Wegen der anhaltenden Hitze haben einzelne Atomkraftwerke in der Schweiz und in Deutschland ihre Leistung heruntergefahren. Das Kernkraftwerk Mühleberg (Kanton Bern) musste inzwischen wegen der aufgewärmten Aare, einem Zufluss des Rheins, die Reaktorleistung auf 89 Prozent zurückfahren, wie ein Sprecher der Betreibergesellschaft erklärte. Mit Volllast lief zuletzt noch das Kernkraftwerk Beznau. Betreiberin Axpo muss die Leistung herunterfahren, sobald das eingeleitete Kühlwasser in die Aare die 32-Grad-Marke überschreitet.

Entnahme von Kühlwasser ist streng geregelt

Die Kraftwerke entnehmen ihr Kühlwasser in der Regel aus Flüssen. Damit die Wassertemperatur der Gewässer durch die Wiedereinspeisung genutzten Kühlwassers nicht zu sehr steigt, unterliegt die Entnahme strengen Vorgaben. Pauschale Regeln zu maximalen Wassertemperaturen gibt es jedoch nicht: "Die Vorgaben variieren wegen der unterschiedlichen Umweltbedingungen von Kraftwerk zu Kraftwerk", sagte Dieter Majer, langjähriger Chef der Abteilung für Atomsicherheit im Bundesumweltministerium.

Am Oberrhein liegt der kritische Bereich je nach Flussabschnitt laut EnBW bei 26 Grad. Im Atomkraftwerk Philippsburg wurde deshalb die Leistung von Block zwei um bis zu zehn Prozent reduziert. Ähnliches droht im Akw Neckarwestheim. Für den Fall, dass die Temperaturen in Rhein und Neckar weiter steigen, habe EnBW vorsorglich Ausnahmeanträge gestellt, um den Betrieb aufrecht erhalten zu können, teilte der Versorger mit.

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In Norddeutschland produzieren die Kernkraftwerke Grohnde und Brokdorf laut PreussenElektra wegen der leicht erhöhten Gewässertemperaturen etwas weniger als üblich. Derzeit führt dies in Grohnde zu einer um 80 bis 120 Megawatt geringeren Stromproduktion, in Brokdorf sei die Einschränkung geringer. Die Reduzierung der Stromproduktion wegen der etwas höheren Gewässertemperaturen sei ein ganz normaler Effekt, hieß es.

Insgesamt haben die hohen Temperaturen und die sinkenden Wasserstände der Flüsse die Stromversorgung in Deutschland bislang aber nur wenig beeinträchtigt. „Es ist alles im grünen Bereich“, sagte ein Sprecher der Bundesnetzagentur.

Der tägliche Stromverbrauch in Deutschland ist durch die Hitzewelle im Vergleich zu den Durchschnittswerten der vergangenen beiden Sommer um gut 6 Prozent gestiegen. Nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) werden derzeit pro Tag etwa 1,36 Milliarden Kilowattstunden verbraucht. Im Durchschnitt der Sommer 2016 und 2017 waren es 1,28 Milliarden Kilowattstunden am Tag. Klimaanlagen haben keinen besonders großen Anteil am Stromverbrauch in Deutschland. Im Jahr 2016 wurden 9,14 Milliarden Kilowattstunden zur Kühlung eingesetzt – 1,8 Prozent des gesamten Stromverbrauchs in Deutschland. Auf die Industrie entfiel mit 4,83 Milliarden Kilowattstunden mehr als die Hälfte des Verbrauchs. Privathaushalte kühlten ihre Räume mit 1,25 Milliarden Kilowattstunden Strom.