Uhldingen-Mühlhofen – Rotglühend ist die Mischung aus Kupfer und Zinn in der Schale, allmählich wird sie dünnflüssiger. Damit das Holzkohlefeuer die erforderlichen tausend Grad hält, braucht es Sauerstoff aus einem Blasebalg. Dann ist der Zeitpunkt gekommen, an dem der Schweizer Experimentalarchäologe Walter Fasnacht mit dicken Handschuhen und einer Zange zugreift und die flüssige Metalllegierung in eine Hohlform aus Keramikhalbschalen gießt. Jetzt heißt es Abstand halten. Denn Funken sprühen und Erwachsene wie Kinder bekommen große Augen. Gespannt erwarten sie den Moment, an dem die Form geöffnet wird und die Pfeilspitzen aus Bronze sichtbar werden, die Fasnacht in einem Wassereimer abkühlt. Das ist nur eines von vielen Experimenten, das am morgigen Sonntag im Pfahlbaumuseum Unteruhldingen hautnah mitzuerleben ist.

Dann sind noch einmal die Höhepunkte von sieben verschiedenen Themenwochen zu sehen, die sich im Verlauf des Sommers auch mit Feuermachen und der Salzgewinnung befassten, mit Bernstein, Glas und der Brotherstellung in der Steinzeit. "In diesen sieben Wochen hatten wir 79 500 Besucher", resümiert Direktor Gunter Schöbel. "Ich denke, dass wir morgen die 80 000 voll bekommen." Das Programm war ein Beitrag zum Europäischen Kulturerbejahr 2018 und steuerte damit einen von bundesweit mehr als 200 Beiträgen bei, die auf die gemeinsamen Wurzeln Europas aufmerksam machten. Vom Bund gab es dafür 90 000 Euro an Fördermitteln. Und weil das Programm auf so große Resonanz stieß, gibt’s den Zuschuss für eine Fortsetzung 2019 noch einmal. Anerkennung wird den Pfahlbauten auch mit dem Lotto-Museumspreis 2018 zuteil, dessen Hauptpreis mit 20 000 Euro dotiert ist.

Seit Freitag tagt nun die Europäischen Vereinigung zur Förderung der Experimentellen Archäologie (EXAR), die den Austausch der neuesten Forschungsansätze auf wissenschaftlicher Ebene möglich macht und deren Vorsitzender Schöbel ist. 120 Wissenschaftler stellen im Unteruhldinger Welterbesaal neue Erkenntnisse und Konzepte vor, wie man Geschichte erlebbar machen kann. Zu den aktuellen Themen gehören auch die prähistorische Bienenhaltung und Imkerei. Hier glauben die Experten inzwischen zu wissen, wie die Menschen schon vor mehreren tausend Jahren große Hölzer zur Anlage von Bienenwaben nutzten. Doch grau ist alle Theorie.

Raus aus dem Elfenbeinturm, lautet daher die Devise, weg von den klassischen Schaukästen und wissenschaftlichen Texten – hin zu experimentellen Vermittlungsmethoden, die die Erkenntnisse der Archäologie erlebbar, nachvollziehbar und damit auch verständlich macht. "Unser Ziel ist die Vermittlung des vielfältigen Wissens an ein breites Publikum", sagt Museumspädagoge Thomas Lessig-Weller vom Keltenmuseum im hessischen Glauberg. "Wir möchten den Besuchern keine Typologie von Fibeln zeigen und welche wo verbreitet waren", betont er. "Sie sollen miterleben, wie man solche Metallverschlüsse für die Kleidung herstellen konnte." Es gelte die Besucher neugierig zu machen und das Interesse zu wecken. "Das funktioniert besser, wenn man Dinge selbst in die Hand nehmen kann", betont auch Gunter Schöbel. "Die Pädagogik muss breiteren Raum einnahmen." In Wissenschaftlerkreisen kämpfen die Experimental-Archäologen nach wie vor um Anerkennung. Dabei legen sie großen Wert auf authentisches Vorgehen und eine saubere Methodik. Das lässt sich auf der Internet-Plattform www.archaeologie-der-zukunft.de nachlesen. Für Lehrer und Erzieher gibt es Fortbildungen und Seminare. Schöbel: „Wir werden von Kindergärten mit Projekten überrannt.“