Baden-Württembergs grün-schwarze Landesregierung will Bücher, die ihren jüdischen Besitzern durch die Nationalsozialisten entzogen wurden, an die Nachkommen übergeben.

„Hierbei handelt es sich überwiegend um Bücher von geringem materiellen Wert. Erfahrungsgemäß haben sie für die Hinterbliebenen der Opfer des NS-Regimes jedoch hohe emotionale Bedeutung“, schreibt Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) in der Kabinettsvorlage für die heutige Sitzung des Ministerrats. Das Papier liegt dem SÜDKURIER vor.

54 Bücher werden zurückgegeben

Es geht um 54 Bücher. Diese befinden sich im Bestand der Württembergischen sowie der Badischen Landesbibliothek. Identifiziert wurden die Werke durch Provenienzforschungsprojekte, die vom Stuttgarter Wissenschaftsministerium und vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste finanziert wurden. Gesucht wird nach Kulturgütern, die zur Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945) Juden entzogen wurden.

Darunter sind unter anderem vier Bücher von Juden, die in den Konzentrationslagern in Dachau, Buchenwald und Auschwitz ermordet wurden. Andere sind aus Deutschland geflohen und ließen Kulturgüter zurück, sofern sie nicht bereits beschlagnahmt worden waren. Als materiell wertvollstes Werk gilt das auf 1500 Euro geschätzte Stammbuch des 1852 verstorbenen Kunstmalers Johann Friedrich Helmsdorf.

Die Zustimmung gilt als sicher

Manche der Werke sollen an die Erben der damaligen Besitzer gehen, andere an jüdische Verbände oder Institutionen. So ist geplant, vier Bücher der Israelitischen Religionsgemeinschaft Karlsruhe zu übergeben und zehn dem Oberrat der Israeliten in Baden. Laut Theresia Bauer werden auch Bücher zurückgegeben, die „ohne physischen Zwang aus einer wirtschaftlichen Notlage heraus veräußert werden mussten“.

Nach Informationen der Fraktionen von Grünen und CDU wird das Kabinett der Rückgabe dieser Werke zustimmen, sodass das Wissenschaftsministerium die Verfahren abschließen kann. „Wir müssen hier weiter aufklären und unserer historischen Verantwortung gerecht werden“, erklärt Grünen-Wissenschaftsexperte Alexander Salomon.

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Ähnlich argumentiert die CDU-Wissenschaftspolitikerin Marion Gentges: „Es geht darum, den rechtmäßigen Zustand wieder herzustellen.“ Bei der Rückgabe herrsche durch die Washingtoner Erklärung von 1998 und die Absichtserklärung von Bund, Ländern und Kommunen von 1999 eine politische Grundlage. Diese fehle bei der Rückgabe von Kolonial-Raubkunst.

Gentges fortdert deshalb für Kolonialgüter ebenfalls eine Regelung des Bundes. Erst kürzlich hat die Landesregierung eine Bibel und eine Peitsche aus dem Stuttgarter Lindenmuseum an Namibia zurückgegeben.