Tausend Kühe unter einem Dach – für hiesige Breiten ist das ein Mega-Projekt. Doch genau ein solcher Rekordstall, der zu den größten Baden-Württembergs gehören wird, soll bald bei Ostrach (Landkreis Sigmaringen) entstehen. Der geplante Milchpark Hahnennest, ein Gemeinschaftsprojekt von vier Landwirten, hat alle notwendigen Genehmigungen und steht kurz vor dem Baubeginn.

Das Landratsamt Sigmaringen hat als zuständige Behörde die Baugenehmigung erteilt. Damit kann die Landwirtsgemeinschaft mit dem Bau beginnen. Auf Anfrage des SÜDKURIER bestätigt Edwin König, einer der vier Hahnennester Landwirte, die das Mega-Projekt verwirklichen, dass derzeit noch die Statik geprüft wird und man in fünf bis sieben Wochen mit den Bau starten könne. "Wir rechnen mit einer Bauzeit von etwa einem Jahr", ergänzt König.

Die vier Landwirtschaftsfamilien betreiben bereits den Energiepark Hahnennest (vorne links). Angrenzend soll der Kuhstall errichtet werden. Dazu sind Melkgebäude, Hallen und weitere Gebäude geplant.
Die vier Landwirtschaftsfamilien betreiben bereits den Energiepark Hahnennest (vorne links). Angrenzend soll der Kuhstall errichtet werden. Dazu sind Melkgebäude, Hallen und weitere Gebäude geplant. | Bild: Gerhard Plessing

Anneliese Schmeh von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (Alb) sieht das Projekt aus mehreren Gründen nach wie vor kritisch. Sie verweist auf die Gefahr, dass im Falle einer Seuche in dem Stall alle Kühe im Umkreis von 150 Kilometern gekeult werden könnten. "Das würde dann alle treffen, auch die Betriebe, die drumherum liegen", meint die Bäuerin, die Vorsitzende der Regionalgruppen Bodensee ist.

12 Millionen Liter Milch

Sorgen würden umliegenden Betrieben auch die großen Mengen Milch bereiten, die auf dem künftigen Hof produziert würden. Bei einer Menge von bis zu 12 000 Liter Milch je Kuh im Jahr könne das den Preis weiter drücken – bei 1000 Kühen kämen im Jahr 12 Millionen Liter zusammen. Eine Biokuh produziere nur bis zu 6000 Liter im Jahr.

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"Wir haben jetzt schon zu viel Milch am Markt", sagt Schmeh, die sich um die Existenz vieler kleiner Betriebe sorgt. Nur aus Sicht der Molkereien wäre das positiv. "Die sind froh, wenn sie billig einkaufen können", sagt die Biolandwirtin. Das Nachsehen hätten kleinere bäuerliche Betriebe mit 50 bis 200 Tieren. Für sie könnte es auch schwieriger werden, Ackerland und Wiesen zu pachten, auf denen Futter angebaut wird.

Unmittelbar an die bestehende Biogasanlage soll in Hahnennest ein riesiger Viehstall für bis zu 1000 Kühe gebaut werden.
Unmittelbar an die bestehende Biogasanlage soll in Hahnennest ein riesiger Viehstall für bis zu 1000 Kühe gebaut werden. | Bild: Siegfried Volk

Fragezeichen setzt Schmeh auch hinter die Frage nach dem Brandschutz. "Kriegen sie mal 1000 Tiere aus einem Stall, die keine Weide gewohnt sind," sagt sie. Kritisch sieht sie vor allem die Nitratbelastung. Es sei bekannt, dass Ostrach sich an der Belastungsgrenze befinde, so Schmeh. "Wenn dann noch ein Stall mit tausend Kühen dazu kommt, wirft das Fragen auf." Daher setzt sie auf eine Klage des BUND.

Die Pläne der Landwirtegemeinschaft hatte für viel Aufsehen und Widerspruch gesorgt. Eine Petition gegen den Bau wies der zuständige Ausschuss des Landtags zurück. 200 Schreiben aus Deutschland waren dort eingegangen, um den Mega-Stall zu verhindern.