Sie sind im Sommer die Touristenmagneten des Schwarzwalds. Alleine zwischen Mai und September werden an Titisee und Schluchsee knapp 600 000 Übernachtungen gezählt, im kompletten Jahr 2017 waren es über eine Million. Im gesamten Hochschwarzwald gab es 2017 rund 3,7 Millionen Übernachtungen. Das zeigt, wie wichtig die beiden Seen für den Tourismus in der Region sind.

„Neben dem Bodensee sind wir im Land das größte Urlaubsgebiet“, weiß Volker Haselbacher vom Vorstand der Hochschwarzwald Tourismus GmbH. Sie vertritt die Interessen der 16 Kommunen im Herzen des Black Forest, wie der Schwarzwald weltweit bekannt ist. Unter den 16 Kommunen befinden sich auch die beiden, die im Sommer die Badegäste in Scharen anlocken.

Kuckucksuhren überall

Titisee, Mittagszeit, das Thermometer zeigt 38 Grad an. Die rund 200 Meter lange Seestraße am östlichen Ufer des rund 1,8 Kilometer langen Gewässers verwandelt sich in eine belebte Flaniermeile. Ein Restaurant nach dem anderen, Riesenrad, Tret- und Ruderboote, Rundfahrten in Charterschiffen – es gibt kaum ein Durchkommen. Dazu die vielen Kuckucksuhren, das Symbol des Schwarzwalds. Sie sind in vielen Geschäften zu haben.

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Einer, der sein Geld auch mit dem Verkauf des Traditionsprodukts verdient, ist Olaf Drubba. Gemeinsam mit seinen vier Brüdern leitet er das gleichnamige Familienunternnehmen, das 1956 mit einem Kiosk und einem Bootsverleih gegründet wurde. Heute besitzen die Drubbas unter anderem Hotels und Restaurants. Insgesamt 300 Mitarbeiter, alleine am Titisee sind es 180, sind angestellt.

Olaf Drubba führt mit seinen Brüdern die Geschicke einer Firma, die sich vor allem auf asiatische Kundschaft spezialisiert hat.
Olaf Drubba führt mit seinen Brüdern die Geschicke einer Firma, die sich vor allem auf asiatische Kundschaft spezialisiert hat. | Bild: Michael Schwarz

Angestellte aus Asien

An der Seestraße betreiben die Drubbas eine Shoppingmeile mit Luxusprodukten. Dazu haben sie extra ein hochpreisiges Uhrengeschäft, in dem es auch die Kuckucksuhren in allen Varianten zu kaufen gibt. Olaf Drubba ist seit 1977 im Unternehmen tätig. In seinem Laden steht er inmitten von handgemachten Kuckucksuhren. „Wir verkaufen Modelle von 50 bis 5000 Euro pro Stück.“

In dem Luxusgeschäft fällt sofort auf, dass im Verkauf fast ausschließlich Angestellte aus Asien arbeiten. „Wir haben 1990 angefangen, in Asien Kundschaft zu akquirieren“, blickt er zurück. Seitdem kommen von dort massenhaft Touristen – unter anderem aus China – an den See.

Stelldichein der Luxusmarken

Der Titisee als eine der zentralen Destinationen in Süddeutschland, mit Kiefernwäldern, Kirschtorte und Kuckucksuhren. So lautet das Schwarzwaldidyll-Marketingkonzept der Drubbas. Früher wurden vor allem Amerikaner an den See gekarrt, heute sind es die Asiaten. Und die kommen auf ihre Kosten. Soll es Mode von Hugo Boss, Calvin Klein oder Swarovski sein? Oder doch besser eine Prada-Brille?

Am oberen Ende der Seestraßen hält ein Bus nach dem anderen. Die Gruppen, die aussteigen, sprechen meistens englisch, asiatische Sprachen oder auch mal spanisch. Ohrstöpsel mit Mikro, Nummerntafel für die Reisegruppe, Tracht und roter Schwarzwaldmädel-Bollenhut auf dem Kopf. Die Besucher kaufen bei hochsommerlichen Temperaturen überwiegend Weihnachtsartikel für den Christbaum – und eben wieder die Uhren mit dem Pendelwerk und dem Kuckuck.

Konkurrieren mit Südtirol und Allgäu

Die typischen Schwarzwald-Klischees sorgen bei Volker Haselbacher für ein Schmunzeln. Er versucht, den Hochschwarzwald auf dem hart umkämpften Tourismusmarkt positiv zu platzieren. „Wir konkurrieren mit Urlaubsregionen wie Südtirol und dem Allgäu. Das ist unser Maßstab.“ Haselbacher weiß, wie sich die Region rund um den Feldberg füllt. „Im Winter von oben, im Sommer von unten.“ Und unten sind die beiden größten Seen, der Titisee und der Schluchsee.

Nur wenige Kilometer Luftlinie entfernt vom pulsierenden Titisee geht es ruhiger zu. Am Schluchsee fahren am Nachmittag lediglich einige Tret- und Ruderboote quer über den über sieben Kilometer langen See, dessen Nordhälfte kaum touristisch erschlossen ist. Trotzdem gibt es einige imposante Hotelbauten, allen voran das bekannte "Vier Jahreszeiten". Schließlich ist auch die Gemeinde Schluchsee von Einnahmen aus dem Tourismus abhängig. 2500 Einwohner, tausende Betten für Touristen, vor allem Deutsche und Schweizer machen dort Urlaub.

Schlamm statt Wasser im Schluchsee

Jürgen Kaiser ist seit zehn Jahren Bürgermeister der Gemeinde Schluchsee. Von seinem Amtszimmer aus blickt er seit geraumer Zeit mit Sorge auf den See. Er fühlt sich vom Land im Stich gelassen. Das in den 1920-ern angestaute Gewässer dient auch als Pumpspeicher für drei Kraftwerke, betrieben von den Energiekonzernen EnBW und RWE. Sie wollen bei der Energiegewinnung möglichst viel Flexibilität – und würden gerne je nach Bedarf den Pegelstand erhöhen oder reduzieren.

Kämpft für den Tourismus und einen verlässlichen Schluchsee-Pegelstand: Bürgermeister Jürgen Kaiser.
Kämpft für den Tourismus und einen verlässlichen Schluchsee-Pegelstand: Bürgermeister Jürgen Kaiser. | Bild: Michael Schwarz

Durch eine neue Genehmigung des Freiburger Regierungspräsidiums ist das den Konzernen auch möglich – sie können den Wasserpegel künftig an 30 Tagen im Jahr um mehrere Meter absenken. Für Kaiser ist das eine Katastrophe. „Wenn sie über die Sommermonate den Pegelstand reduzieren, haben wir Schlamm rund um den Schluchsee. Dann kommt doch kein Urlauber mehr zu uns“, fürchtet der Bürgermeister.

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