Seine Projekte sind gigantisch – und vergänglich. Wobei es natürlich unangemessen ist, im Singular zu sprechen. Denn alle großen Vorhaben hat Christo bis zum Tod seiner Ehefrau Jeanne-Claude 2009 stets gemeinsam mit ihr geplant und realisiert. Jetzt sind die beiden in einer Ausstellung der Kunsthalle Messmer in Riegel zu sehen.

Gigantisch und vergänglich: Christos und Jeanne-Claudes Verhüllung des Berliner Reichstagsgebäudes 1995 etwa verbrauchte 100 000 Quadratmeter Polypropylen-Gewebe und zog fünf Millionen Besucher an. Ein Werk, das noch nicht realisiert ist, soll andauern: die in der Wüste von Abu Dhabi vorgesehene Installation aus 410 000 Ölfässern – in der Form eines Pharaonengrabs. Will sich Christo ein Denkmal setzen?

Keineswegs, dafür ist der gebürtige Bulgare zu bescheiden: Die über 150 Meter hohe Installation soll vielmehr die Weite des Landes sichtbar machen. Ein anderes Großprojekt, auf das er mehr als zwei Jahrzehnte hinarbeitete, hat Christo abgesagt. Aus Protest gegen die Politik Donald Trumps will er den Arkansas River im US-Bundesstaat Colorado doch nicht mit Stoffbahnen überziehen. Kunst wird wieder politisch – was sie bei Christo und Jeanne-Claude auch schon war. Ihr erstes monumentales Projekt, die Blockierung einer Straße in Paris durch eine Mauer aus Ölfässern 1962, war eine Reaktion auf den Bau der Berliner Mauer.

Mit rund 100 Exponaten aus allen Schaffensperioden beleuchtet die klug gewichtende Schau der Kunsthalle das facettenreiche Werk von Christo und Jeanne-Claude. Für Jürgen A. Messmer, den Hausherrn, ist die Ausstellung eine Herzensangelegenheit. Er empfindet über die Faszination durch ihre Kunst hinaus aufrichtige Bewunderung für die Logistik-Leistungen des Paares.

„Entdecken durch Verhüllen“ – so beschrieb ein Kunsthistoriker einmal die Arbeit von Christo und Jeanne-Claude. Das Kunstmittel der Verhüllung haben sie zwar nicht erfunden. Aber sie sind singulär in Ausdauer, Einfallsreichtum und Dimension. Und wie präsentiert man Kunst, die vergänglich ist? Zu einer Reihe von verhüllten Objekten wie einem Telefon oder Bild treten in Riegel Entwurfszeichnungen und Pläne, Druckgrafiken und Collagen, Fotografien und Editionen. Durch den Verkauf von Objekten dieser Art wurden die Projekte überwiegend finanziert.

Christo wird als Verpackungskünstler bezeichnet, Verhüllungskünstler trifft es besser. Doch er und Jeanne-Claude waren immer auch Installations- und Konzeptkünstler. Nicht zuletzt sind sie Land Artists: Für „Surrounded Islands“ umsäumten sie 1983 Inseln vor Florida mit Gewebe in Pink – ein Monet’scher Seerosenteich für Flugreisende.

„Christo und Jeanne-Claude: Objekte – Zeichnungen – Collagen“: zu sehen in der Kunsthalle Messmer in Riegel bis 18. Juni 2017, immer Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr. Informationen im Internet auf www.kunsthallemessmer.de

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