Gleichzeitig übt er harsche Kritik an Schiewer und dessen Umgang mit Autoren und Gutachten, die die Dopingvergangenheit der universitären Freiburger Sportmedizin bewerten.

Bei der Aufarbeitung der Doping-Querelen kam es zu vielen Konflikten zwischen einer zweiten Untersuchungskommission und dem Rektorat und es häuften sich peinliche Pannen. Ein Beispiel: Akten über den im Juli 2000 verstorbenen früheren Leiter der Sportmedizin in Freiburg, Professor Joseph Keul, wurden jahrelang in einer Garage versteckt. Akten der Staatsanwaltschaft galten als vermisst, wurden dann aber angeblich nur durch Zufall doch noch entdeckt. Neben Keul steht Professor Armin Klümper im Zentrum der Untersuchungen. Klümper war ärztlicher Betreuer zahlloser Spitzenathleten, war in Doping-Fälle und Abrechnungsbetrug zugunsten von Sportlern vor allem in den 80er- und 90er-Jahren verwickelt. In so einer Doping-Affäre vertrat ihn der Freiburger Anwalt Wolfgang Schmid.

Und ausgerechnet dieser Anwalt hat in den vergangenen Monaten im Auftrag des Freiburger Universitäts-Rektors Hans-Jochen Schiewer ein Gutachten über seinen früheren Mandanten Klümper rechtlich überprüft. Das ist der Kern der aktuellen Auseinandersetzung. Andreas Singler, Autor des Klümper-kritischen Gutachtens, verwahrte sich beim Rektorat dagegen, dass Schmid im Auftrag der Universität als Gutachten-Prüfer tätig werden konnte. Unfassbar erscheint in diesem Zusammenhang: der Freiburger Rektor wusste ein Jahr lang, dass er einen ehemaligen Klümper-Anwalt beschäftigte und fand nichts dabei. Dieser Befangenheits-Skandal machte bundesweit Schlagzeilen und warf erneut ein schlechtes Licht auf den Aufklärungswillen des Rektorats.

Der Mainzer Doping-Foscher Singler nennt die ins Zwielicht geratene Beschäftigung Schmids im Auftrag des Rektorats „dilettantisch“. Erst als die Befangenheit des Anwalts öffentlich bekannt wurde, hat Schiewer dem Advokaten Wolfgang Schmid das Mandat entzogen. Die Anfrage Singlers, wie viel Honorar Schmid gezahlt worden sei und ob nach Bekanntwerden der Befangenheit Gelder zurückverlangt werden, beantwortete Schiewer ausweichend. Deswegen hat Singler jetzt den Landesrechnungshof gebeten, die Honorarzahlungen zu überprüfen. Singler hat auch die Innenrevision der Universität und des Freiburger Klinikums sowie das Wissenschaftsministerium eingeschaltet. Er hegt den Verdacht, dass die Anwaltshonorare zu unrecht bezahlt wurden und will klären lassen, ob die Universität im Interesse des Steuerzahlers Rückforderungen erheben muss.

Schiewer entschuldigte sich nach Bekanntwerden der Affäre bei Singler – einen Rücktritt von seinem Amt sah er allerdings als nicht notwendig an. Schiewer muss aber damit leben, dass sein Verhalten in Sachen Doping-Aufklärung zunehmend kritisch beurteilt wird.

Hohe Anwaltskosten, die Rede ist von mutmaßlich mehr als eine Million Euro für diesen Ausgabenposten, waren vom Rektorat auch schon im Verfahren gegen den Freiburger Sportmediziner Professor Hans-Hermann Dickhuth verursacht worden, der Nachfolger von Keul geworden war. Dickhuth wurde die Habilitation wegen angeblich wissenschaftlichem Fehlverhaltens entzogen, was als umstritten gilt. Wegen der enormen Anwaltskosten liegt schon länger eine Anzeige beim Landesrechnungshof vor, die ein Wissenschaftsjournalist verfasst hat. Der ist der Meinung, Rektorat und Uni-Klinik hätten Dickhuth zum Sündenbock für die Verfehlungen anderer gemacht und dafür Steuergelder verschleudert.

Der Wissenschaftler Andreas Singler war bis vor geraumer Zeit selbst Mitglied der inzwischen zurückgetretenen Doping-Kommission. Singler wirft dem Freiburger Rektor Hans Jochen Schiewer auch vor, öffentlich das Verhalten der Autoren von Doping-Gutachten falsch darzustellen. So werde der Eindruck erweckt, die Veröffentlichung von Gutachten werde durch die Autoren verhindert. Entsprechende Äußerungen Schiewers weist Singler freilich entschieden zurück.

Der Freiburger Rektor selbst bringe notwendige Genehmigungen von Staatsanwaltschaften nicht bei und wolle mit dem Fingerzeig auf angeblich unwillige Autoren nur von seiner unrühmlichen Rolle im Befangenheits-skandal ablenken.

Die Chronik

Die Sportmedizin an der Freiburger Universität gerät im Jahr 2007 massiv unter Dopingverdacht. Durch die Arbeit einer ersten Untersuchungskommission stellt sich heraus, dass die Sportärzte Andreas Schmid und Lothar Heinrich Radsportler des Teams Telecom beim Doping unterstützt hatten. Viele Telecom-Radler geben Doping zu. Beide Ärzte wurden von der Uniklinik fristlos entlassen. 2009 wurde eine zweite Untersuchungskommission berufen. Diese nahm vor allem die Professoren und Sportmediziner Klümper und Keul ins Visier. Die mehrfach umbesetzte Kommission trat vor wenigen Wochen zurück und beklagte häufig Behinderungen ihrer Arbeit.