Sie ist jung und sie ist engagiert. Marianne Markwardt, 31, Lehrerin in Elternzeit, ist ein klein wenig stolz auf das, was sie gerade gemacht hat. Die Frau aus Donaueschingen hat das Land Baden-Württemberg soeben in einem Rechtsstreit herausgefordert. Und das Ergebnis schlägt Wellen. Dank ihrer gewonnenen Musterklage muss die Landesregierung einen umstrittenen Sparbeschluss zurücknehmen.

Marianne Markwardt hat gut lachen: Die Lehrerin aus Donaueschingen bringt jungen Beamten eine kräftige Nachzahlung. Das Land muss dafür seinen Sparkurs revidieren. Bild: Thomas Wöhrstein
Marianne Markwardt hat gut lachen: Die Lehrerin aus Donaueschingen bringt jungen Beamten eine kräftige Nachzahlung. Das Land muss dafür seinen Sparkurs revidieren. | Bild: Thomas Wöhrstein

Dabei geht es zunächst einmal um eine Summe in Höhe von 210 Millionen Euro, die das Land nach der Absenkung der Eingangsbesoldung zwischen 2013 und 2017 an die Betroffenen auszahlen will. Man gehe weit über das Urteil hinaus und zahle auch für entsprechende Gehälter vor der Verjährungsfrist im Jahr 2015, heißt es in Stuttgart. Freuen können sich somit alle jungen Beamten und Richter, die in diesem Zeitraum davon betroffen waren.

Die grün-schwarze Landesregierung machte damit einen Beschluss rückgängig, der damals unter Beamten für kräftigen Wirbel sorgte. Markwardt war eine von 30 000 Lehrkräften im Land, die über drei Jahre hinweg auf bis zu 8 Prozent ihres Gehalts verzichten sollten. Auf ihrem Gehaltszettel machte das 300 Euro im Monat aus. Das fand die Realschullehrerin in Immendingen unfair, zumal sie gerade in ein wechselvolles Berufsleben gestartet war.

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Nach einer einjährigen Krankheitsvertretung wurde sie – wie vielerorts üblich – in den Sommerferien wieder entlassen. Sechs unbezahlte Wochen, und dann die Wiedereinstellung mit den entsprechenden Abzügen ärgerten die Frau mit dem Einser-Examen. Sie zögerte nicht lange, als der Verband Bildung und Erziehung (VBE) gegen die ungeliebten Sparmaßnahmen des Landes vorgehen wollte. Und sie entschloss sich als eine von mehreren Beamten zu einer Musterklage, die vor dem Bundesverfassungsgericht schließlich endete.

Inzwischen hat ihr Lehrerverband das Urteil juristisch prüfen lassen und hält jetzt eine weitere positive Nachricht für all jene Beamten bereit, die schon von älteren Sparmaßnahmen betroffen waren. Die vor 2013 Eingestellten, deren Absenkung noch in das Jahr 2013 und später hineinreicht, können laut Auskunft des Beamtenbunds für diese Absenkungsbeträge eine Nachzahlung bekommen. Und weiter heißt es in einer Mitteilung des Lehrerverbandes VBE: Offen sei noch, wie mit Besoldungskürzungen für das Jahr 2012 und früher zu verfahren ist. Auch das werde derzeit rechtlich geprüft. Nach Angaben des VBE reicht die erste Senkung der Eingangsbesoldung bis zum Jahr 2005 zurück.

Marianne Markwardt zeigt sich auch heute furchtlos, wenn es aus ihrer Sicht um Gerechtigkeit geht. Im Vertrauen auf ihren guten Notenschnitt und ihre Sattelfestigkeit bei der Besoldungsfrage scheint ihre juristische Aufmüpfigkeit nur gewachsen zu sein. Man hätte sehr gute Gründe haben müssen, um sie "loszuwerden", ist sie zuversichtlich. Als nächstes will sie sich für den VBE bei den nächsten Personalratswahlen aufstellen lassen. Umso besser werde sie sich für andere Lehrer einsetzen können, meint Markwardt. Und nach der Elternzeit will sie wieder zurück an die Schule nach Immendingen. Dort fühle sie sich besonders wohl, so die Lehrerin.

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