Die Südwest-CDU will ein starkes Zeichen für christliche Werte wie Verantwortung und Toleranz setzen und auf ihrer heutigen Vorstandssitzung in Stuttgart das „Jüdische Forum der CDU Baden-Württemberg“ ins Leben rufen. Das überparteiliche und offene Forum soll künftig mit mehreren Veranstaltungen pro Jahr den Blick auf jüdisches Leben und Kultur in der Mitte der Gesellschaft richten und den Austausch und das Miteinander der Menschen und Religionen fördern, wie Generalsekretär Manuel Hagel, Initiator des Forums, gegenüber unserer Zeitung erklärt. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) wird die Schirmherrschaft übernehmen, die Auftaktveranstaltung soll im Sommer stattfinden.

„Dieses Forum ist kein Feigenblatt, sondern wird von einem inhaltlichen Anspruch getragen“, sagt Manuel Hagel, der damit ein Ausrufezeichen hinter das C im Namen der Partei setzen und auch die Frage beantworten will, für welche Werte die CDU steht. „Das christliche Menschenbild ist die Ur-DNA der Christdemokraten. Die Wurzeln als starke Volkspartei liegen in der Verbündung dieses Menschenbilds mit konservativen Werten“, sagt Hagel. „Daraus ergibt sich unser Verständnis von Religionen und Toleranz und der Auftrag, verantwortungsvoll zu handeln.“

Die Organisation des Forums soll an der Landesgeschäftsstelle der CDU angesiedelt sein. Ein vergleichbares Forum gebe es bundesweit unter den CDU-Landesverbänden nicht. Ihre Mitarbeit bereits zugesagt haben unter anderen die wichtigsten Vertreter der jüdischen Gemeinden in Baden-Württemberg: Barbara Traub, Vorstandssprecherin der Israelitischen Religionsgemeinschaft (IRG) Württembergs und Präsidiumsmitglied des Zentralrats der Juden Deutschlands sowie von der IRG Baden der Vorsitzende Rami Suliman und Geschäftsführer Thorsten Orgonas.

Auch Michael Blume, Religionswissenschaftler und Antisemitismus-Beauftragter der Landesregierung, wird das Forum in seinen Aktivitäten begleiten und beraten. Blume, selbst CDU-Mitglied, war vor Jahresfrist im März 2018 in sein Amt eingesetzt worden. Zuvor hatten mit Ausnahme der AfD alle Landtagsparteien für die Berufung eines Antisemitismusbeauftragten gestimmt. Blume vernimmt seit einiger Zeit die wachsende Sorge in den jüdischen Gemeinden angesichts radikaler antisemitischer Äußerungen in den sozialen Medien und der steigenden Zahl von antijüdischen Straftaten, wie er berichtet. „Nicht die Zahl der Antisemiten hat sich erhöht, aber die Agitation hat zugenommen“, sagt Blume. „Es findet eine digitale Radikalisierung statt, und der Hass geht auf die Straße. “

Auf der anderen Seite, so Blume, erlebten die jüdischen Gemeinden, dass ein Ruck durch die Gesellschaft gehe und sich viele Menschen gegen Antisemitismus solidarisierten. „Ich habe mich gerne bereiterklärt, den Aufbau des Forums zu unterstützen, weil es unterstreicht, dass meine Berufung keine Alibi-Veranstaltung war nach dem Motto: Jetzt haben wir ja einen Beauftragten, dann brauchen wir ja nichts mehr zu machen“, sagt Blume. Zudem hält er den Ansatz für wichtig, nicht über, sondern mit Juden zu reden.

Das ist ein Punkt, der auch Initiator Manuel Hagel wichtig ist: „Das Forum soll nicht belehrend und von oben herab handeln, sondern eine offene Dialogplattform sein, bei der jeder herzlich willkommen ist, der sich hinter der Präambel wiederfindet“, sagt Hagel.

Blume und Hagel sehen in dem Forum auch die Möglichkeit, einen neuen Impuls in der Gesellschaft zu setzen. „Mich erreichen klare Rückmeldungen aus den jüdischen Gemeinden und von jungen Menschen, dass es Juden zunehmend wichtig ist, nicht nur als Opfer und bei Trauer- und Gedenkveranstaltungen wahrgenommen zu werden“, sagt Blume. „Sie wollen, dass es nicht nur um die Vergangenheit geht, sondern darum, wie die gemeinsame Zukunft in Deutschland gestaltet werden kann.“ Da gebe es großen Bedarf. „Wenn wir das erreichen machen wir einen großen Schritt“, so Blume. Hagel wünscht sich, dass über das Forum Menschen ins Gespräch und in Kontakt mit der jüdischen Lebenswirklichkeit kommen, die sonst keine Berührungspunkte damit haben.

Mit der „Jüdischen Bundesvereinigung in der AfD“ sei das „Jüdische Forum der CDU Baden-Württemberg“ in keiner Weise vergleichbar. „Während die AfD damit nach innen zeigen will, dass sie angeblich nicht antisemitisch ist, gehen wir nach außen", betont Hagel. "Wir wollen Brücken bauen und tragen unseren moralischen Anspruch in die Gesellschaft hinein.“