gab es aber auch die Kunst, die großen Anteil an der Heilung unseres Landes hatte.“

Parallelen zu Gerhard Richters Leben

Die Parallelen zum Leben des Künstlers Gerhard Richter sind offensichtlich. Als Film-Biografie will der Regisseur „Werk ohne Autor“ aber nicht verstanden wissen – und änderte die Namen. Mit dieser Freiheit verdichtet und spitzt er zu, auch wenn die Bezüge zu Richters Biographie und zu Nebenfiguren wie Joseph Beuys eindeutig sind.

Anfangs verzweigt Donnersmarck die Handlung, thematisiert Krieg und die Ermordung psychisch Kranker durch die Nazis. Es werden zentrale Fragen nach Inspiration und der Suche nach dem künstlerischen Ausdruck verhandelt. Dabei spiegelt er den Umgang mit Kunst über die Jahrzehnte und in unterschiedlichen politischen Systemen.

Die Hauptfigur ist der Schwachpunkt

Inszenatorisch neigt Donnersmarck vor allem in der ersten Hälfte nicht nur zu einer Überdeutlichkeit im komplexen Handlungskonstrukt, sondern auch zu einem etwas zu aufdringlichen Einsatz der emotional aufgeladenen Musik. Ausgerechnet die Hauptfigur ist hier ein Schwachpunkt: Die bewegte Liebes- und Familiengeschichte mit seiner Frau Elisabeth (stark: Paula Beer) findet zu selten emotionale Resonanz in Barnerts Figur. Dass liegt nicht an Tom Schilling, der die Sache sehr ordentlich bewältigt.

In Venedig bekam Donnersmarck nach der ersten Vorführung zurückhaltenen Applaus. Doch auch wenn es mit dem Löwen nicht klappen sollte, wird es ja vielleicht etwas mit Oscar Nummer zwei. Von deutscher Seite her bekam Donnersmarck zumindest schon Vorschusslorbeeren: „Werk ohne Autor“ geht als deutscher Kandidat um eine Nominierung ins Rennen.