Stuttgart – Das größte Streitthema zwischen Grünen und CDU bei der Novellierung der Landesbauordnung ist vom Tisch: Die Verpflichtung zu zwei Fahrradstellplätzen entfällt, künftig entscheidet die Baurechtsbehörde darüber. Wird es für Häuslebauer jetzt spürbar günstiger? Wohl nicht. Denn ungeachtet der ideologischen Diskussion sind die Auswirkungen auf die Gesamtbaukosten bescheiden – mit 1500 Euro Kosten pro Stellplatz rechnen Architekten. Aber was macht das Bauen wirklich teuer? Die wichtigsten Fragen und Antworten:

  1. Warum wird die LBOnovelliert? Grüne und CDU wollen schnell günstigeren Wohnraum schaffen. Darauf haben sie sich im Koalitionsvertrag verständigt, um den drastisch gestiegenen Mieten und Immobilienpreisen entgegenzuwirken. Im Koalitionsvertrag selbst ist dazu ausdrücklich die Ausweisung neuen Baulands und die Überprüfung der Fahrradstellplatzvorgabe genannt. Zudem soll eine Wohnraumallianz unter der Leitung von Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) Vorschläge vorlegen, die in die LBO-Novelle einfließen.
  2. Warum ist Bauen so teuer geworden? Der größte Kostentreiber beim Bauen sind nach Einschätzung von Markus Müller, Präsident der Architektenkammer Baden-Württemberg, die Grundstückspreise. Dafür macht Müller aber nicht nur den Flächenmangel verantwortlich: "Das liegt auch an Spekulationsgewinnen", sagt Müller. Dazu kommt die Auftragslage in der Baubranche – wo die Nachfrage höher ist als die Baukapazität, gehen die Preise steil nach oben.
  3. Welchen Anteil an der Kostenentwicklung haben Bund, Länder und Kommunen über rechtliche Vorgaben wie energetische Standards oder Brandschutz? Die Arbeitsgemeinschaft (Arge) für zeitgemäßes Bauen e.V. Kiel, die regelmäßig grundlegende Bauforschungsberichte vorlegt, berechnet in ihrer Studie "Kostentreiber für den Wohnungsbau" 2014 , dass kommunale Auflagen insgesamt beim Bauen zu etwa vier Prozent höheren Gestehungskosten führen. Im Vergleich zum Bezugsjahr 2000 kommt die Arge 2014 beim Wohnungsbau auf Mehrkosten von 871 Euro pro Qudratmeter. Davon haben 330 Euro einen direkten Bezug zu Vorgaben von Bund, Ländern und Kommunen. Mit 541 Euro haben aber mehr als drei Fünftel der Mehrkosten mit der allgemeinen Preisentwicklung zu tun – allein 342 Euro Mehrkosten entstehen durch höhere Baupreise, 115 Euro durch gestiegene Baulandpreise. Seit 2014 dürfte sich das noch deutlich erhöht haben. Das Statistische Landesamt Baden-Württemberg weist im aktuellen Baupreisindex für Wohngebäude im zweiten Quartal 2018 gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum erneut eine Baupreissteigerung von 4,3 Prozent aus. Preistreiber: Rohbauarbeiten mit plus 5,4 Prozent.
  4. Wo setzt das Land in der LBO jetzt an? Flächen können besser genutzt werden. Die bislang vorgeschriebenen Flächen zum Wäschetrocknen entfallen, die Kinderspielplatzpflicht wird erleichtert, eine Kombination von Flächen oder Ablösung wird ermöglicht. Auch die Vorgabe für barrierefreie Wohnungen wird flexibilisiert. In neuen urbanen Baugebieten werden die Abstandsflächen verringert, die Pflicht zu neuen Kfz-und Fahrradstellplätzen sowie barrierefreien Wohnungen entfällt bei Gebäudeaufstockungen. Zudem wird der Holzbau erleichtert. Für die Innenentwicklung ländlicher Regionen wichtig: Für Tierställe erlischt im Regelfall nach sechs Jahren die Genehmigung für Tierhaltungsanlagen. Dort kann neuer Wohnraum gebaut werden.
  5. Was soll das Bauen zusätzlich verbilligen? Das Baugenehmigungsverfahren soll digitalisiert und vereinfacht werden, wer Unterlagen nachreicht, muss nicht erneut durch das ganze Verfahren. Dadurch sollen Bauverfahren schneller und günstiger werden. In der Praxis ist die Infrastruktur in vielen Kommunen aber noch sehr weit davon entfernt, diese Digitalisierung auch umsetzen zu können. Für den Präsidenten der Architektenkammer macht all dies "ein Prozent unter einer Latte von anderen Maßnahmen aus, die man ergreifen müsste", so Müller. "Die LBO-Novelle sind die ersten zehn Meter eines Marathonlaufes."
  6. Wann tritt die LBO-Novelle in Kraft? Frühestens im Herbst. Vor der Gesetzänderung stehen noch die Abstimmung, ein Kabinettsbeschluss, eine Verbandsanhörung und der Landtagsbeschluss. Das soll zügig nach der Sommerpause erfolgen.