Jeder Mensch ist einzigartig? Von wegen. Eigentlich gleicht jeder dem anderen. Das sagt die Genetik: Zu 99 Prozent sind die Menschen genetisch identisch. Doch es sind die Unterschiede, die interessant sind. Sie wirken sich auf die Persönlichkeit aus oder können über die Neigung zu Krankheiten Auskunft. Ein Prozent macht genetisch gesehen die Unterschiede der Menschheit aus.

Heterogenität ist, was einer Gesellschaft Bedeutung gibt. Nur dann ist die Auseinandersetzung untereinander überhaupt interessant. Gleiches gilt für die Kunst. Das beweist die Ausstellung „Überschneidungen“ im Kloster Hegne. Sie zeigt 86 Werke der Künstler Sandro Vadim, Gabriele Goerke, Barbara Jäger und Omi Riesterer. Vier Künstler, die kaum verschiedener sein könnten.

Ein einzigartiges Farbenspiel

Besonders lohnt sich der Blick auf Sandro Vadims Kunstwerke, die ohne viele Formen und Linien auskommen. Sie wirken einzig durch ihr Farbenspiel, das der Italiener mit Acryl und Pergamenten auf die Leinwand bringt. Seine abstrakten Bildkompositionen platzen vor farblicher Expressivität. Er spielt dabei auch mit der Wirkung von Komplementärfarben. Sie haben die Eigenschaft, sich gegenseitig auslöschen zu können, wenn sie miteinander gemischt werden.

Die Ausstellung zeigt viele farbenfrohe Werke von Sandro Vadim.
Die Ausstellung zeigt viele farbenfrohe Werke von Sandro Vadim. | Bild: Wiebke Wetschera

Seine Partnerin Gabriele Goerke verzichtet teilweise gänzlich auf Farbe und skizziert mit schwarzem Fasermaler auf weißem Papier. Ein schwarzer Baum ragt in die Höhe. Nur durch dünne Linien hebt er sich vom Hintergrund ab. Die Linien sind entweder schwarz gezeichnet oder sie existieren nicht. Entweder oder, alles oder nichts. Dazwischen existiert nichts. Das Schwarz-Weiß-Denken ist ein Denken in Extremen. Mit nur wenigen Linien lässt Goerke dieses Extrem Wirklichkeit werden und entführt den Betrachter in eine andere Welt.

Ausstellung lebt von der Diversität

Die Ausstellung mit dem Titel „Überschneidung“ ist nicht die erste der vier Künstler, sie stellten bereits in Karlsruhe und Brüssel aus. Auch in der Musik gibt es Überschneidungen, wenn sich ein Stück mehreren Genres zuordnen lässt. Das lässt sich auch auf die Ausstellung im Hotel in Hegne übertragen. Sie lebt von ihrer Diversität, ihrer Abwechslung. Hingen an der Wand nur Bilder von Sandro Vadim, so würde sie schnell langweilen. Doch der Gegensatz der Werke und das, was sie vereint, macht den Reiz der Ausstellung aus.

Barbara Jäger setzt bei ihren Werken vor allem auf florale Motive und visualisiert Dreidimensionalität.
Barbara Jäger setzt bei ihren Werken vor allem auf florale Motive und visualisiert Dreidimensionalität. | Bild: Wiebke Wetschera
Der Bildhauer Omi Riesterer arbeitet mit Materialien wie Holz oder Metallen.
Der Bildhauer Omi Riesterer arbeitet mit Materialien wie Holz oder Metallen. | Bild: Wiebke Wetschera

Zahlreiche Künstler beharren darauf, eigene Ausstellungen zu realisieren, um sich zu profilieren. Doch würde es bekannte Werke von Banksy schmälern, wenn direkt daneben noch andere hingen? Nein. Wirklich spannend sind Ausstellungen dann, wenn die Werke im Dialog miteinander stehen. Ein Dialog, der überrascht, weil die Werke gemeinsam ganz anders wirken.

Die Ausstellung „Überschneidungen“ ist noch bis 3. Oktober täglich 10 bis 17 Uhr im Hotel St. Elisabeth des Klosters Hegne zu sehen. Der Eintritt ist frei.