Lange hatte Geisingen, die erste Stadt an der jungen Donau, mit dem 2007 gesprengten Zementwerk ein Alleinstellungsmerkmal. 2010 kam mit der Arena Geisingen, der ersten überdachten Inline-Arena Deutschlands, noch etwas Neues dazu.

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Nun hat die Stadt im Landkreis Tuttlingen eine weitere Besonderheit: die Bürgermeisterwahl, bei der die Geisinger am Sonntag, 30. Juni, ein neues Stadtoberhaupt wählen. Doch was macht diese Wahl so besonders? Das Außergewöhnliche sind dabei das Feld der Kandidaten und die Vorgeschichte.

2003 wurde der heute 55 Jahre alte Diplom-Verwaltungswirt Walter Hengstler zum Bürgermeister gewählt. Der gebürtige Geisinger wurde 2011 für eine zweite Periode in seinem Amt bestätigt. Noch im Januar kündigte er auf Nachfrage dieser Zeitung an, für eine dritte Amtszeit zu kandidieren. Doch dann zum Ende der Bewerbungsfrist am 3. Juni kam es völlig anders. Hengstler, der bei den Kommunalwahlen für die CDU wieder in den Tuttlinger Kreistag gewählt wurde, zog morgens schriftlich seine Kandidatur zurück.

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Was war geschehen? Im Gespräch mit dieser Zeitung erklärte Hengstler, dass seine „reiflich überlegte Entscheidung“ darauf basierte, dass die Zusammenarbeit zwischen Bürgermeister und Gemeinderat in letzter Zeit nicht mehr besonders harmonisch verlief. „Es war das Verhältnis zwischen mir und dem Gemeinderat, das letztendlich zum Bruch geführt hat“, stellte Hengstler fest.

„Mit solchen Leuten und für solche Leute möchte ich nicht mehr arbeiten“, betonte Hengstler, ohne jedoch genauer zu skizzieren, was zur getrübten Arbeitsatmosphäre geführt habe. „Es spricht vieles dafür, dass drei von vier Fraktionen des Gemeinderats einen anderen Kandidaten aktiv unterstützen“, meinte Hengstler.

Ein CDU-Mann zu viel

Er spielt damit auf die Kandidatur von Martin Numberger aus Überlingen an (36, Jurist, Mitglied im Vorstand des CDU-Kreisverbandes Tuttlingen), der am 28. Mai als dritter Bewerber seine Unterlagen im Rathaus eingereicht hat.

Hengstler zog daraus eine weitere Konsequenz: Per E-Mail an den CDU-Kreisverband Tuttlingen und an Landrat Stefan Bär erklärte er seinen sofortigen Austritt aus der CDU. Am 31. August endet Hengstlers Amtszeit. Was danach kommt, ließ Hengstler offen: „Das Leben beginnt nach dem Mandat“, sagte er. Viel mehr wollte er dazu nicht sagen.

So bleiben Geisingen zwei völlig gegensätzliche Bürgermeisterkandidaten. Bevor Jurist Numberger, der im Tuttlinger Landratsamt arbeitet, seine Kandidatur abgab, warf bereits zu Beginn der Bewerbungsfrist am 13. April das Geisinger Original Thomas Braun seinen Hut in den Ring. Der 50-jährige gelernte Landwirt verdient sein Geld als selbstständiger Dienstleister rund um Haus und Hof.

Haus- und Hofdienstleister Thomas Braun möchte Chef im Geisinger Rathaus werden. Bild: Stephan Rieger
Haus- und Hofdienstleister Thomas Braun möchte Chef im Geisinger Rathaus werden. | Bild: Rieger, Stefan

Als Gewinner des Närrischen Ohrwurms und Fahrer eines markanten historischen Feuerwehrautos, das zum Feierbus umgebaut wurde, genießt er in der ganzen Region hohe Popularität und durchaus Sympathiewerte. Auch für seine zahlreichen Aktionen, mit denen er gemeinsam mit Freunden Geisingen verschönert.

Erst am Wochenende platzierte Braun auf einem Geisinger Kreisverkehr ein Boot, das als Symbol für die Stadt Geisingen mit ihren Ortsteilen steht. „Wir sitzen alle im gleichen Boot“, ist darauf groß zu lesen. Gleichzeitig wirbt das Boot für das bekannte Straßenfest. Braun bezeichnet sich im Wahlkampf als „Macher“.

Martin Numberger hingegen, meist akkurat im Anzug und mit Krawatte, verkörpert den Bürgermeister, wie ihn sich viele auf dem Land vorstellen. Eher etwas konservativ, als Respektsperson mit guten rhetorischen Fähigkeiten und stets mit einer für die Bürger passenden Antwort auf ihre Fragen.

Auch Jurist Martin Numberger kandidiert für das Amt des Geisinger Bürgermeisters.
Auch Jurist Martin Numberger kandidiert für das Amt des Geisinger Bürgermeisters. | Bild: Stephan Rieger