Es gibt aufmerksame Leser. Neulich erhielt ich den Hinweis auf den Beitrag eines Deutschen in der Neuen Zürcher Zeitung. Heribert Seifert macht sich da Gedanken über deutschen „Journalismus im Kampfmodus“. Der Beitrag ist mit „Hetzer, Idioten und Dumpfbacken“ überschrieben. Er handelt von der Berichterstattung über die politische Rechte, sprich: AfD (Alternative für Deutschland). Gutgläubig, damit nichts zu tun zu haben, machte ich mich an die Lektüre. Sollte der Leser nachfragen, ich könnte mitreden …

„Kommunikative Rüpelei hat auch in den traditionellen Medien Platz gefunden. Dem Wutbürger tritt im Internet der Wutjournalist gegenüber“, heißt es plakativ in der Unterzeile. Dem folgt der Satz: „Der Zustand der öffentlichen Kommunikation in Deutschland gilt als beklagenswert.“ Meint er es ernst? Dieser These schiebt Seifert eine Reihe (zufälliger?) Betrachtungen hinterher. Der Journalist nimmt einen Journalismus ins Visier, der angeblich Schimpfen, Weghören und Kommunikationsverweigerung zu Tugenden erklärt. Er liest in einigen deutschen Blättern eine „rhetorische Hau-Drauf-Mentalität“ gegen den „Feind von rechts als Gebot der Stunde“, schreibt Seifert.

Dem Magazin Stern hält Seifert vor, dass er es für „eine Form ausgleichender Gerechtigkeit“ hält, wenn Antifa-Demonstranten den Delegierten beim AfD-Parteitag in Stuttgart gewaltsam den Zugang verwehren. Im Kommentar empörten sich die Stuttgarter Nachrichten nicht über solche Blockaden und die angesichts zahlreicher Angriffe auf Büros und Fahrzeuge von AfD-Mitgliedern riskante Publikation der Namen und Adressen, kritisiert Seifert, sondern die Zeitung erklärte die Opfer zu Tätern. In der Zeit findet er die Forderung nach „Notstandsgesetzen gegen den Mob“ – gemeint waren Teilnehmer eines zulässigen Protests gegen eine Flüchtlingsunterkunft. Im Wochenblatt Freitag, ereifert sich Seifert, sei das konservative Magazin Cicero als „Drecksblatt“ bezeichnet und im Magazin Spiegel die AfD-Vorsitzende Petry in Hitler-Pose dargestellt worden.

Seifert beklagt darüber hinaus den Verzicht auf eine recherchegestützte Information. Differenzierungen gelten demnach schon als Appeasement, als Beschwichtigung. Haltung sei gefordert, nicht kritische Selbstkontrolle eigener Wahrnehmungen und Urteile. Seifert beklagt auch analytische und begriffliche Unschärfen. Der Rassismusvorwurf sei auf das Niveau einer „grobschlächtigen Kampfvokabel“ heruntergekommen. Am Ende seiner Tirade zitiert er noch den Medienkritiker Stefan Niggemeier, der die Aufgabe von Journalisten nicht darin sieht, die AfD zu bekämpfen. Sollten solche Einsichten in der Berichterstattung ankommen, so Seiferts Fazit, wäre das journalistische Wuttheater rasch beendet.

Na ja. Der Mann von der Neuen Zürcher Zeitung zitiert nur Stellen, die seine Kampfmodus-These stützen. Aber das ist nur die eine Seite der Medaille, sprich: der Berichterstattung. Beklagenswert ist in der Tat, dass bei einigen Medien andere Maßstäbe gelten, wenn es gegen rechts geht. Aber das hat beispielsweise die Frankfurter Allgemeine Zeitung bereits zum Thema gemacht. Was dagegen an Seifert irritiert – Ergebnis einer Online-Recherche –, ist, dass er selbst als Rechter gilt. Hat er also in eigener Sache geschrieben?