Er ist kein Kevin Costner und sie nicht Whitney Houston. Dennoch gibt es beim neuen Musical „Bodyguard“ im Stage-Palladium-Theater in Stuttgart viel Begeisterung und am Schluss Applaus im Stehen. Denn die Bühnen-Adaption der mit Thriller-Qualitäten unterlegten romantischen Liebesgeschichte mit Aisata Blackman als Pop-Diva Rachel Marron und Jadran Malkovich, der hier den Personenschützer Frank Farmer spielt, versteht es, den Zuschauer zu fesseln, der die Vorlage möglicherweise aus dem Kino kennt.

Auch in Stuttgart gibt es eine subtile Annäherung der beiden Protagonisten und eine kurze Liebesnacht mit gestohlenem Glück, das nicht von Dauer ist. Mit Projektionen auf transparentem Bühnenvorhang ist auch die Gefahr durch einen Stalker (Marc Früh), der das Laserlicht aus seiner Pistole bedrohlich über die Köpfe der Zuschauer gleiten lässt, stets präsent. Begleitet von Knalleffekten, Bühnennebel, Lichtblitzen, wirkungsvollen Bühnenbildern, hervorragender Lichtregie und Video-Einspielungen für ein cineastisches Gefühl transportieren die Darsteller über zwei Stunden lang viel Glamour.

Der Fokus liegt klar auf der 37-jährigen Blackman, die neben einer grandiosen Stimme, Tanz- und Schauspielqualitäten mit schnellen Kostümwechseln vom häuslichen Gammel-Look über aufreizende Glitzerfummel bis zur großen Abendgarderobe fasziniert. Mühelos gelingt der Holländerin mit karibischen Wurzeln die Wandlung vom verwöhnten Superstar zur liebenden, verletzlichen Frau, die um die zwei Welten weiß, in denen sie lebt, und die daneben noch eine zärtliche Mutter abgibt. Damon als ihr zehnjähriger Sohn Fletcher macht es ihr aber auch leicht. Und mit seinem sehr natürlichen Habitus – singend und tanzend – spielt er sich auch in die Herzen des Publikums.

Blackman ebenbürtig ist Zodwa Selele als ihre Schwester Nicki Marron, die mit mindestens ebenso kraftvollem Timbre und großer Bühnenpräsenz punktet. Gegen so viel Frauenpower gerät die eigentliche Hauptperson, der Bodyguard, ins Hintertreffen. Zwar gelingt dem Schauspieler und Drehbuch-Autor Malkovich die Figur des stoischen Einzelgängers, der beim bewusst missglückten Gesangsversuch in einer Karaoke-Bar sympathisch rüberkommt, doch bleibt er zu blass und eigenbrötlerisch, als dass man ihm die großen Gefühle für Rachel abnehmen würde.

Am Kino-Erfolg von 1992 angelehnt, entwickelt das Musical indes schnell seine Eigenständigkeit und punktet neben den großartigen Welt-Hits aus dem Grammy-prämierten Album zum Film wie „How Will I Know“, „Saving All My Love for You“, „I Wanna Run To You“, „I’m Every Woman“ oder „One Moment In Time“ (mitreißend begleitet von einer Liveband unter Leitung von Boris Ritter) auch mit Humor und atemberaubenden optischen Höhepunkten.

Großen Anteil an der überzeugenden Show haben die exzellenten Choreografien mit Tanz- und Akrobatik-Einlagen, die eine Atmosphäre wie bei einem Konzert heraufbeschwören. Als Gegensatz dazu funktionieren die Schauplätze im Hotel, hinter der Bühne oder in Franks Holzhütte, in der der Bodyguard Rachel in Sicherheit bringt. Hier sind die Grenzen zum puren Schauspiel fließend.

Zumal die übrigen Darsteller – anders als in Musicals, die mit den Gesangseinlagen des Ensembles punkten – in Stuttgart allein aufs Schauspielen verlegt sind, wie Ivan Jurcevic als Tony, Gabriel Marian Skowerski als Franks Befürworter Bill und Markus Maria Düllmann, der als Sy Spector dem Bodyguard kritisch gegenüber steht.

Dass bei einer Aufführung die Vorstellung aufgrund technischer Probleme für fast zehn Minuten unterbrochen werden musste, war zwar nicht geplant, sorgte aber insofern für zusätzliche kribbelnde Spannung. Es endet wie es begann: Rachel alias Aisata Blackman steht im Mittelpunkt. Auf einem Podest stehend, entschwebt sie, „I Will Always Love You“ singend, dem Bühnennebel gen Himmel. Zumindest gegen eine kleine Hoffnung auf ein glückliches Ende wäre nichts auszusetzen gewesen. Aber das gibt es wohl nur im Film.

 

Vorstellungen von „Bodyguard“ gibt es täglich außer montags. Informationen und Karten auf www.stage-entertainment.de

Das sagt das Publikum über das Musical: