Inselhopping ist längst ein Begriff im Tourismusgeschäft, wenn es um Kanaren, Azoren und die Karibik geht. Aber Inselhopping am Bodensee? Das hört sich interessant an – und ist Teil der zukunftsorientierten Marketingstrategie, die der Bodenseetourismus auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin (ITB) in diesen Tagen auf großer Bühne präsentiert. Mit dem Ziel, das Interesse bei Reiseveranstaltern auf der ganzen Welt zu wecken.

„4,3 Millionen Ankünfte im Jahr 2016, 12 Millionen Übernachtungen – diese Zahlen aus der Bodenseeregion können sich sehen lassen. Sie entsprechen im Vergleich zum Vorjahr einer Steigerung um gut fünf Prozent“, weiß Jürgen Ammann. Beachtlich sei auch die gestiegene Zahl der Ankünfte zwischen Januar und März sowie in der Zeit von Oktober bis Dezember, sagt der Geschäftsführer der Internationalen Bodensee Tourismus GmbH aus Konstanz. Demnach deckten die großen Städte Konstanz, Überlingen, Friedrichshafen und Lindau zusammen etwa 25 Prozent des touristischen Aufkommens am See ab. Aber auch das Hinterland habe stark aufgeholt, wie Enrico Heß, Geschäftsführer der Deutschen Bodensee Tourismus GmbH mit Sitz in Friedrichshafen ergänzt. Gerade die Spezialisierungen – etwa im Falle von Obsthöfen oder Weingütern – seien von Familien, anspruchsvollen Genießern und anderen Zielgruppen gefragt.

Wasser, Radfahren, Wandern, Geschichte, natürlich auch Entspannung, Wohlfühlen und gutes Essen – das passe für Bodensee-Urlauber nach wie vor gut zusammen, während sich der klassische und reine Wellness-Urlaub weiter auf dem absteigenden Ast befinde, so die Erkenntnis von Jürgen Ammann. Daher sei darauf zu achten, die Tourismusregion Bodensee nach Funktion und Zielsetzung abzugrenzen.

„Generell geht der Trend im Tourismus zu häufigeren Reisen mit kürzerer Aufenthaltsdauer“, sagt Enrico Heß. Ziele, die mit dem eigenen PKW, Bus oder Bahn zu erreichen sind, seien ebenfalls im Aufwind. Darin sehe man speziell für den Bodenseetourismus eine positive Entwicklung, so Heß. Hier setze das Projekt „Echt Bodensee Card“ (EBC) an, die den Gästen der teilnehmenden Orte während des gesamten Aufenthalts freie Fahrt mit Bus und Bahn im Verkehrsverbund Bodensee-Oberschwaben ermögliche. Hinzu kommen zahlreiche weiteren Vorteile bei Ausflugszielen in der Region. „Ab Mai 2017 gibt es größtenteils sogar die Möglichkeit der kostenfreien Fahrradmitnahme in den Zügen“, ergänzt der DTB-Geschäftsführer.

Schwarzwald auf dem Rad

Was aber hat es mit dem eingangs erwähnten Inselhüpfen auf dem Bodensee auf sich? Hier geht es unter anderem um sportliche Aktivitäten wie Rad- und Kanufahren, auch um den Genuss regionaler Produkte. Und es geht vom Ausgangspunkt Konstanz nicht nur zu den Klassikern Mainau, Reichenau oder Lindau, wie Ammann erklärt, sondern auch auf die malerischen Halbinseln Höri und Mettnau, die Klosterinsel Werd und auf die – aus dem Filmklassiker „Die Fischerin vom Bodensee“ bekannte – Liebesinsel.

Radfahren nimmt im 200. Geburtsjahr des Fahrrads im touristischen Angebot des Schwarzwalds einen besonderen Platz ein. Jetzt schon seien mehr als 8500 Kilometer Mountainbike-Wege ausgeschildert – Tendenz steigend, sagt Frank Scherer, Landrat des Ortenaukreises. Im Ortenaukreis werden demnach mehrere neue Halbtages- und Tagestouren entstehen, die in das existierende Radwegenetz integriert werden sollen. Mit dieser gemeindeübegreifenden Initiative des Kreises will man gemeinsam mit dem Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord und der Schwarzwald Tourismus GmbH das Mountainbikenetz in der Ortenau noch attraktiver gestalten.

„Wir bieten sportlich ambitionierten Fahrern und Mountainbike-Touristen Urlaub mit echtem Erlebniswert“, so Scherer. Wie wäre es mit einer Übernachtung unterm Blätterdach und Sternenhimmel? Auch das gehört zum Tourismus-Angebot im Schwarzwald. Mit seinen 23 000 Kilometern Wanderwegen bleibt er in Deutschland das Wanderziel Nummer eins. Neu im Programm ist „Na Du“ – „Natürlicher Dorfurlaub“, der das typische Leben, regionale Erzeugnisse und die authentische Kultur von Schwarzwalddörfern erleben lässt.

Die Messe 2017

Die Internationale Tourismusbörse Berlin (ITB) geht als Leitmesse der weltweiten Reiseindustrie und gleichzeitig als größte Reisemesse für Privatbesucher in Deutschland in diesem Jahr vom 8. bis 12. März im Messegelände am Funkturm über die Bühne. Publikumstage sind der 11. und 12. März. Was im Jahr 1966 mit einer kleinen Veranstaltung im Rahmen einer Übersee-Importmesse begann, entwickelte sich zu einem echten Welterfolg. Mittlerweile sind 10 000 Aussteller aus 187 Ländern und fünf Kontinenten vertreten. Die Ausstellungsfläche beträgt 160 000 Quadratmeter. Im vergangenen Jahr standen 120 000 Fachbesuchern und 26 000 Kongressbesuchern mehr als 60 000 Privatbesucher gegenüber, der Umsatz lag bei sieben Milliarden Euro. Das offizielle Partnerland der ITB 2017 ist Botswana. (ght)