Die SPD will Gymnasien künftig frei wählen lassen, ob sie G8 oder G9 anbieten. Die online-Petition „G9-jetzt“ auf der Internet-Plattform openPetition hat in Baden-Württemberg schon 35702 Unterstützer. Doch wie hoch ist der Handlungsdruck?

  1. .Wie ist der aktuelle Stand zu G8 und G9 im Land? Im Schuljahr 2004/05 wurde für alle fünften Jahrgangsstufen an Gymnasien flächendeckend im Land das G8 eingeführt, beschlossen von der damaligen CDU-/FDP-Landesregierung. Ab 2011 erlaubte die Grün-Rot im Rahmen eines Modellversuchs jeweils einem Gymnasium in den 44 Stadt- und Landkreisen die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium. Der Versuch läuft an 43 Schulen bis 2031/32 oder 2032/33.
  2. .Wie wird das G9 nachgefragt? Sehr gut. An den Gymnasien, die beide Züge anbieten, gibt es laut Kultusministerium für das kommende Schuljahr 2019/2020 insgesamt 5597 Anmeldungen. 5258 davon für G9, 339 für G8. An einigen Standorten wurde inzwischen wieder komplett auf G 9 umgestellt. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) sieht aber momentan keinen Ansatz für eine Änderung am achtjährigen Gymnasium. „Im Koalitionsvertrag haben wir vereinbart, die G9-Modellstandorte fortzuführen. Wir werden uns natürlich anschauen, wie es in anderen Bundesländern läuft, die zum G9 zurückgekehrt sind“, so Eisenmann.
  3. .Was wollen die Landtagsparteien? Grüne, CDU und FDP sind gegen eine Rückkehr zum G9. Die AfD zeigt sich grundsätzlich offen für eine Rückkehr oder zumindest für Wahlfreiheit. Die SPD hatte noch im Landtagswahlprogramm von 2016 eine pauschale Rückkehr zum G9 als weder notwendig noch sinnvoll abgelehnt. Der SPD-Beschluss nach Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 ist ein klarer Kurswechsel dar. Die grüne Bildungsexperting und Landtagsabgeordnete Sandra Boser nennt den SPD-Beschluss einem „bildungspolitischen Irrweg“. „Wir halten eine mögliche Rückkehr zu G9 für falsch“, so Boser. „Das würde nicht nur Gemeinschaftsschulen und berufliche Gymnasien schwächen, sondern auch den Alltag der Schüler spürbar verschlechtern.“
  4. .Was sagen Eltern und Lehrer? Der Landeselternbeirat (LEB) dagegen fordert, das System „Abitur im eigenen Takt“, eintzuführen, das in einem Kurssystem in acht oder neun Jahren zum Abitur führt. LEB-Vorsitzender Carsten Rees: „G8 oder G9 ist eine dumme Alternative. Es muss dringendst über die Weiterentwicklung des pädagogischen Konzepts gesprochen werden. Ein Jahr schlechter Unterricht mehr an Gymnasien ist jedenfalls kein Konzept“, so Rees. Der Landesphilologenverband dagegen äußert sich positiv. „Wir begrüßen diese bildungspolitische Positionierung der SPD“, heißt es in einer Mitteilung. „80 Prozent der gymnasialen Schüler und Eltern wünschen sich eine G9-Wahlmöglichkeit, wir fordern das schon seit 2003.“