Nach massiven Vorwürfen gegen zwei Erzieherinnen, die Kinder bis zum Erbrechen zum Essen gezwungen haben sollen, ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen. Dabei geht es um Vorfälle im katholischen Kindergarten St. Elisabeth in Lauchringen (Kreis Waldshut).

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Der Leiterin der Einrichtung und einer weiteren Kindergärtnerin war nach Bekanntwerden der Vorwürfe gekündigt worden. Beide werden beschuldigt, die Kinder rüde behandelt, zum Essen genötigt und auch zum Schlafen auf Befehl gezwungen zu haben. Das sagen Eltern in der Region:

Uwe Fronius. Bild: Holger Niederberger
Uwe Fronius. Bild: Holger Niederberger | Bild: Niederberger, Holger

Uwe Fronius, 49 Jahre, Donaueschingen: „Das ist absolut nicht o.k., was das passiert ist. Ich bin mir sicher, dass so etwas hier (im katholischen Kindergarten) nicht passieren kann.“

Alexandra Riedmaier. Bild: Holger Niederberger
Alexandra Riedmaier. | Bild: Niederberger, Holger

Alexandra Riedmaier, 40 Jahre, Donaueschingen: „So ein Verhalten der Erzieherinnen geht einfach nicht. Ich habe seit acht Jahren Kinder hier im katholischen Kindergarten. Sie wurden und werden ganz offen und selbstbestimmt erzogen.“

Franziska Mehlhaff, 34 Jahre, Mutter von drei Kindern aus Villingen-Schwenningen: „Sorgen, Kritik an der Kindertageseinrichtung zu üben, hatte ich noch nie. Wir haben einen sehr gut funktionierenden Elternbeirat, der meine bisherigen Kritikpunkte immer weitergibt. Das hat alles immer gut geklappt. Dass eines meiner Kinder zum Essen oder Schlafen gezwungen worden wäre, wäre mir bekannt. Im Gegenteil, ich musste soger schon mal sagen, dass die Erzieherinnen mein Kind nicht schlafen legen, da es sonst am Mittag nicht schläft. Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass so etwas wie in Oberlauchringen in unserem Kindergarten nicht passieren würde. Die Leitung achtet sehr auf ihre Vorschriften und alle Mitarbeiter wirken auf mich sehr kompetent.“

Anne-Kathrin Dietrich. Bild: Andreas Gerber
Anne-Kathrin Dietrich. | Bild: Gerber, Andreas

Anne-Kathrin Dietrich aus Bad Säckingen ist schockiert über die Berichte aus Lauchringen. Zwei ihrer Kinder (drei und fünf Jahre) besuchen das Kinderhaus Rheinau in Bad Säckingen. Solche Zustände wie sie in Lauchringen ans Tageslicht kamen, kennt sie in Bad Säckingen nicht. Sie hofft, dass dies nur ein Einzelfall ist. Mit der Betreuung der Kinder in Bad Säckingen ist sie jedenfalls „sehr zufrieden“. Ihre Kinder essen auch im Kinderhaus.

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Dabei lobt Anne-Kathrin Dietrich das Essen auch als soziales Gemeinschaftserlebnis, das den Kindern und auch ihren Essgewohnheiten gut tue. Sie habe in diesem Zusammenhang bisher keine negativen Erfahrungen gemacht. „Anbieten, anleiten und alles völlig ohne Zwang“, beschreibt sie den Umgang im Kinderhaus. Als Elternbeirätin weiß sie natürlich, dass es auch mal Anregungen und Kritik aus der Elternschaft geben kann. Die Kindergartenleitung und das Team stelle sich dem jedoch konstruktiv. Anne-Kathrin Dietrichs Kinder besuchen nun schon mehrere Jahre die Bad Säckinger Betreuungseinrichtung. Aus dieser langjährigen Erfahrung bescheinigt sie dem Team „eine gute Arbeit“.

