Sommerzeit ist Badezeit. Denn was gibt es Schöneres als sich im kühlen Nass zu erfrischen und den Tag mit der ganzen Familie im Freibad zu verbringen? Der Spaß hält aber nur so lange an, bis die ersten, dunklen Gewitterwolken aufziehen. Dann heißt es, sofort raus aus dem Wasser!

Der Klimawandel bringt immer mehr extreme Wetterereignisse – auch nach Baden-Württemberg. Im Zuge der Erderwärmung steigt das Gewitterrisiko stark an. Gerade für Freibäder und ihre Bademeister ist das eine große Herausforderung. „Ich habe den Eindruck, dass die Gefahr durch Gewitter in den vergangenen Jahren zugenommen hat. Die Gewitter kommen zwar nicht unbedingt öfter, aber dafür früher im Jahr und heftiger“, so Peter Heck. Der Schwimmmeister des Aachbads in Singen ist bereits seit 35 Jahren im Einsatz und hat zahlreiche Unwetter miterlebt.

Bild: Peter Heck

Auch Daniel zur Mühlen, Badebetriebsleiter von Waldshut-Tiengen teilt diese Einschätzung. Er erinnert sich an ein besonders einschneidendes Ereignis am ersten August-Wochenende vergangenen Jahres. Nach einem schweren Gewitter mit mehreren Blitzeinschlägen mussten zehn beschädigte Bäume in den Freibädern in Waldshut und in Tiengen gefällt werden. „Zum Glück kam das Unwetter nachts, so kamen keine Besucher zu Schaden", zeigt sich zur Mühlen erleichtert.

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Auf verschiedenen Webseiten werden im Waldbad in Pfullendorf die Radarbilder fortlaufend beobachtet und auf Unruheherde hoch oben in der Luft kontrolliert: "Im Moment zieht gerade eine Gewitterzelle aus der Schweiz über Konstanz hoch. In etwa einer Stunde wird sie hier angekommen sein", erklärt der dortige Badebetriebsleiter Markus Eggerl.

Den Himmel intensiv im Auge behalten

Gleichzeitig behalte das Personal den Himmel im Auge und warte für die Anzeichen eines sich ankündigenden Unwetters. Sobald klar wird, dass das Gewitter auch das Freibad erreichen werde, werden die Schwimmbecken geräumt, die Gäste können in den Gebäuden Schutz suchen. Im Pfullendorfer Waldbad sind alle Gebäude geerdet, auf den Dächer sind mehrere Blitzableiter aufgestellt.

Rettungsschwimmerin Tina Wiedmann scannt im Pfullendorfer Waldbad den Himmel ab. Doch gestern trübten keine heranziehenden Gewitterwolken das Badevergnügen. Bild: Kirsten Johanson
Rettungsschwimmerin Tina Wiedmann scannt im Pfullendorfer Waldbad den Himmel ab. Doch gestern trübten keine heranziehenden Gewitterwolken das Badevergnügen. Bild: Kirsten Johanson | Bild: Kirsten Johanson

Bei einem sind sich alle drei Schwimmmeister einig: "Lieber einmal zu oft warnen, als einmal zu wenig" – ob es den Badegästen gefalle oder nicht. Denn auch wenn das Gewitter noch ein paar Kilometer entfernt erscheine, sollte das Wasser geräumt werden: „Das Risiko von Quereinschlägen ist einfach zu hoch“, warnt zur Mühlen.

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Gerade für einen Schwimmer ist die Gefahr bei einem Unwetter besonders groß. Denn im Wasser bildet eine Person den höchsten Punkt – und bekanntlich sucht der Blitz sich solche Punkte mit Vorliebe zum Einschlagen aus. Weitaus wahrscheinlicher als ein direkter Einschlag ist aber, dass ein Blitz in die Wasseroberfläche einschlägt. Der Blitzstrom, der sich dann im Wasser großflächig ausbreitet, entlädt sich teilweise auch im menschlichen Körper – mit schweren Folgen. Wird ein Mensch von einem Blitz getroffen, wirken bis zu 100 Millionen Volt auf seinen Körper ein. Die schweren Verletzungen reichen von Verbrennungen über Atemlähmungen bis hin zu Herzrhythmusstörungen und können zum Tod führen.

Gewitter-Warnsystem empfängt live Koordinantendaten von Blitzereignissen

Das Kölner Unternehmen "Coptr" will Abhilfe schaffen. Geschäftsführer Philipp Kominek erläutert, bereits jetzt seien dreimal so viele Blitze gemessen worden wie im Vorjahr. Ihr Gewitter-Warnsystem empfängt live Koordinatendaten von Blitzereignissen in der Umgebung und alarmiert die Verantwortlichen vor Ort, sobald sich ein Gewitter nährt. Neben Golfplätzen und Fußballclubs zählen auch Freibäder zu den Kunden, darunter als eines der ersten in Baden-Württemberg das Mineralfreibad Bönnigheim bei Heilbronn.

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Schwimmmeister Heck erzählt, im Moment habe er keine technischen Hilfsmittel bis auf die Wetter- und Radarapps auf dem Smartphone. Eine derartige Warnanlage würde aus seiner Sicht das Personal deutlich entlasten: "Auch nach 35 Jahren Berufs- und Wettererfahrungen, bin ich natürlich nicht unfehlbar."

Der Badebetriebsleiter des Mineralfreibads Bönnigheim, Dietmar Schmidt, zeigt die Gewitter-Warnanlage „Tube“.
Der Badebetriebsleiter des Mineralfreibads Bönnigheim, Dietmar Schmidt, zeigt die Gewitter-Warnanlage „Tube“. | Bild: Kominek

So verhalten Sie sich bei Gewitter richtig