K.-o.-Tropfen sind gefährlich. Immer wieder werden sie unwissenden Opfern etwa abends beim Ausgehen in die Gläser geschüttet. Um sie zu missbrauchen, sie zu berauben. Oder einfach nur aus Boshaftigkeit. Eine Karlsruher Studentin hat nun ein Armband entwickelt, das die Substanz mit einem Schnelltest erkennt, nachdem eine Bekannte zum Opfer wurde.

Ein Vorfall im Juli vergangenen Jahres hatte Kim Eisenmann zu ihrer Erfindung bewegt. Auch fast ein Jahr später hört man der Studentin am Telefon die Fassungslosigkeit noch an. Eine 17 Jahre alte Bekannte war nach einem Dorffest in einem Park aufgewacht, unbekleidet, verletzt und ohne Erinnerung an die Nacht. Später wurden bei der jungen Frau Rückstände von Gamma-Hydroxybutansäure (GHB) festgestellt – das gängigste Mittel für K.-o.-Tropfen. „Das war so ein Schock“, sagt Eisenmann. „Das hätte auch jeder anderen Frau auf dem Fest passieren können – auch mir.“

GHB wirkt – je nach Menge – entspannend, euphorisierend und sexuell anregend, führt aber auch zu Verwirrtheit und Gedächtnisstörungen. In höheren Dosen wirkt es einschläfernd und kann sogar bewusstlos machen. Wer GHB zu sich nimmt, wird zu einem leichten Opfer. Deshalb gibt es seit vielen Jahren die Warnung, in Klubs und auf Partys nicht aus fremden Gläsern zu trinken – und sein eigenes Glas im Blick zu behalten.

Nach dem Vorfall in ihrem Umfeld begann Kim Eisenmann zu recherchieren: Welche Tropfen gibt es überhaupt? Wie kann man sich schützen? Die Wirtschaftsingenieurwesen-Studentin stellte fest: Bisher gibt es offenbar noch kein Produkt, das K.-o.-Tropfen, zu ihnen zählen etwa auch Rohypnol oder Ketamin, aufspüren kann. Denn das Tückische an den Substanzen ist: Sie sind geruchs-, geschmacks- und farbneutral.

Gemeinsam mit ihrem Partner Sven Häuser entwickelte die 25-Jährige die Idee für das Testarmband Xantus, das kürzlich in das Online-Sortiment der Drogeriemarktkette dm aufgenommen worden ist. Die Bänder sehen aus wie die typischen Eintrittsbänder aus Papier, die man in Klubs erhält. Die Anwendung ist simpel: Das Armband wird am Handgelenk befestigt. Man tupft eine kleine Menge der Flüssigkeit aus dem Getränk auf ein Testfeld. „Wenn darin K.-o.-Tropfen sind, verfärbt sich das Testfeld blau“, erklärt Eisenmann. Bleibt es weiß, ist der Test negativ.

Rund 50 Drinks haben die Studentin und ihr Mitgründer von einem Forscherteam testen lassen. Wein, Caipirinha, Jackie Cola – bei allen funktioniert der Test nach Angaben des Start-ups. Dennoch steht auf der Packung: Einen hundertprozentigen Schutz gibt es nicht.

Eisenmann geht es auch um Prävention. Über die Testfunktion hinaus soll das Band der Trägerin auch als Erinnerung dienen und eine abschreckende Wirkung auf Täter haben.