Kürzlich beklagte sich ein Kollege an dieser Stelle bitter, wie schwer ihm doch die Hundehalter das Leben auf der Waldlauf-Strecke machen. Der Jogger, so die Botschaft, sei nicht angeleinten Hunden wie Freiwild ausgeliefert, sei quasi ständig auf der Hut, mit nervösem Blick um sich schauend, ob sich nicht ein bissiger Vierbeiner an seine Fersen heftet. Daraufhin erhielt der Autor von Lesern Zuspruch, was mich fragen lässt, ob auf deutschen Waldwegen nicht gehörig etwas schlief läuft. Warum? Weil Jogger nicht gleich Jogger ist.

Dieser Gedanke kam mir kürzlich an einer Weggabelung im dunklen Tann, wo ein brauner Setter plötzlich freudestrahlend auf mich zurannte, vermutlich, weil ich ebenso wie er mit weit heraushängender Zunge eine Steigung genommen hatte. Aber bevor es zur Verbrüderung zwischen uns kam – „Ei du guter Kerl!“ hatte ich bereits gekeucht –, pfiff Herrchen den Hund zurück.

Die meisten Hunde aber sind am Waldläufer völlig desinteressiert, ja sie scheinen ihn kaum zu sehen. Sie wissen, dass sie ihn jederzeit mit einem Zwischensprint abhängen können. Da zeigen sich keine Zähne, da knurrt kein Rüde, da wird nicht gebellt. Das zeigt mir, dass dem deutschen Hund das beste Zeugnis auszustellen ist. Heute morgen trollte sich sogar ein mittelgroßer Pelzmischling ängstlich vor mir Richtung Sitzbank, wo eine Frau aufs Handy starrte. Worauf ich mich mit schlechtem Gewissen fragte, was das Tier an mir erschreckt haben könnte.

Aber verunsichert ist ja weniger der Jogger, sondern mancher Tierfreund, der schnell eine Leine hervorkramt und sie am Hund anbinden will, wenn ich herantrabe. Nach dem Zuruf „Schon gut!“ zeichnen sich Freude und Erleichterung bei Frauchen ab, hatte sie doch erwartet, ich würde ihr den Befehl „Nehmen Sie sofort den Hund an die Leine!“ entgegenschleudern. Andere Halter setzen ein kleines Pfeifchen an den Mund, der Hund läuft munter heran und hockt sich vor sein Herrchen, das den braven Burschen mit hoch erhobenem Zeigefinger erwartet.

Man kann sich sogar überlegen, den Hund beim Joggen zum Partner zu machen, wenn das Tier eine besondere Lauffreude an den Tag legt. Versuche mit einem zur Pflege überlassenen jungen Labrador fielen jedoch zwiespältig aus. Denn ich musste mich auf Zwangspausen gefasst machen, wenn sich die Hundeschnauze schnüffelnd in den Boden bohrte. Auch plötzlicher Jagdtrieb auf Eichhörnchen provozierte Ausnahmezustände, die mit dem Waldlauf nicht kompatibel sind. Seitdem jogge ich wieder allein und freue mich, dass ich kein Eichhörnchen bin.