Mendelssohns populäres Violinkonzert verliert nie seinen Zauber, auch nicht nach unzähligem Hören. Diesem Zauber spürt auf ihre ganz eigene Art die niederländische Geigerin Rosanne Philippens im Konzerte mit der Südwestdeutschen Philharmonie in Konstanz und Radolfzell nach. Sie nimmt den virtuosesten Passagen und auch den heikelsten Spitzentönen auf der Geige jegliche Schärfe, scheint ganz bewusst das nur brillant Glänzende vermeiden zu wollen. Sie hört selbst ganz warmherzig in ihre eigenen Klänge hinein und immer auch in die des Orchesters, was von Anfang an einen beredten und klugen Dialog gewährt.

Impulse der Solistin

Philippens' erste Kadenz im Kopfsatz erklingt bei aller technischen Raffinesse mit einem interessanten Schuss Herbheit, ein wenig in dunkleren Farben. Chefdirigent Ari Rasilainen nahm die vielen Impulse der Solistin gekonnt auf, auch die spontaneren, und ermöglichte es so der Südwestdeutschen Philharmonie, sich von Rosanne Philippens' Spiel zu feinsinniger Untermalung anstecken zu lassen, so etwa im charmanten Duo der Solistin mit der Flöte im spritzig-kecken Schlusssatz.

Ari Rasilainen dirigierte das letzte Abo-Konzert der Saison.
Ari Rasilainen dirigierte das letzte Abo-Konzert der Saison. | Bild: Felix Broede

Felix Mendelssohn strahlt viel Eleganz aus und ist damit Frankreich gar nicht so fern. Umgekehrt ist César Franck in seiner späten d-Moll-Symphonie auch den deutschen Neuerern wie Wagner oder Liszt nah. Dieses prachtvolle Werk liegt Ari Rasilainen sichtlich. Und so zeigt er mit dem Orchester erfreulich oft und erfreulich abwechslungsreich die großen Emotionen.

Man merkt die genaue Probenarbeit

Fast enthemmt spielt die Philharmonie auf, man merkt hier eine genaue und empathische Probenarbeit an dieser Sinfonie. Die Themen kommen in eleganten Wellen, die Klangfarben stimmen in ihrer immer transparenten und nie zu dick aufgetragenen Mixtur. Präzise achtet Rasilainen auf die dynamischen Abstufungen und unterstreicht damit die reiche Fantasie an Themen und Motiven. Sehr gut gelingt dann das Finale. Hier zeigen Dirigent und Orchester viel Kenntnis von der zwingenden Balance zwischen hymnischem Aufschwung und mystischem Geheimnis. Eine schöne Interpretation!

„Elias“-Oratorium kompakt

Aus Frankreich kam vorher Camille Saint-Saëns‚ „Introduction et Rondo capriccioso“, ein Ohrwurm, mit dem Rosanna Philippens nochmals ihre warme, nicht auf Äußerlichkeit abzielende Virtuosität unter Beweis stellte. Eine kleine Entdeckung gab es zum Auftakt dieses engagierten Frühlingskonzerts: Die Ouvertüre zu Athalia von Mendelssohn. Das ist wie zehn Minuten „Elias“-Oratorium kompakt. Der schön ausgespielte und getragene Bläsersatz und die ersten feinen Streichermelodien in typisch lyrischer Mendelssohn-Manier steigern sich zu einer dezenten Dramatik um die alttestamentarische Figur der Königstochter und Anhängerin des Baals-Kults. Dieses Stück war eine echte Entdeckung und viel mehr als der sonst übliche Appetizer vor dem Solo-Konzert.

Weitere Aufführung: Sonntag, 19. Mai, 19 Uhr, Graf-Burchard-Halle Frickingen. Tickets: Tel. 07554/8868