Auch über dem großen Esstisch der Burkarts liegt der Geruch nach verbranntem Holz. "Wir riechen das schon gar nicht mehr", sagt Heinz Burkart. Der 69-Jährige setzt sich an den Holztisch, der zu den Möbeln gehört, die der Großfamilie noch geblieben sind. Um ihn herum tobt der ganz normale Alltag: Im kleinen Büro nebenan entstehen die Pläne zum Wiederaufbau des Hofes, Tochter Kerstin sucht nach Anziehsachen für ihre Kinder, der acht Monate alte Joshua ist dabei, den Armen seines Großvaters zu entkommen.

Wenn die Albträume kommen

Heinz Burkart breitet ein getuschtes Bild seiner Enkelin Finja vor sich aus: Darauf spritzen zwei Feuerwehrmänner mit einem Schlauch auf ein brennendes Haus.

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Die Fünfjährige entkam mit ihren beiden kleinen Geschwistern nur knapp den Flammen in jener Brandnacht des 1. August. Bis heute quälen sie Albträume. Eine Kopie hängt bei der Feuerwehr in Gaienhofen. Ein Geschenk der Burkarts an die Retter, die unter anderem die umliegenden Gebäude retten konnten.

Video: Nils Köhler

Das Haus ist stehen geblieben bei dem Brand, der in der Nacht zum 1. August große Teile des Hofes Balisheim bei Gaienhofen am Bodensee verwüstete. Drei Gebäude wurden damals innerhalb weniger Stunden abgefackelt, darunter ein altes Bauernhaus, das selbst den 30-Jährigen Krieg überstanden hatte.

Für die Burkarts war es das Zentrum ihres Hofes, der seit 50 Jahren Gäste, vor allem Familien anlockte, die Urlaub auf dem Bauernhof machen wollten. "Wenn das Herzstück weg ist, fehlen auch die Gäste," fasst der Senior die Katastrophe zusammen.

Jeden Morgen blickt er nun aus seinem Fenster auf die riesige Brandruine hinunter, die bislang der Mittelpunkt des familiären Lebens waren: Gemeinsam aßen sie darin, Gäste wurden beherbergt, und zu Weihnachten feierten drei Dutzend Familienmitglieder dort Weihnachten.

Drei Generationen: Heinz Burkart (69), Albert Burkart (93) und Martin Eickhoff (31) vor der Brandruine des Hofes Balisheim. Links hinter ihnen grast Peter Lenks modelliertes Pferd, das einst auf dem Hof für den Überlinger Lenk-Brunnen angefertigt wurde.
Drei Generationen: Heinz Burkart (69), Albert Burkart (93) und Martin Eickhoff (31) vor der Brandruine des Hofes Balisheim. Links hinter ihnen grast Peter Lenks modelliertes Pferd, das einst auf dem Hof für den Überlinger Lenk-Brunnen angefertigt wurde. | Bild: Nils Köhler

Mit brüchiger Stimme und glänzenden Augen endet Heinz Burkart: "In dem Haus bin ich geboren", sagt er: "Wir haben lebenslang darin investiert. Wenn man das abgebrannt sieht, ist das ein Schock."

Gerüchte gehen um

Die Brandnacht ließ niemand kalt, sie sorgt bis heute für Gesprächsstoff auf der Halbinsel Höri. Spekulationen schossen ins Kraut, die Rede war von einem Serientäter, der bereits 13 Brände gelegt haben soll. Die Polizei nahm rasch einen Verdächtigen fest. Der sitzt nach Angaben von Andreas Mathy von der Staatsanwaltschaft Konstanz nach wie vor in Untersuchungshaft. Er verweist auf die laufenden Ermittlungen in dem Fall. Der Mann sei ausschließlich wegen Verdachts der Brandstiftung in Untersuchungshaft.

In der Nacht vom 31. Juli auf 1. August 2018 brannten weite Teile des alten Hofes Balisheim bei Gaienhofen (Höri) ab. Für die Besitzer-Familie Burkart steht fest: Sie werden den Hof neu aufbauen.
In der Nacht vom 31. Juli auf 1. August 2018 brannten weite Teile des alten Hofes Balisheim bei Gaienhofen (Höri) ab. Für die Besitzer-Familie Burkart steht fest: Sie werden den Hof neu aufbauen. | Bild: Feuerwehr

Heinz Burkart will sich zu dem Verdächtigen, der nach Informationen dieser Zeitung auf dem Hof gearbeitet haben soll, nicht äußern. Das sei die Aufgabe der Ermittler, sagt er. Für ihn und seinen Sohn Martin (31) steht allein der Wiederaufbau des Anwesens im Vordergrund. Auch wenn beide wissen, dass die Substanz der mehrere hundert Jahre alten Gebäude unwiderbringlich verloren ist.

So war der Hof einst Teil des Schweigeklosters Grünenberg bei Moos. In vier Generationen hatten die Burkarts Stallungen, Wohnbereich und schließlich eine historische Scheune aus dem Jahr 1780 liebevoll hergerichtet. Sie wünschen sich, dass die liebgewonnenen Gebäude wieder aufgebaut werden. "Alle haben Heimweh nach dem Zentrum", sagt Burkart, der als weiteres Standbein noch ein Baugeschäft hat und umtreibt.

Video: Nils Köhler

Verbrannt sind damals neben einem Auto, Traktor und Maschinen auch alte Musikinstrumente, an denen viele Erinnerungen hängen. Der Schutt gilt derweil als Sondermüll, die Entsorgung soll 300 000 Euro kosten. Er hoffe, dass bald schon mit dem Wiederaufbau begonnen werde, sagt Burkart, damit die Gäste schon im nächsten Sommer wieder kommen. Nur eines soll anders werden: Das Heu wollen die Burkarts künftig nicht mehr mit einlagern. Denn das habe das Feuer erst richtig angeheizt.