1. Wird der Privatgrund am Strand bei anhaltendem Niedrigwasser automatisch größer? Nein, sagt Esther Schwytz vom Liegenschaftsamt in Konstanz. Sogenannte Gewässer erster Ordnung, also große Gewässer wie der Bodensee, gehören dem Land. Grenze ist die Gewässerlinie. Allerdings habe ein vorübergehender Rückgang des Sees noch keine Auswirkungen auf die Besitzverhältnisse. Das müsse erst bei „dauerhafter Verlandung“ neu geregelt werden.
  2. Was ist mit der Schifffahrt? „Das Gute ist ja, dass die Saison vorbei ist“, sagt Christopher Pape, Pressesprecher der Stadtwerke Konstanz und als solcher auch für die Bodensee-Schifffahrtsbetriebe zuständig. Die Weiße Flotte hat ihren Linienbetrieb kürzlich eingestellt. Jetzt sind nur noch Event- und Charterfahrten unterwegs. Erstere steuerten große Häfen an und führten als Rundfahrten durch unproblematisches Gebiet. Definitiv nicht durch den Untersee, der schon seit dem Sommer nicht mehr befahrbar ist für große Schiffe. Manchem Kapitän bescherte das Niedrigwasser zum Teil unfreiwillige Liegezeiten: Im Untersee mussten die Segler schon im Juli ihre Boote aus dem Wasser holen. Die Wasserschutzpolizei berichtet zudem von insgesamt neun festgefahrenen Booten – im Untersee oder in der Konstanzer Bucht. Vier mehr als 2017.
  3. Warum gibt es unterschiedliche Pegelstände an Unter- und Obersee? Wie der Name schon sagt liegt der Obersee leicht höher, nämlich 30 Zentimeter. Dadurch entsteht die Strömung des Seerhein. In den letzten Jahren ist die Differenz gestiegen, bestätigt Hilmar Hofmann vom Limnologischen Institut der Uni Konstanz. Über den Grund sei lange spekuliert worden. Die wahrscheinlichste Variante sei, dass es durch die Zunahme des Schweizer Laichkrauts (Potamogeton helveticus) im Seerhein zu einem Rückstau des Wassers komme, was zu dieser Pegeländerung führt.
  4. Leiden die Fischer? Laut Axel Mayer aus Meersburg, der derzeit noch täglich bei Immenstaad rausfährt, um Kretzer zu fangen, hat sich für ihn der niedrige Pegel nicht ausgewirkt. „Da sind die Fische eben etwas weiter drin im See“, sagt der 50-Jährige. Ein gutes Fischjahr sei 2018 dennoch nicht gewesen. „Der Felchenfang war richtig schlecht, aber das hat andere Gründe.“
  5. Was bedeutet der niedrige Pegel für die Pfahlbauten? Die Wasserlinie geht zurück und die Kraft der Wellen trifft nicht mehr auf die groben Kiese am Strand, sondern auf die feinen Sedimente, die sonst im tieferen Wasser vorzufinden sind, was die Erosion der Flachwasserzone verstärkt, wie Hilmar Hofmann vom Limnologischen Institut der Uni Konstanz herausgefunden hat. Auch die Pfahlbauten der Weltkulturerbestätten, zum Beispiel in Sipplingen und Unteruhldingen leiden – eventuelle Frostschäden könnten gravierend ausfallen.
  6. Bekommen die schweizerischen AKW Probleme durch das Niedrigwasser? Das Kernkraftwerk Beznau (KKB) liegt an der Aare und nicht am Rhein. Die Wasserführung der Aare ist ausreichend, um die Wärmeabfuhr des flusswassergekühlten KKB sicherzustellen, erklärt die Inspection fédérale de la sécurité nucléaire IFSN. Das am Rhein gelegene Kernkraftwerk Leibstadt (KKL) benutzt einen Kühlturm für die Abfuhr der im Kondensator anfallenden Abwärme. Es benötige, verglichen mit dem flusswassergekühlten KKB, aber nur eine geringe Wassermenge aus dem Rhein, die auch im Falle einer noch weit geringeren Wasserführung als sie gegenwärtig zu verzeichnen ist, verfügbar wäre. Derzeit ist es wegen der Jahresrevision gar nicht in Betrieb.
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