Im Fall der mehr als fünf Jahre lang verschwundenen Maria H. aus Freiburg steht die Polizei vor dem Abschluss ihrer umfangreichen Ermittlungen. Der im Sommer in Italien festgenommene und später nach Deutschland ausgelieferte Begleiter des Mädchens habe sich bei den Ermittlern inzwischen zu den Vorwürfen geäußert, sagte eine Sprecherin der Polizei in Freiburg am Wochenende. Zu Beginn der polizeilichen Vernehmung hatte er noch geschwiegen.

Bereits zuvor war die junge Frau vernommen worden. Sie hatte ihre Aussagen im Lauf der Anhörung verändert. Zuerst sagte sie, sie sei alleine von Polen, wo die beiden zuerst gelebt hatten, nach Italien gereist und habe sich dann als Aupair-Mädchen durchgeschlagen. Später hieß es, sie seien zu zweit nach Italien eingereist und hätten sich erst dort getrennt.

Polizei arbeite nun am Abschlussbericht; alle Aussagen und die Spurensuche seien beendet. Einzelheiten, etwa zu den Angaben des Mannes, nannte die Sprecherin nicht.

Er war 40 Jahre älter

Nach dem Abschlussbericht entscheide die Staatsanwaltschaft, ob und wann sie Anklage gegen den 57 Jahre alten Mann erhebe. Zu einem Prozess könnte es nächstes Jahr in Freiburg kommen, sagte eine Sprecherin der zuständigen Ermittlungsbehörde. Dort würden die Vorwürfe dann näher geprüft und juristisch bewertet. Es gehe dabei auch um die Frage, in welchem Verhältnis das Paar zueinander stand und ob das Mädchen die ganze Zeit freiwillig bei dem Mann geblieben ist.

Der Verdächtige kommt aus Blomberg in Nordrhein-Westfalen. Die heute 18 Jahre alte Maria war im Mai 2013 als 13-Jährige den Angaben zufolge freiwillig mit dem rund 40 Jahre älteren Mann untergetaucht. Bei ihrer Familie hatte sie sich zuvor nicht abgemeldet. Die beiden sollen sich im Internet kennengelernt haben. Weil das Mädchen 13 Jahre alt und damit nicht volljährig war, suchte die Polizei jahrelang den Mann wegen Kindesentzugs und sexuellen Missbrauchs mit internationalem Haftbefehl.

In Internet-Chats hatte sich der 57-Jährige den bisherigen Ermittlungen zufolge als Teenager ausgegeben. Damit wollte er sich offenbar interessanter machen für seine jugendlichen Gesprächspartner und deren Interessen. Strafrechtlich verantworten müsse er sich, weil er ohne Einwilligung der Eltern mit einer Minderjährigen untergetaucht sei, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Auch wenn Maria freiwillig und aus Überzeugung mitgegangen sei, stelle dies eine Straftat dar. Bei Kindesentzug drohen laut Strafgesetzbuch bis zu fünf Jahre – in schweren Fällen bis zu zehn Jahre – Haft.

Der Mann war bereits Anfang September im süditalienischen Sizilien festgenommen worden und sitzt seither in Deutschland in der Untersuchungshaft. Wenige Tage zuvor war Maria freiwillig nach Hause zurückgekehrt. Ende September war der Verdächtige von Italien an Deutschland ausgeliefert worden.

Den Angaben zufolge war das ungleiche Paar von Mai 2013 an zunächst durch Osteuropa und dann ohne größere Zwischenstationen nach Italien gereist. Die vergangenen zwei Jahre lebte es demnach gemeinsam in einer Wohnung in Sizilien. Dort war der Mann auch festgenommen worden. Maria und ihre Familie wollten sich zuletzt nicht zu dem Fall äußern.

(dpa)