Dunkle Wolken über Familie Kretschmann. Winfried Kretschmann soll seinem Sohn Johannes dabei geholfen haben soll, Aufträge der Landesregierung zu bekommen, damit dieser sich als Sprachwissenschaftler auszeichnen könne. Staatsministerin Theresa Schopper (Grüne) erklärte, dass Johannes Kretschmann berate das Staatsministerium „im Rahmen einer Expertengruppe Dialekt zu den laufenden Maßnahmen der Dialektinitiative der Landesregierung“. Die Tätigkeit sei unentgeltlich. Zu einer Expertenrunde am 28. Juni 2018 seien ihm lediglich die Reisekosten erstattet worden.

Theresia Schopper sucht nach Antworten auf Fragen der SPD
Theresia Schopper sucht nach Antworten auf Fragen der SPD | Bild: Staatsministerium

„Bei der Dialekttagung am 7. Dezember 2018 in Stuttgart moderierte Herr Johannes Kretschmann einen Thementisch. Auch hierfür erhielt er kein Honorar“, nennt Schopper in der Antwort auf die Anfrage einen zweiten Termin, an dem Johannes Kretschmann in die Dialektinitiative involviert gewesen sei. Die Tagung der Landesregierung zur Gegenwart und Zukunft der baden-württembergischen Dialekte fand im Neuen Schloss in Stuttgart statt.

Es geht um die prominente Plattform

Binder kritisiert das Vorgehen des Ministerpräsidenten. „Die Antwort auf meine kleine Anfrage bestätigt, dass Ministerpräsident Winfried Kretschmann seinem Sohn Johannes Kretschmann im vergangenen Jahr im Rahmen der Dialektinitiative der Landesregierung zweimal eine sehr prominente Plattform geboten hat, um sich als Sprachwissenschaftler profilieren zu können. Auch wenn seine Mitwirkung hier kostenlos – um nicht zu sagen umsonst – war, wurden ihm Chancen für das Netzwerken in eigener Sache geboten“, erklärt Binder gegenüber dieser Zeitung.

Sascha Binder (SPD) auf einer Pressekonferenz im baden-württembergischen Landtag.
Sascha Binder (SPD) auf einer Pressekonferenz im baden-württembergischen Landtag. | Bild: dpa

Laut Binder solle gerade ein Ministerpräsident bei solchen Themen über jeden Verdacht erhaben sein. „Ob das plötzliche Interesse des Ministerpräsidenten am Dialekt tatsächlich der Identität des Landes dient oder lediglich familiär motiviert war, bleibt das Geheimnis des Ministerpräsidenten.“

Kretschmann junior an fünf Reden beteiligt

Staatsministerin Schopper erklärt in der Antwort auf die Anfrage außerdem, das Staatsministerium sei in den vergangenen acht Jahren bei fünf Reden im Austausch mit Johannes Kretschmann gestanden – darunter vier Fastnachts- und eine Dialektrede. „Auch dafür erhielt Herr Johannes Kretschmann kein Entgelt“, so die Staatsministerin.

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Dass es zu weiteren Einbindungen von Kretschmanns Sohn gekommen sei, könne sie nicht bestätigen. Schopper: „Gegebenenfalls bestehende Beziehungen anderer Stellen der Landesverwaltung mit Herrn Johannes Kretschmann sind dem Staatsministerium nicht bekannt.“

Wann kommt der englische Slogan?

In der Landtagsanfrage hakt Binder beim Staatsministerium nicht nur wegen der Rolle von Kretschmanns Sohn in der Dialektinitiative nach, sondern er möchte auch wissen, wann der angekündigte englische Werbeslogan für Baden-Württemberg kommen soll. Winfried Kretschmann hatte kürzlich erklärt, einen neuen internationalen Werbeslogan zu suchen. Dieser solle den bekannten Spruch „Wir können alles. Außer Hochdeutsch.“ ergänzen.

Fragen bleiben offen

Binder stellt eine Reihe von Fragen: Welche Agentur entwirft den englischen Slogan? Welche Kosten fallen an? Schopper kann dazu keine genaueren Angaben machen. Binder bilanziert: „Mit Blick auf die Antworten auf meine Fragen nehmen wir zur Kenntnis, dass der Ministerpräsident nicht nur bei wichtigen politischen Fragen lediglich heiße Luft verbreitet, sondern auch bei einfachen Dingen wie bei einer Imagekampagne Luftschlösser baut.“