Einen großen Film im Wettbewerb des Festivals in Cannes gibt es zwar nicht, und doch ist Deutschland an der Côte d’Azur durchaus präsent: Ob in Co-Produktionen wie dem eigenwilligen rumänischen Thriller „La Gomera“, den Filmemacherin Maren Ade mitfinanziert hat, oder in Werner Herzogs japanischem Projekt „Family Romance, LLC“, das sich im Programm versteckt.

Auch im Wettbewerbsbeitrag „A Hidden Life“ von US-Regisseur Terrence Malick, einer Produktion des Studios Babelsberg, kommen vor allem deutsche und deutschsprachige Darsteller zum Einsatz: Tobias Moretti, Alexander Fehling, Franz Rogowski – und Bruno Ganz in einer seiner letzten kleinen Rollen.

Großes Kino mit August Diehl

Die Hauptfigur allerdings verkörpert August Diehl. Er ist Franz Jägerstätter, ein Bauer aus dem österreichischen Bergdorf Radegund, der mit Frau (Valerie Pachner) und Kindern in den 1930er-Jahren einen Hof führt. Als er von den Nationalsozialisten zum Militär eingezogen wird, weigert er sich aus Überzeugung, den Dienst anzutreten. Die Konsequenz: Während seine Frau von der Dorfgemeinschaft gemieden wird, muss Jägerstätter ins Gefängnis, wird zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Valerie Pachner (links), Schauspielerin aus Österreich, und August Diehl, Schauspieler aus Deutschland, spielen im Film „A Hidden Life“ die Hauptrollen.
Valerie Pachner (links), Schauspielerin aus Österreich, und August Diehl, Schauspieler aus Deutschland, spielen im Film „A Hidden Life“ die Hauptrollen. | Bild: Arthur Mola / Invision / AP / dpa

„A Hidden Life“ ist eine bildstarke Komposition aus naturromantischen Panoramen und verzerrten Weitwinkelaufnahmen. Der Film ist zugänglicher als manche seiner Vorgänger und nimmt über weite Strecken gefangen.

Pedro Almodóvar zeigte im Wettbewerb mit „Dolor y gloria“ ein Werk voller autobiografischer Referenzen. In dem Drama mit Antonio Banderas und Penélope Cruz stellt er den alternden Regisseur Salvador Mallo ins Zentrum. Psychisch, physisch und künstlerisch befindet er sich auf einem Tiefpunkt. Seine vertrauten Elemente bringt Almodóvar in diesem Rückblick so großartig zum Einsatz wie lange nicht.

Traum-Trio: Die Schauspieler Antonio Banderas (von links) und Penélope Cruz mit Regisseur Pedro Almodóvarbei der Premiere des Films „Dolor y gloria“ in Cannes.
Traum-Trio: Die Schauspieler Antonio Banderas (von links) und Penélope Cruz mit Regisseur Pedro Almodóvarbei der Premiere des Films „Dolor y gloria“ in Cannes. | Bild: Arthur Mola / Invision / AP / dpa

Auch Elton John flog in Cannes ein, um zurückzublicken. Mit Herzchenbrille und Glitzerrakete auf dem Anzug verschwand er im Premierensaal, um sich in „Rocketman“ die ersten Jahrzehnte seines Lebens als auf der Leinwand anzuschauen – inszeniert von Dexter Fletcher („Bohemian Rhapsody“).

„Rocketman“ zeigt, wie John als Reginald Dwight in einfachen Verhältnissen in England aufwächst. Wie sein Talent entdeckt wird, er sich mit dem Texter Bernie Taupin (Jamie Bell) anfreundet und in den 70ern zum Popstar aufsteigt, der zwar Millionen Platten verkauft, aber ein unglückliches Leben im Alkohol- und Drogenrausch führt.

Was für ein Duett: Sänger Elton John (links) und Schauspieler Taron Egerton singen auf einer Party in Cannes zusammen „Rocketman“.
Was für ein Duett: Sänger Elton John (links) und Schauspieler Taron Egerton singen auf einer Party in Cannes zusammen „Rocketman“. | Bild: Arthur Mola / Invision / AP / dpa

Dabei geht es im Kern um Johns versteckte Homosexualität und die Sehnsucht nach Liebe, die er lange Zeit nicht bekommt – weder von seinen Eltern, noch von seinem Manager, der nach heißer Leidenschaft seine rücksichtslose Seite herauskehrt. In Elton John löste der Rückblick starke Emotionen aus: Während der Standing Ovations standen ihm genauso wie dem Schauspieler Taron Egerton Tränen in den Augen.

Taron Egerton und Elton John singen „Rocketman“ (statt des Bildes von der Party):