Wer Kunstwerke von Riccardo Cordero ausstellen will, braucht Platz. Viel Platz. Der italienische Bildhauer arbeitet im Großformat. In der Galerie Wohlhüter stehen zwei Meter große Skulpturen. Zwei Meter sind vergleichsweise wenig. In Shanghai, Turin und Zhengzhou stehen fünf, sechs oder sieben Meter hohe Skulpturen von Cordero. Monumente aus Stahl und Bronze. Trotzdem wirken sie nie schwerfällig.

Kosmischer Stahl

Cordero macht sich Energie, den Kosmos und einen Urzustand zum Thema. Seine Skulpturen heißen Meteor, Asteroid oder Ursprung des Lebens. Kugelförmige Metallgebilde, deren Innenleben aus ineinander verflochtenen Kreisen besteht. Sie scheinen kein kaltes, bewegungsloses Metall zu sein, sondern strahlen Energie und Dynamik aus.

Getreu dem kosmischen Motiv heißt die imposanteste Skulptur in der Ausstellungshalle wie Steven Spielbergs berühmter Außerirdischer "ET". Leicht gebogene Füße streben nach oben, wo sie sich in einem verschlungenen Geflecht aus Halbkreisen verlieren. Die Skulptur besteht aus blankem Stahl und wirkt deswegen futuristisch.

Die Skulptur "ET" besteht aus rostfreiem Stahl und ist über 2 Meter hoch.
Die Skulptur "ET" besteht aus rostfreiem Stahl und ist über 2 Meter hoch. | Bild: Werner Wohlhüter

Aufbau aus einfachen Formen

Kreise und Linien sind überall. Nahezu alles besteht aus diesen beiden Grundelementen. Cordero nimmt diese beiden einfachen Formen und verdreht sie zu komplizierten Gebilden. An den Wänden der Galerie hängen Zeichnungen des Künstlers, die ebenfalls in diesem Stil gehalten sind. Einige davon sind Überbleibsel aus dem Jahr 2014, als die Galerie Wohlhüter erstmals Werke von Cordero zeigte.

Er zeichnet mit Kohle und Graphit auf Papier. Bleistiftstriche und Zirkelspuren sind noch sichtbar. Sie weisen genauso auf die verwendete Technik hin wie die Schweißnähte an den Skulpturen. Die Bilder sind schwarz, weiß und grau, mit gelegentlichen rostroten Akzenten, die sofort an das bevorzugte Material bei Corderos Bildhauerei denken lassen.

Ausnahme in Rot

Eine Skulptur tanzt aus der Reihe. Ihr fehlt nicht nur der klare Fokus auf Linien und Kreise, sie ist auch als einzige lackiert. Leuchtend rot zieht sie die Aufmerksamkeit auf sich. Diese Individualität kommt nicht von ungefähr. Das Stück stammt aus den 70er Jahren und unterscheidet sich deswegen stark vom Rest der gezeigten Skulpturen und Bilder. Die meisten von Corderos Skulpturen aus dieser Zeit sind mittlerweile in Privatbesitz. In Ausstellungen tauchen sie nicht mehr auf.

Wirkung im Raum

Corderos wirklich ausladende Werke sind ebenfalls abwesend. Allerdings aus Platzgründen. Die Galerie Wohlhüter ist schlichtweg nicht groß genug, um solche Objekte auszustellen. Sie besitzt eine Halle, in der die größeren Stücke stehen, der Rest der Ausstellung besteht aus kleinen Räumen. Räumen, in denen auch die kleinen Skulpturen nicht verloren wirken, sondern im Mittelpunkt sind.

Riccardo Corderos Skulpturen sind aus miteinander verbundenen geometrischen Formen zusammengesetzt.
Riccardo Corderos Skulpturen sind aus miteinander verbundenen geometrischen Formen zusammengesetzt. | Bild: Werner Wohlhüter

Skulpturen rund um die Welt

Stattdessen zeigt die Ausstellung viele Miniaturen, deren große Versionen anderswo auf der Welt verteilt sind. Im Flur der Ausstellung steht die kleine Version von Skulpturen, die sich leicht abgeändert in Friedrichshafen und Peking befinden. Die verschiedenen Skulpturen aus der Serie sind einander sehr ähnlich, unterscheiden sich aber im Detail. Eine fehlende Linie hier, ein zusätzlicher Bogen dort. Das macht sie eigenständig und nicht nur zu Kopien voneinander.

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Corderos Kunstwerke sind keine Ansammlungen von Details. Beim Versuch, einer Linie zu folgen, springt das Auge stattdessen von einer Form zur anderen. Nur wer zurücktritt und die ganze Skulptur ansieht, erfährt ihre volle Wirkung. Dann allerdings entfalten Corderos Linien und Kreise eine fast schon hypnotische Wirkung, und es scheint gar nicht mehr so abwegig, dass ein starres Stück Metall Energie versprüht.

Die Ausstellung ist noch bis zum 14.04. in Leibertingen-Thalheim zu sehen. Öffnungszeiten sind Freitag 13-18 Uhr, Samstag 10-14 Uhr, Sonntag 11-16 Uhr und nach vorheriger Absprache.