Kein Wort darüber. Über dieses Filmfest in den Pyrenäen. Während in Venedig gerade Stars wie Juliette Binoche und Catherine Deneuve über den roten Teppich stöckeln, muss das Publikum des „Festival de Cine de Ascaso“, das ebenfalls derzeit stattfindet, zunächst mal in das kleine spanische Bergdorf am Südrand der Pyrenäen hochstiefeln, um den Austragungsort zu erreichen. High Heels wären da wenig hilfreich. Weswegen es Stars und Glamour erst gar nicht in die abgelegene Region schaffen. Und das ist durchaus gewollt. Die „Mostra“ in Ascosa bezeichnet sich nämlich als kleinstes Filmfest der Welt. Und damit das so bleiben kann, sollte man es gar nicht erst bekannt machen. Also kein Wort darüber. Schon gar keines der Begeisterung.

Ich war ohnehin noch nie dort. Gibt man „Ascaso“ bei Google ein, springen einem vor allem Bilder von Kaffeemaschinen ins Auge. Eine katalanische Firma namens Ascaso stellt sie her. Von einem pyrenäischen Ort weit und breit keine Spur. So unbedeutend ist er offenbar.

Immerhin Google Maps kennt ihn. Und dort sieht man auch das Bild eines in die Jahre gekommenen Berghäuschens, gemauert aus grobem Stein, offenbar der Austragungsort des Festivals. Romantiker würden von einer Idylle sprechen, aber Realisten werden sich vor Augen halten, dass es sicherlich sehr ungemütlich ist dort in dem mehr als 1000 Meter hoch gelegenen Dorf.

Nicht mal Strom gibt es – der Filmprojektor für das Festival wird von einem Benzinmotor betrieben. Und dann werden die Filme teilweise auch noch unter freiem Himmel gezeigt. Da darf es dann natürlich nicht regnen! Okay, der Regen ist dort im August nicht so das Problem, aber lauwarme Sommernächte sollte man in den Bergen sicherlich nicht unbedingt erwarten.

Auf die Homepage des Festivals brauchen Sie auch nicht zu schauen. Die ist sowieso auf Spanisch. Viele der gezeigten Filme auch. Dass in diesem Jahr ein Schwerpunkt auf dem spanisch-mexikanischen Filmemacher Luis Buñuel liegt, ist allerdings bemerkenswert. Darüber hinaus wird es ziemlich aktuell und auch politisch. Da gibt es einen Film über Frauen als Soldatinnen gegen den IS – mit anschließender Diskussion mit Unterstützern kurdischer Frauen. Da lässt sich ein gewisser Respekt vor den Festivalmachern nicht unterdrücken. Übrigens hat es auch ein deutscher Beitrag ins Programm geschafft: Der Kurzfilm „Nö“ des Bonner Filmemachers Christian Kaufmann. Entstanden ist er an der Filmakademie Baden-Württemberg.

Allerdings wird er in den Pyrenäen nicht viel reißen: Das Festival verleiht keine Preise. Kein Filmemacher, keine Schauspielerin kann einen goldenen Berggipfel nach Hause tragen. Die Festivalmacher wollen allein das Indie- und Autorenkino fördern. Kunst statt Kommerz. Wo gibt es denn noch sowas? Gleichzeitig gibt es ein Rahmenprogramm mit Ausstellung, Weinprobe und Musik. Muss man kritisch sehen: Das hat Volksfestcharakter und lenkt doch nur vom Film ab.

Auf keinen Fall sollten Sie sich die Fotos vom Festival und der Gegend auf der Homepage anschauen. Die sind gewiss geschönt und sollen nur Reiselust wecken. Ich würde deswegen nicht dort hin fahren. Und wenn doch, dann würde ich es niemandem sagen.

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