Er wird im September das erste Abo-Konzert der neuen Saison dirigieren. Doch wer er ist, wollte Philharmonie-Intendant Beat Fehlmann noch nicht verraten. Er wird der neue Chefdirigent der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz, und er hat laut Fehlmann schon am neuen Saisonprogramm mitgewirkt. Am 21. und 23. September wird er Jean Sibelius‘ „Finlandia“, Rachmaninoffs 2. Klavierkonzert und Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ dirigieren – was vielleicht erste Aufschlüsse über seine Schwerpunkte geben könnte. Dass sein Name noch nicht genannt werden darf, liege allein an formalen Gründen, die man abwarten müsse, beteuert Beat Fehlmann. Er rechne damit, den Namen noch vor der Sommerpause bekannt geben zu können.

Das Aboprogramm 2016/17 trägt kein spezielles Motto, doch werden verschiedene Schwerpunkte fortgeführt, so etwa der mit russischem Repertoire. Darunter fällt nicht nur das Eröffnungskonzert, auch Schostakowitschs 5. und 9. Symphonien sowie sein Cellokonzert erklingen im Laufe der Saison. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf vierten Symphonien – von Gustav Mahler, Johannes Brahms und Robert Schumann. Werke von Brahms und Schumann dürfen freilich ohnehin in keinem Aboprogramm fehlen, Mahlers Vierte ist jedoch die einzige seiner Symphonien, „die wir mit unseren Kräften stemmen können“, so Fehlmann. Zwischen all den Klassikern finden sich aber immer auch wieder unbekanntere Namen, die neugierig machen, wie zum Beispiel der des Italieners Antonio Pasculli, der im ausgehenden 19. Jahrhundert einiges für Oboe komponierte, der des norwegischen Wagner-Zeitgenossen Johann Severin Svendsen oder des Österreichers Richard Heuberger. Neu im Angebot ist ein Abo E, das vier der Sonntagstermine umfasst. Das tut bislang zwar auch das Abo D, aber dabei handelt es sich um andere Sonntags-Termine.

Abwechslung bringen auch die Solisten ins Programm, da nicht allein Pianisten und Violinisten eingeladen wurden, sondern auch eine Sopranistin (Sarah Wegener), ein Oboist (Christoph Hartmann), ein Posaunist (Fabrice Millischer), ein Cellist (Julian Steckel) und ein Klarinettist (Reto Bieri) zu hören sind. Unter den Dirigenten findet man einige bereits bekannte Namen, von denen manche vormals auch als Kandidaten für den Chefdirigentenposten eingeladen waren – darunter Michael Hofstetter oder Markus Huber. Auch die Zusammenarbeit mit Marcus Bosch soll vertieft werden. Der GMD der Staatsphilharmonie Nürnberg wird Erster Gastdirigent der Philharmonie und wird mit ihr unter anderem einen Bruckner-Zyklus im Münster erarbeiten (s. nebenstehende Konzertkritik).

Damit sind wir bereits bei den Sonderkonzerten, in denen, wie bisher schon, auch mal experimentiert wird. Das betrifft nicht nur die Inhalte, sondern auch die Formate und die Spielorte. Besonders spektakulär dürfte die erneute Zusammenarbeit der Philharmonie mit dem Theater der HTWG Konstanz werden. Sie wird im Januar 2017 Shakespeares „Romeo und Julia“-Stoff in die Bodenseetherme bringen. „Ein Abend, der sich zwischen Sauna, großem Becken, Traglufthalle und Umkleidekabinen bewegt“, verspricht Fehlmann. Doch nicht nur mit diesem Projekt nimmt die Philharmonie Tuchfühlung mit den Konstanzer Studierenden auf. Sie wird im nächsten Jahr mit einem Projekt zwischen Elektronik, Minimalismus und Hip-Hop auch auf dem Campusfestival präsent sein.

Im März 2017 soll außerdem das neue Bodenseeforum auf seine Eignung als Konzertraum hin getestet werden. Nach dem Motto, wenn schon, dann auch richtig, gibt es hier ein Konzert mit Symphonischem Chor und Orchester. Eine Uraufführung von Bernd Konrad sowie Maurice Ravels ausladende „Daphnis et Chloé“ stehen auf dem Programm. „Danach werden wir wissen, ob das Gebäude für den Konzertbetrieb taugt oder nicht“, sagt Fehlmann. Bislang ist nur klar, dass es etwa 150 Plätze mehr als das Konzil fasst, die Raumhöhe etwa 50 cm höher ist und auch die Nachhallzeit einem akustischen Gutachten zufolge etwas länger und damit eventuell günstiger als im Konzil ausfällt.

Ein neues Format wird die Happy Hour an drei Samstagen um 18.30 Uhr sein. Hier soll in jeweils 45 Minuten ein zentrales Orchesterwerk gespielt und vor allem vorab erklärt werden. Damit soll ein Publikum angesprochen werden, das vielleicht mal in die Welt der Klassik hineinschnuppern möchte, dem aber ein komplettes Sinfoniekonzert zu viel ist. Bewährt hat sich die dreiteilige Konzertreihe „Wolfgang am See“ mit Werken von Mozart, die fortgesetzt werden soll. Und natürlich werden auch Fasnachts- und Neujahrskonzerte nicht fehlen.