Zu einer sinfonischen Weltraummission startete zum Saisonende das Orchester Basel Sinfonietta. Das Programm widmete sich Space Music, dem gestirnten Himmel, den Planeten, Sphären- und Sternenklängen, Stücken, die auf den Kosmos verweisen, und das alles semi-open-air auf der überdachten Kunsteisbahn Margarethen. Mit einem Raketenstart zu einem Planeten unseres Sonnensystems legten die musikalischen Himmelsstürmer unter ihrem „Chefpiloten“ Baldur Brönnimann los und brachten Mystisches zum Klingen.

Angesteuert wurde zuerst Jupiter, den der englische Komponist Gustav Holst in seiner Orchestersuite „Die Planeten“ porträtiert. Der Dirigent hat diese Empire-Musik, die zur Hochzeit von Prinz Charles und Lady Diana erklang, aber nicht zu „very british“-sentimental angelegt, sondern eher filmmusikartig. Die Sinfonietta war mutig genug, den berühmten „Jupiter“-Satz mit zeitgenössischer und avantgardistischer Musik zu verbinden. Da eröffneten sich neue Hörerfahrungen mit besonderen Schallereignissen in „Atlas Eclipticalis“, einem der bekanntesten Werke von John Cage, der Sternenkarten auf Notensysteme und Sternenbilder von Himmelskarten in Töne übersetzte. Noch heute wirkt dieser Sternenatlas wie ein radikales, unkonventionelles Klangexperiment nach dem Zufallsprinzip. Die Orchestermusiker präsentieren sich als Instrumentalstimmen, verteilen sich im Raum und beziehen Position. Dank des frischen Blicks auf Cages Gedankenwelt konnte man eintauchen in den (Klang-)Kosmos des amerikanischen Avantgardisten.

Von der untergehenden Sonne geblendet wurden die Zuhörer beim aufregendsten Werk, Claude Viviers „Orion“ für großes Orchester. Eine Musik mit mystischer Qualität, eigenständigen Melodien und außergewöhnlichen Soli von Trompeter, Posaunist und Perkussionist, der Töne in einen Gong hinein singt, was den Gesang verstärkt.

Zu dieser speziellen Sommernacht mit Werken, die mit dem nächtlichen Himmel zu tun hatten, passte das 15-minütige impressionistische Orchester-Nocturne des Elsässers Charles Koechlin, der selber Astronom werden wollte und den Himmel durchs eigene Teleskop beobachtete. In seinem kosmischen Klanggemälde „Vers la voute etoilee“ („Beim Anblick des Sternenhimmels“) blickten Musiker und Zuhörer in das Sternenzelt. Mit der inspirierten Walzerfolge „Sphärenklänge“ von Josef Strauss wurde das Publikum im Walzertakt ins Weltall abgeholt – wahrlich eine Sternstunde.