Während zur Zeit der auf ein Jahr angelegte sogenannte Mafia-Prozess in Konstanz verhandelt wird, machen der Polizei höhere Kosten für Großverfahren zu schaffen, bei denen es um die Bekämpfung der Organisierten Kriminalität geht. Das bestätigt auch eine Umfrage bei den drei Polizeipräsidien Konstanz, Tuttlingen und Freiburg. Das baden-württembergische Innenministerium stellt in diesem Jahr zusätzliche Mittel in Höhe von einer Million Euro zur Verfügung, die sich alle 12 Präsidien im Land teilen müssen. Ein nicht unwesentlicher Teil dieser Summe entfällt auf zusätzliche Ermittlungskosten für solche Verfahren, wie ein Sprecher des Innenministeriums dem SÜDKURIER auf Nachfrage bestätigt.

Demnach wurden in diesem Jahr bereits 10 Millionen Euro für Ermittlungen ausgegeben, 2017 waren es im gleichen Zeitraum 9,1 Millionen und 2016 9,5 Millionen. Entsprechend ist das Verhältnis bei den Kosten für Telefonüberwachungen, für die die Polizei im Land bislang 2,6 Millionen aufgewendet hat, wogegen es 2016 noch 2,2 Millionen Euro waren. Ein wesentlicher Posten sind dabei die Dolmetscherleistungen, die beispielsweise für Telefonüberwachungen fällig werden. Das Innenministerium sieht eine der Ursachen dafür in der „zunehmenden Digitalisierung der Gesellschaft“ – durch die Verwendung von Smartphones und Computer.

Zwar seien Anzahl und Umfang dieser Maßnahmen nicht planbar, weil sie „stark zyklisch geprägt“ sind, so der Sprecher. Dennoch steigt der Aufwand bei der Bekämpfung der Organisierten Kriminalität, weil „eine zunehmende Internationalisierung feststellbar“ sei. Anschaulich wird das in der folgenden Darstellung: So hat die Polizei Baden-Württemberg im vergangenen Jahr 40 Verfahren im Bereich der Organisierten Kriminalität geführt (im Jahr 2016 waren es 39). „Lediglich eine einzige Tätergruppierung agierte hierbei ausschließlich in Deutschland. Alle anderen waren überregional und international aktiv.“

Auch bei den Polizeipräsidien Konstanz, Tuttlingen und Freiburg sind die Ermittlungskosten in diesem Jahr gestiegen, was auch auf eine besondere Belastung der Beamten schließen lässt.

So machten die Ermittler in Rottweil im Zuge des derzeit laufenden Mafia-Verfahrens gegen mutmaßliche Drogenhändler mit italienischen Wurzeln allein 1500 Überstunden. Und in diesem Jahr wurden bei der Kriminalpolizeidirektion Friedrichshafen "mehrere sehr kostenintensive Ermittlungsverfahren geführt, die höhere Ermittlungskosten und die Zurückstellung von Beschaffungen und Investitionen zur Folge hatten,“ wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums Konstanz bestätigt.