Der Kino-Film „Pink Floyd In Pompeii“ (1972), der Mitschnitt eines Konzerts der legendären britischen Rockgruppe in den Kulissen der einst von einem Vulkanausbruch zerstörten römischen Stadt, ist wohl einer der berühmtesten Musik-Filme aller Zeiten. Praktisch ohne Publikum spielte hier die damalige Speerspitze der psychedelischen Underground-Musik ihre Science-Fiction-beeinflussten Klassiker, zu Bildern von blubbernden Lava-Blasen und verwitterten Ruinen. Ein offizielles Soundtrack-Album erschien bis heute nicht, LP- oder CD-Raubpressungen mit der Filmmusik erzielen bei einschlägigen Schallplatten-Auktionen immer noch dreistellige Euro-Preise.

Kein Wunder deshalb, dass David Gilmour, Pink-Floyd-Leadgitarrist und Sänger, beschloss, an dem Mythos, der sich um diesen Auftritt rankt, anzuknüpfen: mit einem erneuten (Doppel-)Konzert in den Ruinen von Pompeji, mit Begleitband, am 7. und 8. Juli des vergangenen Jahres. Und dieses Mal wurden die Aufnahmen auch zeitnah veröffentlicht, sowohl als CD- oder LP-Album als auch als DVD oder Blu-Ray-Disc („Pink Floyd In Pompeii“ war stets nur als Video-Mitschnitt erhältlich). Dass Gilmour auch Publikum dazu einlud, an dem Ereignis teilzunehmen, ist dabei nachvollziehbar; handelt es sich bei seinen beiden Konzerten immerhin um die erste öffentliche Veranstaltung in Pompeji seit dem Jahr 79 nach Christus (dem Jahr des Vulkanausbruchs) …

Problematisch ist da schon eher, dass Gilmour bei dieser Gelegenheit zwar sehr wohl diverse Pink-Floyd-Klassiker zum Besten gab – etwa „Wish You Were Here“ oder „Comfortably Numb“ – aber nur einen einzigen Track, der damals im „Pink Floyd in Pompeii“-Film zu hören war: „One Of These Days“ (ein Instrumental). Dabei wäre es doch gerade von besonderem Interesse gewesen, die Originale von 1972 mit neuen 2017er -Versionen zu vergleichen („One Of These Days“ schneidet da keineswegs triumphal ab). Aber da stand dem Gitarrero wohl sein bekannterweise überdimensionales Ego im Weg: Rund die Hälfte der hier vorgestellten Songs stammen von seinen vier bisher erschienenen Solo-Alben, und bei den Pink-Floyd-Kompositionen ist gerade die psychedelische Ära vor 1972 völlig unterrepräsentiert – nämlich mit einem einzigen Stück: „Fat Old Sun“ (1970).

Sicher, es gibt eine riesige Bühne, eine gigantische kreisrunde Leinwand, auf die bildgewaltige Video-Sequenzen projiziert werden, jede Menge Laser-Licht und allerlei Schnickschnack mehr. Es bleibt jedoch der unangenehme Eindruck, dass hier lediglich ein Mythos recycelt werden soll – und dass Gilmour nie so richtig begriffen hat, warum eigentlich „Pink Floyd In Pompeii“ ein solcher Kult-Film wurde.

Reinhören – "One Of These Days"