Was macht die Art Basel im Superkunstjahr? Das, was sie schon seit Jahrzehnten macht: sehr gute Geschäfte. Der Umsatz auf dem weltweiten Kunstmarkt ist vergangenes Jahr zwar um über zehn Prozent zurückgegangen, aber zieht man davon den starken Umsatzschwund, den die Auktionshäuser eingefahren haben, ab, so bleibt noch ein sattes Plus von fünf Prozent im Messe- und von drei Prozent im Galeriensektor übrig. „Die Galerien sind unsere Kunden, und das ist der Bereich des Kunstmarktes, in dem unsere Messe verwurzelt ist“, so Art-Basel-Direktor Marc Spiegler. Er rechnet für dieses Jahr sogar mit besonders vielen Besuchern. Denn parallel zur Messe in Basel finden die documenta 14 in Kassel, die Skulpturprojekte in Münster und die Biennale in Venedig statt. Viele Sammler aus Übersee nehmen dieses besondere Kunstjahr zum Anlass für eine Europareise.

Präsentiert wird dem Messe-Publikum die gleiche Fülle an Kunst wie in den letzten Jahren. Von den 292 Galerien aus 33 Ländern, die über 4000 Künstler aus der ganzen Welt vertreten, sind nur 17 das erste Mal dabei. Beworben haben sich nahezu 800. Nach den für Sammler und Fachbesucher vorbehaltenen Vorbesichtigungstagen sind bereits viele Geschäfte unter Dach und Fach gebracht.

Besonders erfolgreich war die weltweit tätige Schweizer Galerie Hauser & Wirth. Für rund 15 Millionen US-Dollar verkaufte sie schon am ersten Tag das 1970 entstandene Gemälde „Scared Stiff“ von Philip Guston. Gemäß dem Verkaufs-Report der Kunstmesse wurden am Dienstag mindestens zehn Werke für eine Million US-Dollar oder mehr verkauft. Auch Larry Gagosian, dessen Galerien-Imperium im Jahr mehr Umsatz macht als alle deutschen Galerien zusammen, dürfte wahrscheinlich sein Angebot an Arbeiten von Damien Hirst, Gerhard Richter und Publikumsliebling Jeff Koons auch nicht wieder zurück in die USA mitnehmen müssen.

Gerd Harry Lybke von der Galerie Eigen& Art ist aktuell mit einem starken Gemälde „Der Durchstich“ von seinem Star Neo Rauch vertreten. Kostenpunkt knapp unter einer Million Euro. Günstiger ist da die Berliner Galerie Nagel-Draxler. Die Skulptur „Shorty Harris“ von Anna Fasshauer gab es hier bereits für weniger als 20 000 Euro. Bärbel Grässlin, aus St. Georgen stammende und in Frankfurt erfolgreich ansässige Galeristin, konnte immerhin die hohen Kosten für die Messebeteiligung einfahren. Aus Baden-Württemberg ist lediglich noch die Karlsruher Galerie Meyer Riegger mit ihrem aus Villingen stammenden Gründer Thomas Riegger in Basel dabei.

Vor zwei Jahrzehnten waren noch einige grenznahe deutsche Galerien auf der Messe vertreten – aber die können schon lange nicht mehr aus ökonomischer Sicht mit der Kunst-Globalisierung mithalten. Ein Komitee trifft eine rigorose Auswahl unter den weltweit führenden Galerien und sorgt somit für die hohe Qualität. Das ist sicherlich einer der Gründe für den Erfolg der Art Basel. Mit ihren Satelliten in Miami Beach und Hongkong hat sich die Messegesellschaft ganz im Zeichen der Globalisierung auf allen wichtigen Kontinenten positioniert, doch an der Gründungsstätte gibt sich das Original wohl am internationalsten.

Man kann bei den museal angelegten Galerien wie Gmurzynska, Marlborough, Pace, Thomas (München) und Hans Mayer(Düsseldorf) auf den Pfaden der Kunstgeschichte wandeln. Salvador Dali, Pablo Picasso, Alexander Calder, Egon Schiele, Max Ernst, Marc Chagall und Francis Bacon: die Galerien zeigen bei allem Verkaufsinteresse in Basel auch, dass die aktuelle Kunst auf dem soliden Fundament der klassischen Moderne fußt.

Abseits des Messebetriebs

Ohne die Hektik in der benachbarten Halle, wo es nur um den Verkauf geht, kann man sich auf der Art Basel Unlimited uneingeschränkt der Kunst widmen. Sie ist den großformatigen Projekten vorbehalten. Gleich am Anfang begenet man der letzten Arbeit von Chris Burden (1946-2015). Ebenso leicht wie monumental ist es ein Resultat präziser Ingenieurskunst und ein Anlass, von Freiheit zu träumen: „Ode to Santos Dumont“ ein betriebsfähiges Luftschiff.

Es gibt bei dem Parcours entlang der 76 Arbeiten vieles zu entdecken wie etwa die Fahneninstallation „100 Fahnen 2015“ der Britin Phyllida Barlow, die derzeit auch den britischen Pavillon auf der Biennale bespielt. Oder „Cooking the World I“, eine Hütte aus einfachem Kochgeschirr, in der der indische Künstler Subodh Gupta auch zu Kochperformances einlädt. Oder die Installation „Leck“ des deutschen Künstlerduos FORT (Alberta Niemann und Jenny Kropp), das das Innere einer ehemaligen Schlecker-Filiale nachbildet. Durch die Herausnahme der Waren bringen die Künstler trotz aller politischer Botschaft das skulpturale in den Vordergrund.

Ein ironisches Friedenssymbol kommt von Philippe Parreno. Der 1964 geborene Franzose begann 2008 mit der Serie „Fraught Times“. Insgesamt elf Christbäume sind seither entstanden, alle sind unterschiedlich, jeder steht für einen Monat im Jahr, außer Dezember, da gibt es ja den realen. Marcel Duchamp und Jeff Koons lassen grüßen, so sind auch die Luxus-Artisten Sylvie Fleury und John Baldessari nicht weit. Die Schweizerin ist mit ihrem vierrädrigem Transportmittel „Skylark“ vertreten und der amerikanische Künstler mit seinem weißen „Ear Sofa“ inklusive Modell und weißem Spitz. Auf der Art Basel erklärt uns die Kunst eben auch ein Stück weit die Welt.

Die Art Basel

Die 48. Ausgabe der Art Basel dauert noch bis Sonntag, 18. Juni. Die Schau am Messeplatz 10 ist von 11 bis 19 Uhr geöffnet. Ein Tages-Ticket kostet 50 SFR (46 Euro), das Zwei-Tages-Ticket 85 SFR (78 Euro). Kinder bis zwölf Jahre haben freien Eintritt. Die Art Basel wird von vielen weiteren Kulturevents in und um Basel flankiert.