Kathrin Peulecke aus Villingen, 38, hat eine vierjährige Tochter. Anlass zur Sorgen, dass Kritik von ihr negativ für ihre vierjährige Tochter sein könnte, habe sie nicht. „Bei Problemen sprechen wir diese sofort an und haben auch keine Bedenken, dass sich dadurch Nachteile ergeben. Die Erzieherinnen hören immer zu und suchen dann gleich nach einer Lösung. Wir haben ein gutes Verhältnis zu den Angestellten und sind per du. Themen, die zum Beispiel bei Elternabenden angesprochen werden, versuchen sie gleich umzusetzen.“ Von Zwangsmaßnahmen beim Essen oder Schlafen sei ihr nichts bekannt. „Wenn Kinder nicht schlafen möchten oder können, wird es eben aus dem Raum genommen und anderweitig betreut, damit die anderen Kinder nicht gestört werden.“ Sie sei sich aber sehr sicher, dass dergleichen nicht in der Einrichtung ihrer Tochter passieren würde. „Das kann ich mir nicht vorstellen.“

Susanne Pantel. Bild: Isabelle Arndt
Susanne Pantel. | Bild: Arndt, Isabelle

Susanne Pantel, Radolfzell, hat zwei Kinder, eines davon geht in die Kita am Mezgerwaidring. Sie ist Vorsitzende des Gesamtelternbeirats der Kindertageseinrichtungen der Stadt Radolfzell: „Meines Wissens nach haben wir so etwas in Radolfzell nicht, da ist mir wirklich nichts bekannt. Ich denke, da ist die Stadt schon hinterher. Das, was Radolfzeller Eltern bemängeln – zum Beispiel der Betreuungsschlüssel – ist weit weg von Missbrauch und Gewalt.“

Alexander Klause, ein Konstanzer Mitte 40, holt gerade seinen zweijährigen Sohn aus dem Kindergarten Urisberg in Wollmatingen ab. Bild: Lukas Reinhardt
Alexander Klause, ein Konstanzer Mitte 40, holt gerade seinen zweijährigen Sohn aus dem Kindergarten Urisberg in Wollmatingen ab. | Bild: Reinhardt, Lukas

Alexander Klause, ein Konstanzer Mitte 40, holt gerade seinen zweijährigen Sohn aus dem Kindergarten Urisberg in Wollmatingen ab: „Ich habe niemals etwas derartiges hier erlebt, geschweige denn davon gehört.“ Von dem Vorfall in Kindertagesstätte in Lauchringen habe er nichts mitbekommen, sagt Klause und reagiert mit Erstaunen und Entsetzen, als er von der Geschichte erfährt. „Hier herrscht eine positive und gleichzeitig entspannte Stimmung – eine rundum gute Betreuung“, sagt der Familienvater, während er sein Kind auf dem Arm trägt. Kritik sei da nicht ansatzweise nötig – und werde demnach auch nicht unterdrückt.

Sandra Rebholz
Sandra Rebholz | Bild: SK

Sandra Rebholz, 40, Luttingen, hat zwei Kinder: „Ich bin mir sicher, dass das im Luttinger Kindergarten nicht vorkommen würde. Wir haben eine kompetente Leitung und gute Erzieherinnen. Beim Essen werden die Kinder zwar motiviert, Vesper oder Mittagessen zu essen, aber keiner wird gezwungen. Kommt es öfters vor, dass ein Kind nicht isst, werden die Eltern beim Abholen darüber informiert.“

Annika Klotz, Vorsitzende des Gesamtelternbeirats der Singener Kindertagesstätten: „Als Mama von zwei kleinen Kindern bin ich natürlich zutiefst entsetzt über diesen Vorfall. Aber ich habe vollstes Vertrauen in die Fachkräfte in den KiTas meiner Kinder – eine derartige Situation kann ich mir in keiner Singener KiTa vorstellen. Nichtsdestotrotz wünsche ich mir eine verbesserte Fachkraft-Kind-Relation, damit es nicht zur Überlastung der ErzieherInnen kommt.“