Während der Messer-Attacke in Ravensburg Ende September waren vier Helfer auf sich allein gestellt. Mutig stellten sie sich einem psychisch kranken 21-jährigen Asylbewerber in den Weg der mit einem Messer drohte und damit drei Menschen schwer verletzte. Jetzt wurden sie für ihre Zivilcourage geehrt. „Das war eindeutig ein Mehr, als man erwarten darf“, betonte Erwin Hetger, Vorsitzender des Weißen Rings Baden-Württemberg, in seiner Rede.

Der Landesverband der Opferorganisation verlieh den Zivilcourage-Preis. Man dürfe von Helfern nicht verlangen, sich selbst in Gefahr zu bringen – trotzdem könne jeder seinen Beitrag leisten. Das Blutvergießen hatte geendet, als Ravensburgs Oberbürgermeister Daniel Rapp (CDU) den Angreifer aufforderte, das Messer wegzulegen. Einen Preis wollte er dafür nicht entgegennehmen – er sei vor allem als Amtsträger tätig geworden, sagte er.

13.11.2018, Baden-Württemberg, Ravensburg: Nina Bäumler (l-r), Bilal Hasan, Aferdita Gau und Olaf Klingler stehen bei einer Ehrung für ihr mutiges Eingreifen bei einer Messer-Attakcke zusammen. Sie hatten sich einem Angreifer in Ravensburg in den Weg gestellt oder Verletzte versorgt. Für ihre Zivilcourage wurden sie von der Opferorganisation Weißer Ring ausgezeichnet. (zu dpa: "Preis für Zivilcourage nach Ravensburger Messer-Attacke" vom 13.11.2018) Foto: Linda Vogt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Nina Bäumler (l-r), Bilal Hasan, Aferdita Gau und Olaf Klingler stehen bei einer Ehrung für ihr mutiges Eingreifen bei einer Messer-Attakcke zusammen. | Bild: Linda Vogt

Aferdita Gau, 41, stellte sich dem Angreifer mit ausgebreiteten Armen entgegenstellt hatte, wie sie es am Rande der Verleihung erzählte. „Ich dachte, jetzt bist du die Nächste. Aber irgendwer musste sich doch kümmern“, so die 41-Jährige. Sie hatte gerade einen der insgesamt drei Schwerverletzten an einer Bushaltestelle versorgt, als der mutmaßliche Täter zurückkehrte. Verletzt wurde sie selbst nicht.Aber sie muss sich ihren Erinnerungen täglich stellen: Auf dem Weg zur Arbeit liegt die Bushaltestelle, an der sie dem Angreifer plötzlich gegenüberstand.

Olaf Klingler, 52, wurde schwer verletzt. Mit einem Stuhl hatte er versucht, seine Familie zu beschützen. „Ich wollte den einfach stoppen, sonst hat ja keiner was unternommen.“ Die Leute seien weggerannt, andere hätten mit Handys gefilmt. Vier Tage lag der Busfahrer aus Hessen im Krankenhaus – „da kommt man schon ins Grübeln“. Anders handeln würde er auch heute nicht.

Nina Bäumler, 16, ist die Jüngste unter den Ausgezeichneten. Der jungen Frau war an dem Septembertag auf der Straße Mitten in Ravensburg ein blutender Mann entgegen gekommen. Was in der Innenstadt gerade los war, davon hatte sie allerdings noch nichts mitbekommen. Wie sie weiter schilderte, rannte sie zu dem Friseursalon, in dem sie gerade eine Ausbildung macht: „Ich hab den Erste-Hilfe-Kasten geholt. Mein Kopf hat nur gedacht: Du musst die Blutung stoppen.“ Die nüchterne Erkenntnis: Nur ein einziger Mann habe ihr dabei geholfen.

Bilal Hasan, 20, ein Asylbewerber aus Syrien, fand sich ebenfalls auf einmal verlassen. Mit Freunden hatte er in einem Café gesessen, als alle vor dem Angreifer flüchteten. Doch er blieb, wie er erzählte, und schützte einen der bereits Verletzten. Der junge Mann ist der einzige der vier Geehrten, der die Ereignisse vom September nach eigener Aussage rasch vergessen konnte. (dpa)