War es Fehlberechnung, Leichtsinn oder einfach Pech? Nur fünf Meter unter den Gleisen einer der wichtigsten europäischen Bahnstrecken wollte die Bahn einen neuen Tunnel bohren lassen – im Grundwasser und nur durch künstliche Vereisung gegen Pannen geschützt.

Das hat nicht funktioniert: Am 12. August 2017 sickerten an der Baustelle im baden-württembergischen Rastatt Wasser, Sand und Kies in den gerade fertigen Tunnelabschnitt.

Heftige Kritik an der Deutschen Bahn

Die Folgen waren dramatisch. Sieben Wochen lang konnte keiner der sonst täglichen 300 Züge fahren. Ein Jahr später ist auf der Baustelle nicht viel Fortschritt zu sehen. Arbeiter bohren Löcher für Bodenproben.

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Ob und wie die Logistikwirtschaft entschädigt wird, ist noch nicht klar. Von mehr als 100 Millionen Euro direkten Verlusten war die Rede. Ein Gutachten im Auftrag der Branche hat volkswirtschaftliche Schäden von mehr als zwei Milliarden Euro errechnet.

Tunnelbohrmaschine steckt noch immer unter den Gleisen

Dagegen nehmen sich die 18 Millionen Euro für die Tunnelbohrmaschine bescheiden aus. Das riesige Arbeitsgerät steckt immer noch einbetoniert in der Oströhre unter den Gleisen der Rheintalbahn. Die Baufirmen haben damals – um eine Ausweitung des Schadens zu verhindern – die Röhre mitsamt Maschine einfach mit Beton vollgepumpt.

Nach der Havarie musste sich die Bahn heftige Kritik anhören. In der ersten Reihe der Kritiker stand und steht auch das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE), ein Zusammenschluss von Bahnunternehmen.

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NEE-Geschäftsführer Peter Westenberger hält die Zwischenbilanz für deprimierend. Deutsche Bahn und Regierung müssten das milliardenschwere Rastatt-Desaster endlich als Weckruf begreifen. „Wir fordern eine transparente Aufarbeitung der Ursachen, eine schnellere Regulierung der Schäden und eine Beschleunigung des Schienennetzausbaus.“ Westenberger spricht von einem schwerwiegenden Vertrauensverlust in den Schienengüterverkehr.

Tunnel soll 2024 fertig werden

Der Vorstandschef der DB Netz AG, Frank Sennhenn, widerspricht entschieden. „Wir haben aus Rastatt gelernt und uns auf die Fahne geschrieben: Da werden wir besser.“ So seien unter anderem klare Prozesse und schnelle Kommunikationswege für ein internationales Störungsmanagement in einem Handbuch vereinbart worden.

Nach bisherigen Angaben der Bahn soll der Tunnel 2024 fertig werden, zwei Jahre später als ursprünglich geplant.