Nach dem Angriff eines abgelehnten Asylbewerbers auf einen Sozialdezernenten des Landratsamts Tuttlingen ist gegen den 48-jährigen Tatverdächtigen Haftbefehl erlassen worden. Der Angeklagte wurde laut Staatsanwaltschaft Rottweil gestern dem Ermittlungsrichter beim Amtsgericht vorgeführt. Bis zur Verhandlung sitzt der polizeibekannte Angreifer damit in Untersuchungshaft. "Für die Stadt Tuttlingen war es wichtig, dass er von der Bildfläche verschwindet", sagte Amtsrichter Thomas Straub dem SÜDKURIER. Die Staatsanwaltschaft Rottweil prüft derzeit eine Sammelklage gegen den mutmaßlichen Pakistani, der sich ursprünglich ab Montag in einer anderen Strafsache verantworten sollte. Sie strebe eine "einheitliche Verhandlung sämtlicher Tatvorwürfe" an, wie die Behörde mitteilte.

Der Mann hatte am Dienstag zunächst im Landratsamt Tuttlingen ein Fenster eingeschlagen und den Computer einer Mitarbeiterin zertrümmert, bevor er auf der Straße wahllos mit zwei mit Nägeln gespickten Holzlatten auf vorbeifahrende Autos einschlug. Ein Sozialdezernent, der den aufgebrachten Asylbewerber beruhigen wollte, wurde mit einer der Latten im Gesicht getroffen und leicht verletzt. Nach seiner Festnahme wurde der Angreifer in Polizeigewahrsam genommen.

Der Asylsuchende hält sich seit 2015 in Tuttlingen auf, im Februar 2016 wurde sein Antrag auf Asyl abgelehnt. Wegen fehlender Ausweispapiere kann der Mann nach Angaben des Regierungspräsidiums Karlsruhe aber dennoch nicht abgeschoben werden. Die pakistanischen Behörden lehnten ein entsprechendes Gesuch im März dieses Jahres ab. Seither ist der mutmaßliche Pakistani laut Polizeiangaben immer wieder straffällig geworden.

Im nun verschobenen Prozess vor dem Amtsgericht Tuttlingen wird dem Tatverdächtigen gefährliche Körperverletzung, Sachbeschädigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vorgeworfen. Darüber hinaus ging beim Amtsgericht eine weitere Anklage gegen den Angreifer ein, die verschiedene Vorwürfe im Zusammenhang mit "Aggressionen gegen das Ausländer- und Integrationsamt" (Straub) enthielt. Nach Angaben des Sozialdezernenten Bernd Mager, der von dem 48-Jährigen im Gesicht verletzt worden war, lauerte der Asylsuchende immer wieder Mitarbeiterinnen des Landratsamts in der Tiefgarage auf, mehrfach sei er von der Polizei einbestellt und über Nacht in die Psychiatrie gebracht worden.

Amtsrichter Thomas Straub schloss deshalb nicht aus, dass auch ein psychiatrisches Gutachten erstellt werden könne – dem müsse der Angeklagte aber zustimmen. Ein neuer Termin für die Verhandlung steht noch nicht fest. Für den Angeklagten müsse zunächst ein Verteidiger gefunden werden, gab Straub an. Der Fall bleibe aber wahrscheinlich beim Tuttlinger Amtsgericht.