Als Lehrerin kann man sich Susanne Eisenmann kaum vorstellen. Zu gerne redet die CDU-Politikerin und Schulministerin. Ihr genügt ein Stichwort, und schon redet die CDU-Frau ohne Punkt und Komma, aber mit Substanz, los. Gestützt auf ihr gutes Gedächtnis und einen gesunden Mutterwitz ist sie so schnell nicht zu bremsen. Dazu kommt, dass sie in der Schulmaterie sattelfest ist und sich von den mehr als 112.000 Lehrern im Land nicht gerne belehren lässt.

Fachkräftemangel auch bei den Lehrern

Beim Besuch der SÜDKURIER-Redaktion präsentiert sich Eisenmann – promovierte Philosophin wie Robert Habeck auch – munter. Im hochgeschlossenen Denim-Hemd mit hellen Nähten zeigt sich die selbstbewusste Ressortchefin. Mitleid verbittet sie sich und sagt „Ich fühle mich nicht gerupft.“ Dass sie im Dauerfeuer von Pädagogen, Vätern, Müttern und auch Kindern steht, ficht sie nicht an. Sie scheint das Feuer zu lieben.

Beim Lehrwesen stellt sie einen starken Wandel fest. Der Fachkräftemangel komme auch in diesem Beruf an. Nach wie vor sei die Zahl der Studienabbrecher an den Pädagogischen Hochschulen (PH) ungewöhnlich hoch. Neu sei, dass immer weniger Männer an die Schule wollen. Auch in den Gymnasien beobachte sie diesen Trend, berichtet Eisenmann. „Das wird eines Tages ein Frauenberuf sein“, ahnt sie.

Ein Polizist kriegt weniger

Über die Ursache rätseln auch die Experten im Kultusministerium. Am Geld könne es nicht liegen, dieses Argument akzeptiere sie nicht, sagt Susanne Eisenmann. Ein Polizist erhalte deutlich weniger Bezüge, wie könne sich ein Lehrer dann beklagen? Ein Grund könne das gesunkene Ansehen dieses Berufs sein, denkt die Ministerin. Sie beobachtet, dass den Unterrichtenden erschreckend wenig Respekt entgegengebracht wird.

Der Lehrer als Respektsperson

In anderen Ländern sei das anders, in den skandinavischen Schulen gelte der Lehrer eine Respektsperson. Sein Ansehen sei in den Familien verankert, dort werde den Kindern ein positives Bild des Lehrers vermittelt, was in Deutschland nicht der Fall sei. Hier dienten Pädagogen auch zur innerfamiliären Belustigung. Eisenmann fasst zusammen: „Es ist eine große Herausforderung, heute Lehrer zu sein.“

Die CDU-Politikerin ist sich sicher: Die Bedeutung des Rohstoffs Bildung kann man gerade in Baden-Württemberg gar nicht hoch genug ansetzen. Sie zitiert ein altes Sprichwort: „Wer es nicht im Boden hat, muss es in der Birne haben.“ Das Land habe kaum Bodenschätze, deshalb sei es auf kluge Köpfe angewiesen. Damit stehen Bildungspolitiker schnell vor der Frage, wie viele Abiturienten ein System hervorbringt.

Passgenaue Schule

Eisenmann warnt vor der einfachen Annahme, je mehr Abiturienten, desto besser. Das stimme eben nicht. In Bayern zum Beispiel wechselt jeder dritte Grundschüler auf das Gymnasium (32 Prozent des Jahrgangs); im Freistaat ist die Empfehlung des Lehrers verbindlich. In Baden-Württemberg nehmen schon 42 Prozent den Sprung auf das Gymnasium. Eisenmann bezweifelt, dass dabei immer eine „passgenaue Schule“ erwischt wird.