Heißen Sie Irmgard Schuster oder Ingo Suffix, oder haben Sie einen anderen Namen mit den Initialen IS? Dann können Sie zumindest in der Region auch weiterhin ein Autoschild mit dem Wunschkennzeichen IS beantragen, und es wird ihnen gewährt. Im bayerischen Augsburg und im Landkreis Aiach-Friedberg ist das inzwischen nicht mehr möglich. Dort haben die Behörden ein IS-Verbot für neu beantragte Nummernschilder mit dieser Buchstabenkombination ausgesprochen.

Die Stadt Augsburg begründet diesen Schritt mit ihrer Sorgfaltspflicht. Zum einen gelte es zu vermeiden, dass Sympathisanten des Terrornetzwerks Islamischer Staat sich öffentlich mit diesem Titel schmücken. Zum anderen dürfe es auch nicht dazu kommen, dass Insassen eines Autos mit einem solchen Kürzel in falschen Verdacht geraten, zumal wenn sie ein arabisches Aussehen hätten.

Zum Beispiel könne ein solcher Wagen dann zerkratzt werden. Keine schönen Aussichten also. Doch Augsburg steht mit dieser Meinung derzeit noch alleine. In der Behörde soll ein Mitarbeiter auf das Thema aufmerksam geworden sein, als ein arabischstämmiger Kunde ein entsprechendes Nummernschild beantragen wollte. Und so wurde die neue Regelung erlassen.

Verbot wird diskutiert

Im Landkreis Konstanz sieht man derzeit keine Notwendigkeit für ein Verbot. Nicht anders die Auskunft im Schwarzwald-Baar-Kreis. Dort verweist die Pressestelle auf das Landesverkehrsministerium, das hierzu keine Änderungen verfügt hat. Für den Bodenseekreis erklärte Pressesprecher Robert Schwarz, ein Verbot sei im Hause zwar diskutiert worden. "Wir haben uns aber dagegen entschieden. Wenn man die Kürzel jeder Terrororganisation oder auch jedes Despoten bei den Nummernschildern verbieten würde, käme man schnell an die Grenzen des Alphabets." Nach Angaben des Landratsamts sind im Bodenseekreis 226 Fahrzeuge mit der Buchstabenkombination FN-IS unterwegs.

Ein Verbot bestimmter Buchstabenkombination macht grundsätzlich Sinn, wenn sie im Zusammenhang mit Nazi-Codes stehen. Im Jahr 1956 hatte das Verkehrsministerium Baden-Württemberg einen Erlass herausgegeben, in dem die Verkehrsbehörden aufgefordert wurden, bestimmte Buchstabenkombinationen nicht auszugeben. Das wurde im Jahr 2000 noch einmal vertieft. Damals beschloss ein Bund-Länder-Fachausschuss, dass die Länder mit entsprechenden Empfehlungen, Weisungen und Erlassen für die Nummernschilder entsprechende Kombination verhindern sollten, die gegen Sitte und Anstand verstoßen.

Verbot von Nazi-Begriffen

Bundesweit verboten sind Kürzel, die für nationalsozialistische Begriffe stehen wie HJ (Hitlerjugend), SS (Schutzstaffel), KZ (Konzentrationslager), NS (Nationalsozialistisch) und SA (Sturmabteilung). Weitere Verbote haben die Bundesländer und einzelne Kommunen erlassen. Die meisten gibt es in Bayern, wo auch AH (Adolf Hitler) 88 (für Heil Hitler) und HH (Heil Hitler) im Giftschrank liegen. Die Kraftfahrzeug-Zulassungsstelle der Stadt Nürnberg vergibt keine Schilder, die mit N-PD und N-S anlaufen.

Während HH als Kürzel für die Hansestadt Hamburg seit Jahrzenten erlaubt ist, vergibt der Kreis Steinburg in Schleswig-Holstein nicht die Kombination der Kreisstadt Itzehoe IZ-AN, weil es rückwärts gelesen Nazi heißt. Und der Kreis Dithmarschen hat die Kombination der Stadt Heide HEI-L untersagt. Die Behörden gehen streng bei der Vergabe vor. So machte der Antrag eines Unternehmers im bayerischen Wolfratshausen von sich reden, der gleich alle 30 Nummernschilder seines Fuhrparks mit dem Firmenkürzel HH bedrucken wollte. Die Zulassungsstelle lehnte dies aber ab.

Fahrzeuge und ihre Kennzeichen sind immer noch der Deutschen liebstes Kind. Zulassungsstellen bieten längst schon Online-Reservierungen an. Dabei kommt es auch zu skurrilen Wortschöpfungen: Ein Fahrzeug aus Bad Segeberg kann schon mal SE-XY heißen und in Konstanz war vor einigen Jahren, auf dem Höhepunkt der Begeisterung für den Berliner Eisbären Knut das Kürzen KN-UT der Renner. Problematisch wird es allerdings für jene, die gern die Nummer 1 auf ihrem Schild zeigen möchten.

Diese Zahl ist meist Politikern und Behördenleitern vorbehalten.


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Kennzeichen

Die Deutschen stehen mit ihrem Hang zur besonderen Kennzeichnung im Ländervergleich nicht alleine. In den skandinavischen Ländern Dänemark, Island, Lettland und Schweden können Fahrzeughalter die ganze Beschriftung wählen. In Belgien kostet ein Wunschkennzeichen mit bis zu acht Zeichen an die 1000 Euro, in Deutschland kommt man, wenn auch mit weniger Freiheiten, auf knapp über 10 Euro. Und in der Schweiz werden Kontrollschilder meist nach aufsteigenden Nummern vergeben. Nur wenn eine Wunschnummer frei ist, kann diese auch gegen eine Gebühr erworben werden. Den höchsten Betrag soll nach Medienberichten 2008 ein Scheich in den Arabischen Emiraten auf den Tisch gelegt haben: das waren 10 Millionen Euro für die Nummer 1.