„Früher war mehr Sax“, möchte man mit Opa Hoppenstedt sagen: Als die bildhübsche blonde Holländerin vor 30 Jahren ihre ersten Soloscheiben herausbrachte, war man beim Hören zwar begeistert ob der Funky Grooves, hatte aber für mindestens eine Woche genug von Altsaxofon. Dass Candy Dulfer heute fast mehr singt als bläst, ist eine wohltuende Entwicklung im Reifeprozess einer erstklassigen Musikerin, wie wir sie im Bahnhof Fischbach im Rahmen des Bodenseefestivals erlebt haben.

Club-Atmosphäre, rappelvoll, der Altersdurchschnitt deutlich über 45. War halt schon prägend für uns damals, das Cover von Candys erstem Album „Saxuality“. Bis heute kokettiert Candy Dulfer damit: Candy, die Zuckerpuppe, aber mit gehörig Chili drin. Im paprikaroten Leoparden-Blazer und bauchnabelfrei kam sie auf die Bühne, bewährte Band-Kumpels dabei wie Gitarrist Ulco Bed und Manuel Hugas am Bass. Dazu mit Rico Greene und Camilo Rodriguez zwei Sänger, denn Dulfer setzt auf messerscharfen Satzgesang.

Feurige Saxofon-Soli

Mit „Summertime“ von der 2007er „Candy Store“-Scheibe wolle sie den Sommer am See begrüßen, auf der ganzen Tour habe es bis jetzt geregnet. „L.O.V.E.“ von der jüngsten CD sang sie mit Rico Greene erst als romantische Ballade, um sie dann hochzukochen in jener schwarzen Dancefloor-Perfektion aus den 1980ern, die Candys Konzerte letztendlich zur Party machen. Und, wenn dann eines ihrer feurigen Saxofon-Soli kommt, nochmals ein paar hundert Grad Celsius draufzulegen. „Ein Mix aus allem, was ich liebe im Leben“, definierte sie es. Disco und R‘n‘B, Jazz und House Music, Hauptsache funky und tanzbar. „Acid Jazz“ ist eine der offiziellen Definitionen für diesen Crossover. Schließlich packte Candy ein Synthie-Sax aus, eine Wundertüte, die sie über Vocoder schickte. Sogar das einzige Bass-Solo des Abends spielte sie auf diesem Ding.

Dieser Riff veränderte ihr Leben

Candy liebt Hommagen an frühere Mentoren: „Out of Time“ hat sie für Prince geschrieben, der sie immer wieder in seine Band holte. Es hätte dem Meister bestimmt gefallen. Dave Stewards „Lily was here“ habe sie „zehn Millionen Mal gespielt und jedesmal anders“, seit sie mit 17 das markante Riff einspielte, „der mein Leben fortan veränderte“. Den „Eurythmics“-Hit kannte nun wirklich jeder, die Handys gingen nach oben. Straighter 80er-Pop, diesmal aufgelöst als jazzige Ballade in Konversation mit Ulco Beds Gitarre.

„What U do in the Music“ und der Titelsong „Together“ von der nagelneuen CD wurden zum politischen Multikulti-Manifest, dann kippte der Abend endgültig in den Party-Modus. „Hey-ho hey-ho“-Winken und Synchronhüpfen brachten den Bahnhof zum Dampfen. Zum Schluss als einzige Zugabe „Sax a Go Go“, Candys Dauerbrenner seit 27 Jahren und ihr liebstes Wortspielchen: „Jetzt wisst ihr, woran ich 24 Stunden am Tag denke.“ Wer mit knapp 50 noch dermaßen gut aussieht, darf das.