Das Lörracher Stimmen-Festival übt sich im Spagat: Zum einen setzt die 26. Ausgabe vom 27. Juni bis 28. Juli bei 22 Konzerten auf bewährte Publikumsmagneten wie den 71-jährigen Punk-Mitbegründer und nimmermüden Rockrebellen Iggy Pop, zum anderen auf junge Partymacher wie den groovig-souligen Jan Delay. Sowohl für die Ü-40- und Ü-50-Generation als auch für das tanzfreudige Jungvolk sind also Zugpferde dabei.

Ein Partygarant: Bei Jan Delay & Disko Nr. 1 könnte es eng werden auf dem Lörracher Marktplatz
Ein Partygarant: Bei Jan Delay & Disko Nr. 1 könnte es eng werden auf dem Lörracher Marktplatz | Bild: Ruda Barbara

Viel Pop gibt es beim diesjährigen Festivalprogramm auf dem Lörracher Marktplatz. Bei den Partygaranten Jan Delay & Disko No. 1, bei denen zu deutschem Hip-Hop getanzt werden kann, könnte es eng werden mitten im Herzen der Stadt (10. Juli). Abgeholt wird die jüngere Generation auch vom 25-jährigen Singer-Songwriter George Ezra. Der Senkrechtstarter hat nicht nur den Brit Award als bester männlicher Solokünstler gewonnen, sondern mit seinem zweiten Album „Staying At Tamara’s“ 2018 einen Verkaufshit gelandet. Sein Fernweh-Sommerhit „Shotgun“ kletterte in Großbritannien auf Platz eins und stürmte mit dem Sommerfeeling weltweit in den Hitlisten nach oben. Die sonnigen und tanzbaren Songs dürften bestens zu einem Sommerfestival passen, sind sich die Organisatoren sicher.

Er holt die jüngere Generation ab: George Ezra.
Er holt die jüngere Generation ab: George Ezra. | Bild: Frank Leavesley

„Sepiagetönte, nostalgisch schöne Melodien“ versprechen sich die Festivalmacher von der amerikanischen Indie-Folkband Beirut (12. Juli). Von der zugkräftigen Hamburger Band Revolverheld, die wie Jan Delay schon einmal bei „Stimmen“ war und auf dem ausverkauften Marktplatz spielte, erhofft man sich am 13. Juli einen vollen Platz, nachdem im letzten Jahr die Marktplatzkonzerte nur unterdurchschnittlich besucht waren. Beim letzten und mit 78 Euro auch teuersten Top Act wird der in jeder Hinsicht stilbildende Altmeister Iggy Pop, eine Ikone des Rock und personifizierte Punk-Legende, die Innenstadt rocken (14. Juli).

Das Festival bleibt sich treu

In einer Linie ist sich das Festival treu geblieben: Der Schwerpunkt liegt wie gehabt auf Pop, Rock, Soul, amerikanischen Roots und Ethno. Das auffallend starke Popsegment macht in diesem Jahr auch dem Zeltfestival in Freiburg (ZMF) Konkurrenz.

Schon seit 40 Jahren im Pop-Geschäft: Joe Jackson.
Schon seit 40 Jahren im Pop-Geschäft: Joe Jackson. | Bild: John Huba

Mit Joe Jackson, der sein 40-jähriges Bühnenjubiläum feiert, ist am 17. Juli ein großer Name und legendärer Pop-Artist mit Songs aus seiner langen Karriere im Burghof zu erleben. Dort tritt bereits am 4. Juli zur Festivaleröffnung das mit dem Latin Grammy ausgezeichnete kubanische A-cappella-Sextett Vocal Sampling an. Bei dieser Gruppe wird man Perkussion, Bläser und Gitarre nicht vermissen, denn die Sänger imitieren alle diese Instrumente rein vokal im Stil ganzer Samba-Combos.

Das Wohnzimmer des Fesivals

Im Genre „Roots“ werden weltumspannende Klänge zu hören sein, vorzugsweise im Rosenfelspark, dem „Wohnzimmer des Festivals“ und Lieblingsort von Festivalchef Markus Muffler. Zur Partyzone wird dieser lauschige Park bei Soulpartys, kreolischen und brasilianischen Rhythmen und Afro-klängen. Unter anderen sind hier die kapverdische Sängerin Mayra Andrade (26. Juli), Grammy-Gewinnerin Judith Hill und die dänische Soulband D/Troit (27. Juli).

Die kapverdische Sängerin Mayra Andrade sorgt für weltumspannende Klänge.
Die kapverdische Sängerin Mayra Andrade sorgt für weltumspannende Klänge. | Bild: Naïm_de_la_Lisiere

Kiefer Sutherland beschließt mit souligem Country-Rock am 28. Juli das Festival. Der bekannte Hollywood-Schauspieler und Sohn von Filmlegende Donald Sutherland, der gerne den Bösewicht in Thrillern spielt, ist auch im Country-Bereich eine ziemlich große Nummer. Zuvor ist das Stimmen-Festival auswärts zu Gast an schönen „Locations“ wie dem Domplatz im schweizerischen Arlesheim, wo das Duo Morcheeba und die amerikanische Südstaaten-Band Calexico auftreten werden (19./ 20. Juli).

Neuer Schauplatz in der Schweiz

Erstmals bespielt wird ein weiterer Schauplatz in der Schweiz, der Schlosspark Binningen, wo die Klassik eine Nische findet und sich gegenüber der übermächtigen Rock- und Pop-Konkurrenz behauptet. Bei einem Streifzug durch alte Tonfilmschlager (5. Juli) und einer Belcanto-Gala (6. Juli) mit Sopranstar Olga Peretyatko, die als „neue Anna Netrebko“ gehandelt wird, begleitet das Basler Sinfonieorchester die Sängersolisten. Diese Schlossparkkonzerte, für die es nicht nur Sitzplätze, sondern auch Karten für Flaneure gibt, werten die zuletzt etwas vernachlässigte Klassiksparte im vielfältigen Kanon der Stimmen auf.

Stimmen-Festival: 27. Juni bis 28. Juli. Infos und Tickets: http://www.stimmen.com