Obelix ist todunglücklich und schreit seinen Schmerz hinaus, während er sich mit seinem ganzen Gewicht auf den schmächtigen Asterix stützt. „Buhuhuhuuuuh … Die anderen Jugendlichen mögen mich nicht!“ Hündchen Idefix stimmt in sein Geheul mit ein, während Asterix betroffen auf seinen verzweifelten Freund blickt. Obelix – ein Jugendlicher? Sind er und Asterix nicht vielmehr mittlerweile stolze 60 Jahre alt?

So lange ist es jedenfalls her, dass Zeichner Albert Uderzo und Comic-Autor René Goscinny die Figuren erfunden haben. Im Jubiläumsjahr kommt die Unreife des so stark scheinenden Hinkelstein-Trägers zum Vorschein.

So sieht das Cover des neuen Asterix-Comics „Die Tochter des Vercingetorix“ aus.
So sieht das Cover des neuen Asterix-Comics „Die Tochter des Vercingetorix“ aus. | Bild: Egmont Ehapa Verlag / Les Éditions Albert Uderzo und René Goscinny

Die Nöte der Jugend sind das Thema im neuen Band, der heute mit einer internationalen Startauflage von fünf Millionen Exemplaren erscheint (davon 1,6 Millionen auf Deutsch). Das deutet schon der Titel „Die Tochter des Vercingetorix“ an.

Verfolgt von den Römern flieht das Mädchen des in Rom verstorbenen Kriegers in das Gallier-Dorf, wo man ihr Schutz gewähren soll. Adrenaline, wie ihr explosiver Name lautet, schafft dort mit den Launen einer Pubertierenden einiges Chaos.

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Mit stolz verschränkten Armen und schwingendem Haarzopf präsentiert sich das Mädchen – ist eine gewisse Ähnlichkeit mit der Klima-Aktivistin Greta Thunberg nur Zufall? „Absolut“, sagte Zeichner Didier Conrad bei der Vorstellung des 38. Asterix-Bands in Paris.

„Greta und Adrenaline sind beide Teenager, die nicht unbedingt gute Laune haben.“ Was soll Adrenaline auch alleine in einem gallischen Dorf, außer sich „zu Tode zu langweilen“ und auf ihrem Tablet aus Stein zu surfen?

Teenager-Sprache im gallischen Dorf

Noch nie spielten die Probleme von Jugendlichen eine so große Rolle wie in diesem Heft, sagt Szenarist Jean-Yves Ferri. Auf der Suche nach einem neuen Ansatz sei man darauf gekommen. „Interessant war, die Sprache von Teenagern in die Zeit der Gallier zu bringen.“

Es handele sich stets um einen schwierigen Spagat zwischen neuen Ideen und dem Bemühen, dem ursprünglichen Geist von Asterix treu zu bleiben: „Natürlich besteht ein hoher Erwartungsdruck. Wir haben eine gewisse Freiheit, aber immer innerhalb eines Rahmens.“

Den 60. Geburtstag von Asterix und Obelix feiert auch die Pariser Metro mit extra gestalteten Haltestellen.
Den 60. Geburtstag von Asterix und Obelix feiert auch die Pariser Metro mit extra gestalteten Haltestellen. | Bild: Francois Guillot / AFP

Wie es der Zufall will, sind Conrad und Ferri im selben Jahr geboren wie Asterix und Obelix und lieben deren Abenteuer seit ihrer Kindheit. Nun gestalteten sie zum vierten Mal gemeinsam ein Heft, um das Werk der historischen Schöpfer, Albert Uderzo und René Goscinny, fortzuführen.

Die beiden Männer, die eine tiefe Freundschaft verband, schufen fast aus dem Nichts den erfolgreichsten Comic überhaupt mit weltweit 380 Millionen verkauften Heften, davon allein in Deutschland 128 Millionen. Diese Tendenz steige momentan, weil jene, die die Asterix-Abenteuer in den 60er- und 70er-Jahren verschlangen, sie heute ihren eigenen Kindern zeigen, sagt Anja Adam vom deutschen Egmont-Ehapa-Verlag.

Asterix auf der Zwei-Euro-Münze

Die Hefte wurden in 111 Sprachen übersetzt, 14 Filme gibt es und 50 Millionen Besucher kamen seit seiner Gründung vor 30 Jahren in den Asterix-Park im Norden von Paris. Nun wurde sogar eine Zwei-Euro-Münze mit Asterix-Emblem herausgegeben.

Vorhersehbar war dies alles nicht an jenem Nachmittag, als sich Goscinny und Uderzo zusammensetzten, um Ideen für eine neue Serie mit Anleihen aus der französischen Kulturgeschichte für das Jugendmagazin „Pilote“ zu suchen, dessen erste Ausgabe am 29. Oktober 1959 erscheinen sollte.

Asterix und Obelix, wohin man auch schaut – hier ein Werbeplakat auf der Frankfurter Buchmesse.
Asterix und Obelix, wohin man auch schaut – hier ein Werbeplakat auf der Frankfurter Buchmesse. | Bild: Daniel Roland / AFP

Damals war eine Arbeit im Comic-Bereich keineswegs angesehen, sondern man galt als Dummkopf und „Pervertierer der Jugend“, erzählte der 1977 verstorbene Goscinny einmal: „Wenn ein Typ einen Meuchelmord begangen hatte, erklärte man, dass er in seiner Jugend Comics gelesen habe … Meine Familie fragte mich regelmäßig, wann ich endlich einen ernsthaften Beruf ergreifen würde.“

Dennoch fiel ihnen an diesem Herbstnachmittag vor 60 Jahren mit der Idee der zeitlos widerspenstigen Gallier eine Art Zauberformel ein. Zwei Jahre später erschien das erste Heft „Asterix der Gallier“, die Erfolgsgeschichte hatte begonnen. Dabei, so erzählte Uderzo, war er anfangs gegen Goscinnys Vorstellung von einem kleinwüchsigen Antihelden als Hauptfigur.

Obelix wird nie erwachsen

Er selbst dachte bei einem „echten Gallier“ eher an einen kräftigen Kerl – also bekam Asterix den massigen Obelix an die Seite gestellt. Dass sich dieser auch nach 60 Jahren noch wie ein Teenager verhält, konnte damals freilich keiner ahnen.